HOME

1300 Jahre Würzburg: Geschichte(n) zwischen Weingärten und Weltkulturerbe

Nur eine Burg, eine Furt im Fluss und eine kleine Siedlung am Ufer - das war Würzburg, als es am 1. Mai 704 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Mit einem Reigen von Veranstaltungen feiert die Stadt ihr 1300-jähriges Jubiläum.

"Wenn ich ein zukünftiger Dichter und gerade mit der Wahl meines Geburtsortes beschäftigt wäre", so notierte Hermann Hesse 1928, "dann würde ich Würzburg sehr mit in Erwägung ziehen". Der Schriftsteller war begeistert von der Stadt, dem milden Klima, den Bauten und den Arbeiten Tilman Riemenschneiders. Nur eine Burg auf dem Marienberg, eine Furt im Fluss und eine kleine Siedlung von Handwerkern und Kaufleuten am Ufer - das war Würzburg, als die Stadt am 1. Mai 704 erstmals in einer Schenkungsurkunde Herzog Hedens II. mit dem Vermerk "in castello Virteburch" erwähnt wurde. Mit einem Festakt am Freitag (30. April) feiert Würzburg am Vorabend seiner ersten nachgewiesenen Nennung das 1300-jährige Stadtjubiläum.

"Pfaffenstädte haben immer etwas Verlottertes"

Untrennbar verbunden mit der Stadtgeschichte ist das Wirken der Bischöfe. 742 entsteht das Bistum Würzburg. "Mit dem Bischofssitz erhält Würzburg eine Funktion, die die Stadt bis heute maßgeblich geprägt hat", betont der Direktor des Stadtarchivs, Ulrich Wagner. Der Historiker Jacob Burckhardt schrieb nach einem Besuch in der Bischofstadt 1877: "Solche alten Pfaffenstädte haben immer etwas Verlottertes und Fideles, wie ich es gern habe." Doch wie ein roter Faden durchziehen Konflikte zwischen Bischöfen, Königen oder Kaisern und der Bürgerschaft das Mittelalter.

In der vernichtenden Schlacht von Bergtheim 1400 ließen hunderte, vielleicht sogar tausende Bürger ihr Leben. Im Bauernkrieg von 1525 wird dem Freiheitsstreben der Bürgerschaft ein vorerst letztes Mal ein blutiges Ende gesetzt.

1402 schon hob Bischof Johann von Egloffstein eine erste Universität aus der Taufe, die aber mangels finanzieller Absicherung schon wenige Jahr später ihre Pforten schließen musste. Erst 1582 gelang eine Neugründung. 1895 entdeckte Conrad Röntgen in seinem Labor in Würzburg die nach ihm benannten Strahlen. Heute verfüge die Stadt mit der Julius-Maximilians-Universität, der Fachhochschule und der Hochschule für Musik über Bildungseinrichtungen der Spitzenqualität, hebt Oberbürgermeisterin Pia Beckmann (CSU) hervor. Auch habe sich die 127 000-Einwohner-Stadt als High-Tech-Standort im Bereich Biotechnologie und der "Neuen Materialien" etabliert.

Wein als wichtiges Handelsgut

Einheimische wie Touristen verbinden die malerisch im Flusstal des Mains gelegene und von Weinbergen umgebene Stadt, die 1814 endgültig an Bayern fiel, mit dem Weinbau. "Der Wein als wichtiges Handelsgut und die Handelswege in alle Richtungen haben den Wohlstand Würzburgs und der Region maßgeblich begründet", sagt Stadtarchivar Wagner. Ein erster Beleg findet sich in den Markbeschreibungen von 779, in der ein "Weingarten" (Weinberg) auf Würzburger Gemarkung genannt ist. Von Johann Wolfgang von Goethe ist überliefert, dass er den erdigen und kräftigen Geschmack des Würzburger Steinweins schätzte. Die drei Traditionsweingüter, der Staatliche Hofkeller, das Bürgerspital und das Juliusspital, zählen heute zu den größten Deutschlands.

Zwischen 1642 und Mitte des 18. Jahrhunderts geben drei Fürstbischöfe aus dem Hause Schönborn der Stadt ein barockes Gesicht. 1720 legte Baumeister Balthasar Neumann den Grundstein zur Residenz, die heute Weltkulturerbe der UNESCO ist. Der italienische Barockmaler Giovanni Battista Tiepolo schuf dort das größte zusammenhängende und stützenfreie Deckengemälde der Welt. Das Fresko hielt sogar den schweren Luftangriffen des 16. März 1945 stand. Damals wurde die Stadt zu etwa 80 Prozent zerstört. "Das war ein einschneidendes Erlebnis", betont Stadtarchivar Wagner. "Ein Inferno. Die ganze Stadt hat gebrannt. Würzburg war weithin ein Trümmerfeld", erzählten etwa Zeitzeugen dem Bayerischen Rundfunk. Der Wiederaufbau der Stadt dauerte Jahrzehnte.

Reigen von Veranstaltungen zum Jubiläum

Mit einem Reigen von Veranstaltungen feiert die Stadt in diesem Jahr ihr Jubiläum. Zu den Höhepunkten zählt die Doppelausstellung zu Tilman Riemenschneider (bis 13. Juni).

Auch zahlreiche Festivals, Konzerte, Vorträge und ein Lichtspektakel genannt "Feuerzauber" am 26. Juni stehen auf dem Programm, das nur dank Sponsoren und ehrenamtlicher Hilfe in diesem Umfang möglich geworden sei, heißt es im Rathaus. Trotz leerer Stadtkasse im Festjahr gibt sich Oberbürgermeisterin Beckmann kämpferisch. "Wir brauchen gerade jetzt dieses Jubiläum, um die positiven Aspekte der Stadt zu betonen". Und mit einer Portion Galgenhumor fügt sie hinzu: "Es ist ein bisschen wie früher, wo man feierte und kein Geld hatte und jeder einen Salat mitbrachte".

Claudia Möbus/DPA / DPA