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Wehrmachtsakte ausgewertet: Nazi-Vorwurf von Autorin gegen Helmut Schmidt

Seine Wehrmachtsakte bescheinigt Helmut Schmidt eine "einwandfreie nationalsozialistische Haltung". Eine Autorin wirft ihm eine zeitweise Verseuchung mit Nazi-Ideologie vor. Experten sehen das anders.

Helmut Schmidt war von 1974 bis 1982 Bundeskanzler in Deutschland

Helmut Schmidt war von 1974 bis 1982 Bundeskanzler in Deutschland

Einige bislang unbekannte politische Beurteilungen aus Helmut Schmidts Wehrmachtsakte lassen den früheren Bundeskanzler in keinem guten Licht erscheinen. Wie der "Spiegel" berichtet, hat die Autorin Sabine Pamperrien die Akte im Freiburger Militärarchiv mit Schmidts Erlaubnis für ihr Buch "Helmut Schmidt und der Scheißkrieg" ausgewertet. Dabei sei Pamperrien auf Einträge gestoßen, aus denen sie schließe, Schmidt sei zeitweise "von Nazi-Ideologie kontaminiert" gewesen.

"Einwandfreie nationalsozialistische Haltung"

Laut einem Bericht der "Bild" sollen in der Akte etwa folgende Formulierungen auftauchen:

"Steht auf dem Boden der nat.soz. Weltanschauung und versteht es, dieses Gedankengut weiterzugeben." (Eintrag von Schmidts Vorgesetzten als junger Luftwaffenoffizier vom 1. Februar 1942)

"Einwandfreie nationalsozialistische Haltung" (Eintrag vom 30. September 1943).

"Nationalsozialistische Haltung tadelfrei" (Eintrag vom 18. September 1944).

Pamperrien, deren Buch am 8. Dezember im Piper-Verlag erscheint, stößt mit ihrer Interpretation der Akteneinträge allerdings bei Experten auf Widerspruch. Dem "Spiegel" zufolge bestreiten sowohl das Militärarchiv als auch führende deutsche Militärhistoriker die Aussagekraft der Vermerke: Bewertungen dieser Art seien vielfach in Personalunterlagen der Wehrmacht zu finden und würden über die wahre politische Einstellung des jeweiligen Soldaten für sich genommen nichts aussagen,

jen/mad
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