US-Präsidentschaftswahlkampf McCain stellt sich Obama im TV


Bis zuletzt hatte sich John McCain geziert, nun nimmt der republikanische US-Präsidentschaftskandidat doch an der ersten Fernsehdebatte mit seinem Kontrahenten Barack Obama teil. McCain hatte wegen der US-Finanzkrise eigentlich nicht erscheinen wollen.

Nach langem Zögern hat der republikanische US-Präsidentschaftskandidat John McCain doch in das erste Fernsehduell mit seinem demokratischen Gegenspieler Barack Obama eingewilligt. Weniger als zehn Stunden vor Beginn der geplanten Sendung in der Nacht zum Samstag rückte McCain von seiner ursprünglichen Forderung ab, dass zunächst die Verhandlungen zwischen der Regierung und dem Kongress über den 700 Milliarden schweren Bankenrettungsplan zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht werden müssten.

McCains Wahlkampfteam erklärte, der Republikaner sei überzeugt, dass es Fortschritte auf dem Weg zu einer Einigung über Parteigrenzen hinweg gebe, und werde daher zur Debatte erscheinen.

Obama hatte die Haltung seines Kontrahenten als politisches Manöver kritisiert und darauf bestanden, dass die Fernsehdebatte wie geplant stattfindet. Die Verabschiedung des Rettungspakets sei von höchster Priorität, sagte Obama. Es sei aber auch wichtig, "dem amerikanischen Volk aufzuzeigen, wohin der nächste Präsident das Land führen will und wie er mit dieser Krise umgehen will". Auch die überparteiliche Kommission, welche die Debatte vorbereitete, hielt an dem Termin fest.

Die TV-Debatte, die am Samstag um 3 Uhr deutscher Zeit auf dem Gelände der Universität von Mississippi im Städtchen Oxford stattfindet, ist die erste von drei geplanten. Wegen des geringen Abstands der beiden Kandidaten in Meinungsumfragen messen Wahlforscher den Fernsehauftritten große Bedeutung für den Ausgang des Präsidentschaftswahlkampfs am 4. November bei.

Ursprünglich sollte die Außen- und Sicherheitspolitik bei dem Duell im Vordergrund stehen. Beide Bereiche werden von den meisten US-Wählern als Domäne McCains angesehen, der sich im Vietnamkrieg große Verdienste erworben hatte. Angesichts des enormen Ausmaßes der Bankenkrise gilt mittlerweile aber als sicher, dass die Entwicklung auf den Finanzmärkten und die Wirtschaft insgesamt ebenfalls ausführlich zur Sprache kommen wird. In Wirtschaftsfragen wird Obama laut Meinungsumfragen eine deutlich höhere Kompetenz eingeräumt.

Rettungsplan vorerst gescheitert

Unterdessen ging in Washington das politische Tauziehen um das 700 Milliarden Dollar schwere Rettungsprogramm für bedrängte Banken weiter. Die Regierung will Finanzinstituten mit dem Geld faule Hypothekenkredite abkaufen.

Sowohl Demokraten als auch Republikaner im Kongress hatten von Anfang an große Bedenken wegen des Umfangs und des von Finanzminister Henry Paulson geforderten enormen Handlungsspielraums bei der Entlastung der Wall Street. Am Donnerstag hatten sich Demokraten und moderate Republikaner dann auf einen Kompromissplan verständigt. Dieser Plan enthält striktere Aufsichtsmechanismen, Erleichterungen für Hausbesitzer und Obergrenzen für die Gehälter der Topmanager von Firmen, die sich mit Hilfe des Rettungspakets ihrer Altlasten entledigen können.

Konservative Republikaner, die staatliche Eingriffe in die Privatwirtschaft ablehnen, präsentierten kurz vor der Einigung jedoch einen Alternativplan und brachten damit die Regierungspläne vorerst zu Fall. Medienberichten zufolge wollen sie den bedrängten Banken lediglich einen Kredit-Versicherungsschutz anbieten. Bereits an diesem Freitag kamen Demokraten und Republikaner erneut zusammen, um doch noch einen Durchbruch zu erreichen. Die Beratungen sollen auch am Wochenende fortgesetzt werden.

AFP/AP/Reuters/DPA AP DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker