Serbien Mutmaßlicher Djindjic-Mörder festgenommen


Knapp zwei Wochen nach dem Mordanschlag auf den serbischen Regierungschef Zoran Djindjic hat die Polizei den mutmaßlichen Attentäter festgenommen. Der Scharfschütze wurde als Zvezdan Jovanovic, Angehöriger der Kampfeinheit des Innenministeriums JSO, identifiziert.

Dies teilte Zoran Zivkovic, der neue serbische Ministerpräsident, am Dienstag in Belgrad mit. Der mutmaßliche Mörder Jovanovic sei stellvertretender Kommandeur einer Polizei-Eliteeinheit, die Verbindungen zum organisierten Verbrechen habe, so der Ministerpräsident weiter. Die Einheit war vom früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic aufgestellt worden.

Spezialeinheit soll aufgelöst werden

Die Polizei habe als Tatwaffe ein Präzisionsgewehr vom Typ Heckler-Koch G3 sichergestellt, dass in einem Belgrader Stadtteil vergraben war. Außerdem sei ein weiterer Mann namens Sasa Pejakovic, der dem Heckenschützen bei der Tat geholfen haben soll, ebenfalls festgenommen worden, sagte Zivkovic. Zudem sei der Vorgesetzte des mutmaßlichen Attentäters, Dusan Maricic, entlassen worden. Nach Angaben eines Polizeibeamten soll die von Maricic geführte "Einheit für Spezial-Operationen" aufgelöst werden. "Einige Mitglieder werden verhaftet, andere entlassen oder in andere Polizeieinheiten versetzt werden", sagte der Beamte.

Zivkovic zufolge hatten die Verhafteten Verbindungen zum Zemun-Klan, einer Belgrader Untergrundorganisation, die die Regierung für den Mord an Djndjic verantwortlich macht. Maricics Vorgänger bis zum Sommer 2001, Milorad Lukovic, genannt "Legija", gilt bei der landesweiten Fahndung als Hauptdrahtzieher für die Organisierung und Durchführung des Attentats. Er ist noch immer auf der Flucht. "Legija" soll einer der Chefs des Zemun-Clans gewesen sein. Diese Bande wird neben dem Attentat auf Djindjic auch zahlreicher Morde und Entführungen bezichtigt. Nach Angaben des Innenministeriums kontrollierte sie den Rauschgifthandel und den Handel mit gestohlenen Fahrzeugen.

Beginn des Gerichtsverfahrens noch diese Woche

Der Reformpolitiker Djindjic war am 12. März vor einem Regierungsgebäude erschossen worden. Die Polizei erhob seitdem Haftbefehl gegen fast 400 Verdächtige, wie sie am Montag mitteilte. Mehr als 3.500 Personen wurden verhört. Insgesamt befänden sich 1.031 Verdächtige noch in Haft.

Die ersten Verfahren könnten schon in dieser Woche beginnen. Bojan Pajtic, Fraktionschef der regierenden Koalition DOS im serbischen Parlament, versicherte am Dienstag, durch diese Prozesse könnten die bisher ungeklärten schwersten Verbrechen des vergangenen Jahrzehnts in Serbien gelöst werden.


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