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Haustiermesse: Windeln für den Hund

Der Hund ist des Menschens bester Freund, heißt es. Einige Menschen verhätscheln ihre Haustiere wie kleine Kinder. Auf der Hanse-Tier gibt es Brillen, Bademäntel und 3000 Euro teuere Hundehütten für die geliebten Vierbeiner.

Von Oliver Fischer

Mit dem Katzensofa "Love-Seat" könnte man beginnen. Oder mit dem Diät-Hundefutter "Schnellschlank", 17,50 Euro das Kilo. Oder mit einem der vielen anderen Dinge, die einem hier auf der Hamburger Haustiermesse Hanse-Tier seltsam vorkommen könnten.Man kann aber auch am Ende anfangen, bei Dagmar Klöckner, der Tierbestatterin. Sie steht am Stand C 13, neben einem Bistrotisch mit roten Rosen, roten Teelichtern und roten Urnen. Das viele Rot - Frau Klöckner trägt außerdem eine rotgeränderte Brille - soll ausdrücken, dass es hier nicht nur um Trauer geht, sondern um die große emotionale Verbundenheit zwischen Mensch und Tier, gegen die der Tod nicht ankommt. "Hier drin", sagt Frau Klöckner und klopft sich an die Brust, "behält man das Tier doch immer - so lange, bis man sich eines Tages da oben wieder sieht."

Konkret sieht ihre Arbeit so aus: Wenn irgendwo in der Stadt ein Hundeherz nicht mehr schlägt oder ein Hamsterrad für immer stillsteht, können die Hinterbliebenen bei ihr anrufen. Frau Klöckner kommt dann vorbei, holt das Tier ab und bringt es zu einem Tierkrematorium in der Nähe von Osnabrück. Die Kunden können wählen zwischen einer Sammel-Kremierung, bei der die Asche anschließend mit der Asche anderer Tiere auf einer Wiese verstreut wird, und einer Einzel-Kremierung, bei der man die Asche zurück nach Hause gebracht bekommt. Die Einäscherung eines Rauhaardackels gibt es ab 85 Euro - "Dass so etwas Geld kostet, ist mir manchmal auch peinlich", so die Tierbestatterin.

Ruhe in Frieden

Seit einem halben Jahr arbeitet Dagmar Klöckner als Tierbestatterin, vorher war sie Buchhalterin. "Mehr Bestätigung als jetzt kann man im Beruf nicht bekommen. Ich mach nichts anderes als zu trösten, und dafür sind die Leute sehr dankbar." Neulich etwa, ein 12-jähriges Mädchen: "Sie hat sich so gefreut, als ich ihr den Hamster zurückgebracht habe" - in einer Keramikurne.Man würde gerne hier bleiben und sich noch länger mit Frau Klöckner über Trost und Tod unterhalten, aber es warten schon andere Leute vor Stand C 13.

Tierisches Zubehör

Also weiter, vorbei an Hunde-Windeln, Hunde-Bademänteln und gefühlten 172 Hundefutterhändlern. Vorbei an Besuchern, die Prospekte vom "Pussy-Versand" in den Händen halten und denen man ansieht, dass sie dabei wirklich nur an Katzenbedarf denken.Weiter hinten in der Halle steht die wahrscheinlich teuerste Hundehütte der Welt. Sie ist gut einen Meter hoch und sieht aus wie eine zu groß geratene Playmobilburg, mit Zinnen, Schießscharten und Holztoren. Entstanden ist sie in der MTV-Show "Pimp my whatever" und soll nun etwa 3000 Euro kosten. Doch die meisten Besucher schauen nur kurz und gehen dann weiter.

Der Zauber-Napf

An einem der nächsten Stände hält eine Verkäuferin gerade einen gefüllten Wassernapf in der Hand, dreht ihn langsam um und - es ist ein bisschen wie bei einer Zauber-Vorstellung - kein Tröpflein plitscht auf den Boden. "Buddy Bowl" heißt der auslaufsichere Napf. "So geht nichts daneben, wenn man mit dem Hund im Auto unterwegs ist", erklärt die Verkäuferin. Betreiber dieses Standes ist Ralf-Peter Intrup aus Ostwestfalen. Er bietet außerdem Katzen-Hüte an (ca. 17 Euro) und die Hundesonnenbrille "Doggles", die den Hund vor Bindehautentzündung schützt, wenn er im Cabrio mitfährt. Intrup stellt häufig auf solchen Messen aus, auch im Ausland. Mit dem deutschen Publikum ist er nicht ganz zufrieden: "Die Leute hier lassen sich oft von hochpreisigen Sachen abschrecken. Das ist in Frankreich anders."

"Hunde sind keine Puppen"

Schuld daran sind Besucher wie Ingeborg Lewandowski. Sie steht am Imbisstresen und isst eine Bockwurst. "Hund muss Hund bleiben", sagt sie, um deutlich zu machen, dass Hüte, Bademäntel und Sofas sie nicht interessieren. "Hunde sind keine Puppen." Doch am meisten ärgert sie, dass die 172 Hundefutterhändler nicht sehr spendabel sind. "Man kriegt so wenig Proben, das vermisse ich schon."

Katzenpsychologie

Per Lautsprecher wird bekannt gegeben, dass gleich die Sprechstunde der Tierpsychologin beginnt. Sofort reihen sich die Leute vor ihrem Stand auf. Die emotionale Verbindung zum Tier ist, neben Futter, offenbar das wichtigste Thema für die Besucher. Als erste nimmt eine Frau Anfang 50 mit verstrubbelten roten Haaren auf dem Sessel der Psychologin Platz. "Jeden Morgen, wenn ich ins Zimmer komme...", fängt die Frau an. Den Rest kann man nicht verstehen, aber so wie sie schaut, ist klar, dass es etwas Gravierendes sein muss. Die Psychologin stellt eine Frage, die Frau schüttelt den Kopf, die Psychologin fragt noch mal, wieder Kopfschütteln. Dann redet die Psychologin eine ganze Weile, mehrmals hört man das Wort "Bachblüten" - die Psychologin ist gleichzeitig Tierheilpraktikerin. Nach gut drei Minuten steht die Frau auf und schaut ein wenig verlegen, als sie die Reihe der Wartenden sieht. Und die Psychologin sagt fröhlich: "Jetzt grüßen Sie mal Ihre Mieze von mir."

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