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Last Call: „Ihr Deutschen seid doch sauber, oder?“

Der amerikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump war gerade in Schottland. Er landete mit einem Helikopter in Turnberry neben dem Golfplatz, der ihm natürlich gehört. Trump trug gleich zwei Mützen. Eine rote Baseballkappe, auf der stand „Make America Great Again“. Und darunter sein goldenes Haar, seit Jahrhunderten unverändert.

In Turnberry liefen die „British Open“ der Frauen, und Trump mag ja Frauen. Das war aber nicht der einzige Grund für seinen Besuch. Der Milliardär hat nämlich auch schottische Vorfahren. Sehr viele Amerikaner haben schottische Vorfahren, Obama auch. Donald Trumps Mutter hieß gebürtig Mary McLeod und stammte von einer Hebriden-Insel, dann heiratete sie einen Mann mit deutschen Wurzeln aus der pfälzisch-badischen Sippe der Drumpfs. Daraus wurde Trump. Donald hat auch ein bisschen schwedisches Blut in sich. Überwiegend aber amerikanisches. Er redet auch vorzugsweise amerikanisch und dann außerordentlich viel dummes Zeug. Er redet im Übrigen dummes Zeug auch außerhalb Amerikas. Er kann offenbar nicht anders.

In Schottland, der Heimat der Mama, sollten die Journalisten in Turnberry eigentlich nur Fragen über Golf und den dollen Golfplatz stellen. Das war die Theorie. In der Praxis redete er aber natürlich darüber, dass er ein ganz hervorragender US-Präsident wäre. Er sagte, dass er die Mehrheit der Latinos in Amerika hinter sich wüsste, obwohl er Mexikaner gerade als Kriminelle und Vergewaltiger bezeichnet hatte und gerne eine Mauer bauen würde an der Grenze. Als Präsident würde er sich außerdem mit Vladimir Putin gut verstehen. Schon deshalb, weil Putin mit Obama nicht kann. Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Das ist die Logik, der Trump folgt.

Er hat nichts Schottisches. Humor schon gar nicht

Die Schotten staunten ein bisschen über den amerikanischen Gast, der so gar nichts Schottisches hatte. Obama ist definitiv mehr Schotte als Trump. Trump fehlt nämlich vor allem: Humor. Die Geschichte mit Putin meinte er ernst.

Er meint alles immer ernst. Vor ein paar Jahren, es war nach 9/11, traf ich Trump für ein ziemlich langes Gespräch in New York. Genauer gesagt: Ich traf ihn gleich zweimal. Einmal morgens in seinem Büro und dann ein paar Stunden später in seinem Appartement im Trump-Tower, 66 Stockwerke über Manhattan. Er wollte uns das Appartement zeigen und seine damalige Lebensgefährtin, eine sehr schöne Frau aus Slowenien. Sie hieß Melanie, kam eine goldene Treppe runtergeschwebt, und Trump nannte sie „Honey“. Sie war ungefähr auf der Hälfte der Treppe angekommen, als Trump rief „Honey, dreh dich mal um“. Honey drehte sich um auf der Treppe, zeigte uns den freien Rücken eines wahrscheinlich teuren Abendkleides und darüber hinaus sehr lange Beine, die fast bis zum Erdgeschoss reichten. Dann ging sie weiter. Und Trump fragte uns „Ist sie nicht perfekt?“. Es hatte etwas von Viehversteigerung im Oldenburger Land. Mir war das etwas peinlich, aber Melanie gar nicht. Sie schien das öfter für die Gäste zu machen. Inzwischen ist Melanie Frau Trump, die dritte. Zur Hochzeit in Palm Beach sang Billy Joel für das Paar „Just the way you are“.

Trump scheint sich über die Jahre kein bisschen verändert zu haben. Die Haare sowieso nicht. Aber auch charakterlich. Er hatte damals schon angekündigt, für die Republikaner zu kandidieren. Seinerzeit lachte ganz New York darüber und eigentlich das ganze Land. Heute, das ist der einzige Unterschied, lacht keiner mehr. Er liegt in den Umfragen bei den Republikanern vorn. Unser Gespräch war an sich recht freundlich. Trump erzählte von seiner Jugend in bescheidenen Verhältnissen. Danach redete er sehr viel über Frauen. Er hatte schon einige, die berühmteste ist gewiss Ivana, die ihm, so heißt es, auch die Geschichte mit den Haaren empfohlen haben soll. Seitdem dieser Helm. Trump sagte wiederholt, er bevorzuge Europäerinnen, Melanie von der Oldenburger Viehversteigerung war ja auch eine. Sie spreche vier Sprachen fließend, sagte Trump. Welche, wusste er nicht, vermutlich irgendwas Europäisches.

Danach erzählte Trump, dass er der Größte sei, und wie auf Bestellung enterte ein Assistent den Raum, er hieß Alan. Alan sagte, dass er den Chef am Abend zuvor im Fernsehen gesehen habe. Die Rede „fabelhaft, großartig“. Dann ging Alan wieder. „Sehen Sie?“, sagte Trump, und das war keine Frage, es war eine Feststellung.

Wir kamen auf Deutschland, er war mal da, klar die Vorfahren. Drumpf, Kallstadt. Ich fragte mich insgeheim, ob die Vorfahren womöglich ein kleines r in ihren Namen geschmuggelt hatten. Dumpf hätte irgendwie besser gepasst. Aber ich traute mich nicht, ihn das zu fragen. Denn womöglich hätte ich die deutsch-amerikanischen Beziehungen damit weiter belastet, die damals schon nicht zum Besten standen. Der Präsident hieß noch George W. Bush, und sie waren gerade wieder im Begriff, ein fremdes Land zu überfallen. Irak oder so.

Donald Trump hasst Hände schütteln

Trump mochte die Deutschen. Er mochte aber vor allem die deutschen Frauen. Claudia Schiffer lebte auch in New York. Nach einer guten Stunde musste er gehen und lud uns für den Abend in sein Appartement. Ich hatte gelesen, dass er eine veritable Aversion gegen Händeschütteln hat, aus hygienischen Gründen. Zum Abschied streckte er mir seine Hand entgegen. Ich zögerte, schlug ein und sagte: „Ich dachte, Sie mögen das nicht.“ Er sagte: „Ihr seid doch Deutsche. Und Deutsche sind sauber, oder.“

Das alles fiel mir wieder ein, als ich die Bilder von Trump mit den zwei Mützen in Schottland sah. Jetzt will er Präsident werden. Als Kandidat muss er Klinken putzen und noch mehr Hände schütteln. Seine Hauptaufgabe – neben Unfug reden – wird darin bestehen, Hände zu schütteln. Er hasst es.

Ich finde, bisschen Strafe muss sein, das ist das Beste an seiner Kandidatur.