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"Maischberger. Die Woche" Mary L. Trump spricht über ihren Onkel Donald – Krankheiten ein "Zeichen von Schwäche"

"Maischberger. Die Woche"
Die Journalistinnen Cerstin Gammelin und Susanne Gaschke, Kabarettist Vince Ebert, Donald Trumps Nichte Mary L. Trump (zugeschaltet) und Politikwissenschaftler Stephan Bierling waren unter anderem zu Gast bei Sandra Maischberger (v.l.n.r.)
Donald Trumps Nichte war zu Gast bei Sandra Maischberger, brachte aber wenig Erhellendes ein. Im Gespräch hielt sich Mary L. Trump sehr bedeckt, wiederholte nur bekannte Inhalte aus ihrem Buch.
Von Andrea Zschocher

"Es kann immer sein, dass man sich irrt", sagte Stephan Bierling, wenn es um die Zukunft geht. Er hoffe aber, dass er Recht behalte mit seiner Vermutung, dass Donald Trump die US-Präsidentschaftswahl am 3. November verliert. Trumps Nichte Mary L. Trump hofft mit ihm. Sie ist überzeugt, wenn Donald Trump vier weitere Jahre im Amt bleibt, werde die Demokratie in den USA leiden und sich zu einer Diktatur wandeln.

Zu Gast bei Sandra Maischberger waren:

  • Mary L. Trump (Nichte von US-Präsident Donald Trump)
  • Stephan Bierling (Politikwissenschaftler)

Sowie als Kommentatoren:

  • Cerstin Gammelin (Journalistin und stellvertretende Leiterin des Hauptstadtbüros der "Süddeutschen Zeitung")
  • Susanne Gaschke ("Welt"-Autorin)
  • Vince Ebert (Kabarettist)

Mary L. Trump, der zugeschaltete "Stargast" dieser "Maischberger"- Sendung hielt sich sehr bedeckt. Sie wiederholte einige Erzählungen, die sich auch in Ihrem Buch über Donald Trump finden lassen, gab vor allem Einblicke in das Aufwachsen Trumps und dessen Beziehung zum Vater. Die habe ihn, so Mary, zu dem gemacht, der er heute ist: einen "Bully", jemanden der Menschen auf Distanz halte und es mit der Wahrheit nicht immer so genau nehme. Trump sei, so die Nichte des Präsidenten, ein "Mann ohne Empathie", der vor allem auf den eigenen Vorteil bedacht sei.

Wer krank ist, ist schwach

Die Corona-Erkrankung ihres Onkels werde in der Familie kaum thematisiert, Mary Trump könne auch nur raten, wie es wirklich um den Präsidenten steht. "Wir wissen ja nicht, ob er sich vollständig von Covid-19 erholt hat", oder ob es nicht zu einem Rückfall komme, so die Nichte. Er habe Symptome verschleiert und eine experimentelle Therapie erhalten, von der niemand mit Gewissheit sagen könne, was die Folgen sein werden. "Er riskiert die Leben Anderer um sich herum" und das sei etwas, dass sie nicht überrasche. Denn krank zu sein, das sei ein Tabu in der Familie Trump. Krankheiten seien ein "Zeichen von Schwäche, ein Charakterfehler", das sei Trump von seinem Vater beigebracht worden. Und diese Denke habe sich in dem US-Präsidenten festgesetzt, der nun seinerseits immer wieder durchblicken lässt, dass Corona vor allem ein Problem derer ist, die zu schwach sind.

Der Mythos vom erfolgreichen Geschäftsmann Donald Trump sei "einer der größten Betrüge dieser Zeit", so Mary L. Trump, dass er sich "als erfolgreicher Geschäftsmann darstellen lassen hat". Diese Darstellungen hätten auch den Sieg überhaupt erst möglich gemacht.

Donald Trump - ein Diener seiner Wählerschaft

Stephan Bierling meinte, dass Trump die vergangenen vier Jahre nur für seine Wählerinnen und Wähler gearbeitet habe und dass diese Erfolge nicht allen zugutekämen. Die positive Bilanz, die viele über die Amtszeit Trumps ziehen, die gäbe es eigentlich nicht. Auch Mary L. Trump stimmte dieser Analyse zu. "Er hat nichts erreicht, er hat sehr viel Schaden angerichtet", sagte die Nichte. Wir hätten, sagt sie, in den letzten vier Jahren gesehen, dass die USA nicht verhindert haben, dass "Diktaturen groß werden". Und wenn wir nicht aufpassen, dann könnten eben bald auch die Vereinigten Staaten von Amerika zu einer Diktatur werden.

Bierling wies darauf hin, dass die Zustimmung unter den Trump-Anhängern ungebrochen positiv sei, laut einer Umfrage würden 90 Prozent derer, die 2016 für ihn gestimmt haben, auch dieses Mal wieder für Trump stimmen. Die "Kernklientel steht nach wie vor hinter ihm".

Wertvolle Insights

Das Gespräch mit Mary L. Trump brachte wenig Neues zutage, und doch fand Bierling es wichtig, dass die Nichte sich nun zu Wort meldet. "Wir wissen zu wenig aus der Trump-Familie" und deswegen sei es wertvoll zu sehen, wie diese Familie (nicht) funktioniert. Das stimmt selbstverständlich, aber das ist ja vor allem auch für die Wählerinnen und Wähler in den USA wichtig. Uns in Deutschland hilft es, Zusammenhänge besser zu verstehen, aber die Wahl wird von US-Amerikanerinnen und US-Amerikanern und nicht in deutschen Politiktalkshows entschieden.

Weitere Themen:

  • Reisebeschränkungen während Corona: Im Gespräch machte die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, klar, dass die Beschränkungen ein gutes Mittel gegen steigende Corona-Infektionszahlen seien.  
  • Liebig34: Die Räumung eines besetzten Hauses in Berlin Friedrichshain und die eventuelle Radikalisierung linker Extremisten wurde in wenigen Minuten abgehandelt.

Wenig neue Erkenntnisse

Warum Sandra Maischberger nicht tiefergehende Fragen an Mary L. Trump stellte, ist unklar. Das Interview wirkte wie im Vorfeld sehr detailliert abgesprochen, es gab keine neuen Erkenntnisse, die über die Informationen ihres Buches hinausgehen. Das ist bedauerlich, denn natürlich interessieren sich die Menschen für die Meinung und die Prognose der Nichte Trumps. 

Politikwissenschaftler Stephan Bierling ist sich sicher, dass Donald Trump die Präsidentschaftswahl nicht gewinnen wird. Die Umfragewerte seien dieses Mal viel stabiler, die Demokraten motiviert. Das Wahlergebnis wird auch in Sandra Maischbergers nächster Sendung thematisiert werden. Denn "Maischberger. Die Woche" kommt erst pünktlich zum Ergebnis der US-Präsidentschaftswahl wieder ins Programm.

wue

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