Papst Benedikt XVI. Er ist zum Seelsorger geworden


Papst Benedikt XVI. feiert seinen 80. Geburtstag. Aus dem Glaubenswächter von einst ist der Seelsorger für 1,1 Milliarden Katholiken geworden. Deshalb war das Entsetzen über das anti-islamistische Zitat in seiner Regensburger Rede auch so groß.
Ein Grußwort vom Abtprimas Notker Wolf

Ist Benedikt XVI. ein anderer als Kardinal Ratzinger? Ich glaube nicht. Im jüngsten Dokument vertritt er wieder deutlich die katholische Tradition. Aber er nennt die Meßfeier "Sakrament der Liebe".

"Gott ist Liebe", lautet seine erste Enzyklika. Er ist nicht der hohe Intellektuelle, sondern spricht von einem Gott des Herzens, der in der menschlichen Liebe erfahrbar wird. Beim Besuch in Spanien greift er nicht die Regierung wegen der Gesetze an, die der kirchlichen Moral widersprechen. Die Familie als Grundlage der Gesellschaft steht im Mittelpunkt. Aus dem Glaubenswächter ist der Seelsorger für 1,1 Milliarden Katholiken geworden.

Deshalb schreckte die Weltöffentlichkeit auf, als er in seiner Regensburger Rede ein hartes anti-islamisches Zitat brachte. Hatte er sich vergaloppiert? Er war selbst entsetzt über die massiven Reaktionen in islamischen Ländern. Sie waren aber ein Beweis für seine These: Wenn Religion sich nicht mit der Vernunft paart, wird sie Nährboden für Fundamentalismus und Gewalt. In der Türkei hat er in der Moschee still gebetet und seine Achtung vor dem Glauben der Muslime gezeigt. Er will einen Dialog, der vom Respekt vor den Auffassungen des andern ausgeht.

Er geht zielstrebig andere Bereiche an: die Ökumene mit den orthodoxen Kirchen, die Beziehungen zu China und demnächst die Probleme in Lateinamerika. Die protestantischen Kirchen in Deutschland mögen sich vernachlässigt fühlen; es wäre zu wünschen, dass auch dieser Dialog wieder intensiv fortgesetzt würde. Die wiederverheirateten Geschiedenen fühlen sich in ihrer Problematik nicht genügend ernst genommen. Viele Fragen bleiben offen. Aber muss ein Papst auf alles eine Antwort geben? Müssen alle zufrieden sein? Ihm geht es darum, die Kirche in der jetzigen Zeit im Sinne Jesu Christi zu leiten und den Menschen Orientierung zu geben.


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