HOME

Hannoversch Münden: Positive Erfahrung mit "Jamaika-Koalition"

Seit vier Jahren hat die Stadt Hannoversch Münden in Niedersachsen eine "Jamaika-Koalition". "Wir haben einen gemeinsamen Feind, das fehlende Geld", sagen die Koalitionspartner.

Eine "Jamaika-Koalition" aus Union, FDP und Grünen - kann das funktionieren? "Wider Erwarten gut", sagt Isolde Salisbury. Seit vier Jahren macht die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stadtrat von Hannoversch Münden "eigentlich nur positive Erfahrungen" mit ihren Partnern von CDU und FDP. Ein Hauptgrund: "Wir haben einen gemeinsamen Feind", sagt Salisbury, "das fehlende Geld".

"Jamaika" - darin sehen auch die anderen Beteiligten der wohl zumindest in Niedersachsen einzigartigen Koalition kein Problem. "Es läuft gut, weil jeder sich selbst etwas zurück nimmt", erklärt Hans-Peter Herbort (CDU). "Ideologisches bleibt außen vor. Wir kümmern uns hier vor allem um Sachfragen." Und Friedrich-Theodor Hruska, der 16 Jahre für die FDP im niedersächsischen Landtag saß, hat festgestellt: "Es passt. Das hängt aber von den handelnden Personen ab".

Das Ziel war klar

Hannoversch Münden - 25.000 Einwohner, Verpackungsindustrie, Kunststoff- und Gummiwerke, eine große Pflanzenzucht, rund zehn Prozent Arbeitslose. Zwei Kliniken, acht Altenheime, 14 Kindergärten. Die Bundeswehr ist längst weg. Die niedersächsische Polizei bildet in einer alten Kaserne ihren Nachwuchs aus. Das Zentrum schnuckelig, überall Fachwerkhäuser, das Welfenschloss. Die Stadt ist ein beliebtes Ziel für Tagesausflügler. Ringsum Berge, Wanderrouten, Wasser. Werra und Fulda vereinen sich zur Weser.

Als sich hier vor vier Jahren die Koalition bildete, zu der außer Schwarz, Gelb und Grün noch eine grüne Wählerinitiative gehört, war das Ziel klar: "Wir wollten alle einen Politikwechsel", sagt FDP-Mann Hruska. Zuvor hatte in der Stadt jahrzehntelang die SPD den Ton angegeben. Aus Sicht der Koalitionäre mit schlimmen Folgen.

"Ja. Sie sollten Jamaika machen"

"Wir haben 65 Millionen Euro Schulden allein an Kassen- und Ratenkrediten", beklagt CDU-Vertreter Herbort. Dazu kommen weitere Verbindlichkeiten in Millionenhöhe bei ausgegliederten Betrieben wie den Stadtwerken. Die maroden Finanzen zu konsolidieren, dieses Ziel verbinde alle Koalitionäre, sagt Hruska. Ein schwieriges Unterfangen, berichtet die Grünen-Chefin Salisbury. Immerhin mache die Stadt in diesem Jahr erstmals keine neuen Schulden.

Hann.Münden - ein Vorbild für Berlin? "Ja. Sie sollten Jamaika machen", findet FDP-Mann Hruska. "Man muss sich auf die wichtigsten Dinge verständigen und strittige Fragen ausklammern." Auch Herbort sagt "Ja" zu "Jamaika" in der Hauptstadt. "Die Wähler haben den Politikern schließlich den Auftrag erteilt, die Dinge in Ordnung zu bringen." Die Grüne Salisbury sagt, eine solche Koalition sei nicht leicht. Vor allem in der Energie- und der Außenpolitik lägen Welten zwischen ihrer Partei und den Freien Demokraten. Bei einer Entscheidung für Schwarz-Gelb-Grün würden die Grünen sicher Wähler verlieren. Aber: "Ich sage nicht, dass es nicht geht".

Matthias Brunnert/DPA / DPA
Themen in diesem Artikel