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Saddam Hussein: Scharmützel vor Gericht

Ex-Diktator Saddam Hussein hat scharf gegen sein Verfahren protestiert. Ein Gefangener der irakischen Regierung zu sein, wenn das Land doch von den USA regiert werde, hält er für eine Farce.

Der arabische Fernsehsender "Al-Arabija" hat ein Video ausgestrahlt, das den gestürzten irakischen Staatschef Saddam Hussein bei der Verlesung der Anklage zeigt. Er trug ein weißes Hemd, ein Jackett und setzte manchmal eine dunkle Hornbrille auf. Saddam Hussein antwortete mehrfach scharf auf die Fragen des Gerichts. Die Verlesung der Anklage unterbrach er mehrmals mit Protesten gegen die Prozedur. Gegenüber dem Richter Munir Haddad machte er geltend, er bekomme seinen Rechtsbeistand nur zu sehen, wenn er verhört werde, wie aus dem Film hervorging. Außerdem sei ihm der Zeitpunkt der Anhörung nicht vorher angekündigt worden.

Saddam Hussein nannte es eine Farce, offiziell ein Gefangener der irakischen Regierung zu sein, wenn das Land doch eigentlich von den USA regiert werde. Er sprach von einem falschen Spiel. Auch beklagte er sich darüber, dass die Richter ihn auf seinen Gruß hin niemals zurück grüßten. Für jemanden wie ihn sei dies eine große Beleidigung.

Todesstrafe möglich

Es war die erste Aufnahme Saddam Husseins seit Ankündigung des ersten Strafprozesses gegen ihn wegen eines Massakers in einem schiitischen Dorf 1982. In der Ortschaft Dudschail wurden am 8. Juli 1982 nach einem gescheiterten Attentat auf Saddam Hussein rund 150 Dorfbewohner von Soldaten getötet. Die Tötung der Männer war offenkundig die Vergeltung für einen fehlgeschlagenen Anschlag auf Saddam Hussein. Neben dem früheren Präsidenten sollen dafür sein Halbbruder und damaliger Geheimdienstchef Barasan Ibrahim, der frühere Vizepräsident Taha Jassin Ramadan und der damalige Baath-Partei-Vertreter in dem Dorf, Awad Hamed al Bandar, angeklagt werden. Die Frist für die Prozesseröffnung beträgt nach der Ankündigung vom vergangenen Sonntag 45 Tage. Insgesamt wird erwartet, dass Saddam Hussein wegen mindestens 13 Verbrechen angeklagt wird. Im Falle einer Verurteilung droht ihm die Todesstrafe.

Der Dudschail-Fall ist eher klein im Vergleich zu den ausstehenden Anklagen gegen den Ex-Diktator und elf seiner ranghöchsten früheren Verbündeten wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Ermittler sagen jedoch, dass seine persönliche Strafbarkeit eher in den kleineren Fällen nachweisbar sei. Der durch die US-Invasion gestürzte Machthaber ist seit seiner Festnahme Ende 2003 in Haft.

AP/DPA/Reuters / AP / DPA / Reuters