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Diversität "Wir sind auf dem richtigen Weg – aber noch nicht am Ziel"

Zwei Frauen recken kämpferisch die Hände in die Höhe
Beim stern sollen die Inhalte diverser und es soll mit Klischees gebrochen werden, sagt Chefredakteurin Anna-Beeke Gretemeier
© Getty Images
Zum heutigen Tag der Diversität lohnt ein selbstkritischer Blick in die eigenen Reihen. stern-Chefredakteurin Anna-Beeke Gretemeier erzählt, was sich beim stern getan hat und was jetzt geplant ist.

Vor ungefähr neun Monaten habe ich an dieser Stelle dazu aufgerufen, dass der stern – und am liebsten die gesamte Medienbranche – diverser werden muss: "Was uns fehlt, sind Menschen mit unterschiedlichen Lebensentwürfen innerhalb dieses Landes. Wir brauchen Diskurs, Reibung und neue Blickwinkel in unseren Teams", waren damals meine Worte.

Was hat sich seitdem beim stern getan? Seit dem Aufruf kommen weitaus mehr diverse Bewerbungen. Wenn ich in unser aktuelles Impressum schaue, sehe ich eine Handvoll Menschen mit Schwerbehinderungen, etwa ein Dutzend Kollegen und Kolleginnen der LGBTQ-Community – sind also lesbisch, gay, bisexuell, transgender oder queer – und ein weiteres Dutzend mit Migrationshintergrund. Unser Team besteht zur Hälfte aus Frauen und Männern, die in den verschiedensten Teilzeitmodellen arbeiten, auf allen Ebenen – auch in der Führung. 

Der vom stern ausgerichtete Journalistenpreis, der Nannenpreis, hat sich in diesem Jahr stark verändert. Nicht nur, dass die Kategorien neu sind und sich für alle Mediengattungen geöffnet haben. Auch die fünf Jurys bilden nun ab, wie divers die deutsche Medienbranche inzwischen ist. Unsere stern-Stimme Michel Abdollahi moderiert nicht nur im zweiten Jahr in Folge die Preisverleihung am 1. Juni, sondern auch unseren Daily Podcast "heute wichtig"

Diversität nicht nur abbilden, sondern auch selbst verkörpern

Unser Land ist bereits sehr vielfältig. Um nur einige Zahlen zu nennen: Fast jede Zehnte gehört der LGBTQ-Bewegung an. Jeder vierte Deutsche hat Migrationshintergrund und 9,5 Prozent aller Bürgerinnen und Bürger leben mit einer schweren Behinderung.

Der stern hat sich schon immer als Medium für die ganze Gesellschaft begriffen. Wir wollen niemanden ausschließen und Geschichten aus jeder Perspektive Deutschlands erzählen, Diversität dabei nicht nur abbilden, sondern auch selbst verkörpern.

Das ist alles gut, wir sind auf dem richtigen Weg – aber noch nicht am Ziel. Es braucht eine kritische Masse, damit sich Minderheiten in Teams ganz selbstverständlich fühlen.

Je bunter die Belegschaft, desto erfolgreicher die Firma. Gerade erst hat der stern dazu eine Studie herausgebracht. So umfassend sind Arbeitgeber mit Blick auf Diversität noch nie untersucht worden. Zusammen mit dem Marktforschungsunternehmen Statista haben wir mehr als 2000 Firmen analysiert, 40.000 Beschäftigte befragt und einiges gelernt. 

Maja Göpel

Sichtbarkeit für viele Gruppen schaffen

Gerade macht sich ein Team von uns intensiv Gedanken darüber, was wir noch verbessern können. Unsere Inhalte sollen noch diverser werden, und es ist uns wichtig, mit Klischees zu brechen. People of Colour sollten nicht nur zu Rassismus befragt werden, Menschen mit Behinderung nicht nur zu ihrer Behinderung. Wir wollen, dass sie im stern zu allen Themen sprechen und dass das in Deutschland zur Normalität wird. Der stern nimmt sich vor, Sichtbarkeit für die vielen Gruppen zu schaffen, die in den Medien nicht ausreichend berücksichtigt werden. Wir wissen, dass eine Familie nicht Mutter und Vater voraussetzt und dass Liebe viele Formen kennt, trotzdem passiert es uns noch häufig, dass wir in unserer Sprache und mit unseren Bildern die gängigen Klischees bedienen, durch die andere Menschen ausgegrenzt werden.

Wir werden uns und unsere Arbeit dahingehend immer wieder hinterfragen und prüfen. Es gibt so viele spannende Biografien und Facetten des Lebens, über die wir berichten wollen.

Danke, dass Sie den stern lesen.


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