JonBenet Ramsey Möchtegern-Mörder freigesprochen

JonBenet Ramsey wurde am zweiten Weihnachtstag 1996 tot im Keller ihres Elternhauses gefunden
JonBenet Ramsey wurde am zweiten Weihnachtstag 1996 tot im Keller ihres Elternhauses gefunden
© AP
Er behauptet, vor zehn Jahren die US-Kinder-Schönheitskönigin ermordet zu haben - und wurde doch freigesprochen. Denn die DNA des Lehrers John Mark Karr stimmt nicht mit Spuren am Tatort überein. Wollte er sich nur als Mörder aufspielen?

Überraschung im Mordfall von US-Kinder-Schönheitskönigin: John Mark Karr, der die Ermordung der sechsjährigen JonBenet Ramsey gestanden hat, wird nicht vor Gericht gestellt. Wie der US-Sender CNN berichtete, hat die Staatsanwaltschaft in Boulder (Colorado) die erwartete Anklage gegen den 41 Jahre alten Lehrer fallen gelassen.

Ein am Wochenende vorgenommener DNA-Test konnte den zunächst tatverdächtigen Mann nicht als Mörder des sechsjährigen Mädchens überführen. Ein Vergleich von Karrs Speichel und seinen Haaren deckte sich nicht mit den in der Unterwäsche JonBenet Ramseys gefundenen Spuren am Tatort. "Es gibt keine Beweise - abgesehen von seinen eigenen Aussagen - die Mr. Karr mit dem Tatort verbinden", teilte Staatsanwältin Mary Lacy mit.

Zweifel an Aussagen

Der frühere Lehrer soll nun den Behörden in Nordkalifornien überstellt werden. Dort hatte er sich 2001 wegen Besitzes von Kinderpornografie strafbar gemacht. Der geschiedene Vater war aber nicht zu einem Gerichtstermin erschienen und wurde seit 2002 per Haftbefehl gesucht. CNN zufolge droht ihm höchstens ein Jahr Haft.

Karr war kürzlich in Thailand - fast zehn Jahre nach dem gewaltsamen Tod von JonBenet - als Haupttatverdächtiger festgenommen worden. Obwohl der Mann vor thailändischen Ermittlern ein Geständnis abgelegt hatte, gab es in den USA Zweifel an seinen Aussagen. Seiner Schilderung zufolge war er zur Tatzeit mit JonBenet zusammen. Er habe das Mädchen geliebt und mit ihr Sex gehabt. Ihr Tod sei aber ein "Unfall" gewesen, führte Karr aus. Das Mädchen war am zweiten Weihnachtstag 1996 tot im Keller ihres Elternhauses in Boulder gefunden worden. Die Leiche wies schwere Schlagverletzungen auf.

Eigentümliche Faszination

Zweifel an Karrs Schuld waren aufgekommen, nachdem der Journalismusprofessor Michael Tracey der Universität Colorado einen verdächtigen E-Mail-Wechsel mit Karr der Staatsanwaltschaft übergeben hatte. Karrs eigentümliche Faszination von dem Mordfall erweckte den Verdacht, dass er sich nur als Mörder aufgespielt haben könnte. Seine Eltern und seine Ex-Ehefrau lieferten sogar ein Alibi. Er soll das Weihnachtsfest 1996 bei ihnen in Georgia und Alabama verbracht haben.

Das Schicksal der kleinen JonBenet Ramsey, die in den USA zahlreiche Titel in Mini-Schönheitswettbewerben gewonnen hatte, bewegt bis heute viele Amerikaner. Die Eltern waren nie vom Verdacht entlastet worden, in die Tragödie verwickelt gewesen zu sein. Die Mutter des Kindes war im Juni an Krebs gestorben.

DPA/Reuters DPA Reuters

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