Bevölkerung Mal wieder weniger Kinder


Gerade mit dem Argument, dass der Bevölkerungsrückgang auch der Wirtschaft schadet, versucht Familienministerin Ursula von der Leyen die Unternehmen dafür zu gewinnen, familienfreundliche Arbeitsplätze zu schaffen.

Jüngste Zahlen der Statistiker zeigen, dass der Trend zu immer weniger Geburten in Deutschland nach wie vor ungebrochen ist. Mit 685 795 Neugeborenen kamen in Deutschland noch nie so wenig Kinder auf die Welt wie im Jahr 2005. Insgesamt wurden in dem Jahr knapp 20 000 Kinder weniger geboren als 2004.

Die stärksten Geburtenrückgänge gab es in Nordrhein-Westfalen (minus 4682 Geburten), Bayern (minus 3856), Niedersachsen (minus 3378) und Baden-Württemberg (minus 2376). Mehr Kinder kamen nur in den Stadtstaaten Bremen (plus 47) und Hamburg (plus 76) zur Welt.

Wunderwaffe Elterngeld

Von der Leyen hofft nun, dass der Rückgang mit einer Geburtenrate von derzeit nur 1,4 Prozent mit Hilfe des neuen Elterngelds zunächst zumindest gestoppt werden kann. "Man hat in den anderen Ländern mit Elterngeld gesehen, dass es dadurch einen Anstieg der Geburtenrate gab", sagt sie. "Deutschland ist das Land, das am längsten und am schärfsten den Geburtenrückgang erlebt. Da wäre ich schon hoch froh, wenn es gelänge, diesen dramatischen Rückgang der Geburtenrate zu stoppen."

Vom 1. Januar an erhalten berufstätige Mütter oder Väter, die vorübergehend auf ihren Job verzichten, um ihr Kind nach der Geburt zu Hause zu betreuen, vom Staat einen Lohnersatz. Er beträgt 67 Prozent des letzten Nettogehalts, höchstens 1800 Euro monatlich.

Ausbau der Betreuung

Für von der Leyen ist es mit dem Elterngeld allein allerdings nicht getan. Nachdem auch die Betriebe inzwischen darauf gekommen sind, dass familienfreundliche Arbeitsplätze ein Wettbewerbsvorteil sind, will die Regierung 2007 einen Schwerpunkt auf den Ausbau des Betreuungsangebots für Kinder im Alter bis zu drei Jahren legen.

Das Angebot soll stärker an dem Bedarf der Eltern ausgerichtet werden. Das bedeutet auch flexiblere Öffnungszeiten der Kitas. Eine weitere Baustelle ist die Verbesserung der Qualität der Kinderbetreuung. Das alles kostet Geld. "Das darf auf keinen Fall über das Portemonnaie der Eltern gehen", sagt die Familienministerin. Eltern in Deutschland seien im Verhältnis zu anderen Ländern überproportional an der Finanzierung der frühkindlichen Bildung beteiligt.

Familienförderung ist nicht Kinderförderung

So wird die Finanzierung der Familienpolitik immer größere Bedeutung bekommen. Bund, Länder und Gemeinden geben nach Berechnungen des Familienministeriums mit 154 Einzelmaßnahmen jährlich 184 Milliarden Euro zur Förderung der Familien aus. Kinder sind nur zum Teil davon betroffen. Das Ehegattensplitting - zum Beispiel - kostet den Staat 19 Milliarden Euro, die Witwenrente 34 Milliarden.

Sollen neue Maßnahmen für die Familien finanziert werden, müssen sie aus diesem großen Topf kommen. Und da ist der Konflikt programmiert. Erste Diskussionen in der großen Koalition über Änderungen beim Ehegattensplitting oder beim Kindergeld wurden rasch wieder beendet. Zu groß war das Konfliktpotenzial.

Frank Rafalski/DPA


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