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Israel: Großdemonstration gegen Gaza-Abzug

Zwei Wochen vor Beginn des geplanten Abzugs aus dem Gazastreifen haben erneut Zehntausende gegen die Räumung der Siedlungen protestiert.

Zwei Wochen vor Beginn des geplanten israelischen Abzugs aus dem Gazastreifen haben erneut zehntausende Israelis gegen die Räumung der jüdischen Siedlungen protestiert. Die Polizei sprach von 25 000 Teilnehmern, die Organisatoren von 50 000 Menschen, die zu der Kundgebung in die Kleinstadt Sderot unweit der Grenze zum Gazastreifen kamen.

Unterdessen starb bei einem missglückten palästinensischen Raketenangriff auf Sderot ein palästinensischer Junge. Acht weitere Kinder wurden zum Teil schwer verletzt, wie Krankenhausmitarbeiter und palästinensische Sicherheitskreise mitteilten. Den Angaben zufolge feuerten Mitglieder der Al-Kuds-Brigaden, des bewaffneten Arms der radikalen Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad, zwei Raketen aus der Ortschaft Beit Hanun ab. Eine schlug in einem Wohnhaus der Ortschaft im nördlichen Gazastreifen ein, die andere sei auf unbebautem Gelände nahe Sderot gelandet. Der getötete Junge war nach neuen Angaben sechs Jahre alt.

Demonstration trotz Verbots

Israelische Siedlervertreter kündigten an, die Demonstranten wollten am Mittwoch trotz eines Verbots über die nahe Grenze zum Siedlungsblock Gusch Katif im Gazastreifen marschieren, der demnächst geräumt werden soll. Ein Großaufgebot von rund 30 000 Polizisten und Soldaten soll einen solchen Marsch jedoch verhindern. Die Nacht wollten die Demonstranten in Zelten in der Ortschaft Ofakim verbringen, außerhalb der Reichweite palästinensischer Raketen.

Siedlerführer Benzi Liebermann sagte auf der Kundgebung in Sderot, Ziel sei nicht, nach Gusch Katif zu kommen, sondern die Aufgabe des Abzugsplans. Die Regierung hatte die Teilnahme zunächst unter Berufung auf Sicherheitsrisiken auf 5000 begrenzt, da die Stadt häufig Ziel von palästinensischen Raketenangriffen ist. Die Polizei ließ die Busse der Demonstranten dann aber doch passieren.

Vor zwei Wochen hatten Sicherheitskräfte im Süden Israels bereits etwa 20.000 Gegner des Abzugs blockiert, um sie an einem Marsch in die jüdischen Siedlungen zu hindern. Die Armee hatte die Siedlungen zum militärischen Sperrgebiet erklärt und abgeriegelt.

DPA