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Klimaschutz: Kalifornien klagt gegen Abgase

Dicke Luft in Kalifornien: Der US-Bundesstaat will die Autohersteller per Millionenklage dazu zwingen, umweltfreundlichere Wagen zu bauen. Auch Daimler-Chrysler ist betroffen, sagte der Generalstaatsanwalt zu stern.de.

Herr Lockyer, wieso greifen Sie sich ausgerechnet die Autokonzerne als Übeltäter heraus?

In Kalifornien sind Autos mit einem Anteil von über 30 Prozent die größte Quelle für das Treibhausgas CO2 – und obendrein die am schnellsten wachsende. Studien kommen regelmäßig zu dem Ergebnis, dass der Klimawandel menschengemacht ist und dass wir jetzt handeln müssen, weil es in zehn Jahren schon zu spät sein könnte. Aber die Regierung in Washington tut nichts, und die Autokonzerne weigern sich ebenfalls, ihr Verhalten zu ändern.

Warum machen Sie nicht die Menschen verantwortlich, die all diese oft riesigen Autos kaufen und fahren?

Die Verbraucher würden durchaus sparsamere Autos kaufen, die weniger Schadstoffe ausstoßen, besonders angesichts der hohen Benzinpreise. Aber die Auswahl fehlt, obwohl etliche Untersuchungen belegen, dass die Hersteller ohne finanzielles Risiko die Abgase reduzieren könnten. Eine aktuelle Studie der Universität Michigan besagt sogar, dass die drei großen US-Konzerne bis zu zwei Milliarden Dollar mehr Gewinn machen könnten, wenn sie sauberere Fahrzeuge anbieten würden. Doch statt ihre Produkte zu verbessern, bekämpft die Auto-Industrie lieber Umweltgesetze und bestreitet, dass es den Treibhauseffekt gibt.

Wie lässt sich der Schaden, der durch Klimawandel entsteht, bemessen?

Wir geben jetzt schon 50 Millionen Dollar im Jahr aus, um die Folgen der Erderwärmung zu bekämpfen – darunter die erhöhte Waldbrandgefahr, Erosion an den Küsten und Überflutungen durch Schneeschmelze. Dämme zu verstärken wird allein Milliarden kosten, und das ist erst der Anfang. Dafür müssen entweder die Steuerzahler aufkommen oder die Umweltverschmutzer. Es wird Zeit, dass Unternehmen, die zum Treibhauseffekt beitragen, die Folgekosten berücksichtigen.

Interview: Karsten Lemm / print
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