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Kneipenquiz: Bier und Spiele

Um ihren Tresen zu füllen, laden immer mehr Kneipen zu Ratespielen und Quizabenden. Dabei können die Gäste ihr Promi-Wissen testen und etwas über ihre Nachbarländer lernen.

Nina Queer sieht mit ihrer schwarzen Perücke aus wie ein Mitglied der Ozzy-Osbourne-Familie. "Kommt ruhig rein, wir haben auch Heizdecken", begrüßt sie über Mikro die Besucher ihrer Bar "Zum Schmutzigen Hobby" im Prenzlauer Berg in Berlin. Das Publikum lacht. Es ist Mittwoch, und die Drag-Queen hat zum Quizabend geladen. Damit liegt sie voll im Trend: Mit Spieleabenden, Fernsehserien und Kulturangeboten versuchen viele Kneipen, Bars und Clubs, ihre Gäste von der Wohnzimmercouch an den Tresen zu locken.

Pubquizabende stammen eigentlich aus England, sind aber in Zeiten der Globalisierung neuerdings auch in Deutschland beliebt. In Berlin gibt es sie in mehreren Kneipen. Wer bei Nina Queers "Glamourquiz" mitmachen will, sollte "Gala" nicht für eine Kaffeesorte halten: Es geht um Klatsch und Tratsch, Film, Fernsehen und Showbusiness. Mit welchem Tier Paris Hilton neulich bei einer Modenschau war (Frettchen), wie der Pfarrer aus der Serie "Die Simpsons" heißt (Lovejoy) und welcher Schlagerstar wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde (Patrick Lindner) - das alles will Nina, die im wirklichen Leben ein Mann ist, wissen.

"Du olle Paris Hilton für Arme"

Bei der Frage, welcher Schauspieler kürzlich angeblich entdeckte, dass seine ältere Schwester eigentlich seine Mutter ist, müssen viele passen. Nina hilft: "Er war mal mit Naomi Campbell zusammen." Ein Barbesucher sucht am Handy über Google nach der Lösung: Jack Nicholson. Dazwischen reißt Nina schlüpfrige Witze - einer hat mit Eicheln und Eichhörnchen zu tun - und das überwiegend schwule Szenepublikum goutiert es. Am Ende des Abends gibt es eine Flasche Champagner und den Jackpot zu gewinnen, in den die Teilnehmer 50 Cent einzahlen. "Haste fein gemacht, du olle Paris Hilton für Arme", steht auf Nina Queers Fragebogen.

Nicht ganz so schrill geht es zu im "Waschmaschinewsky" in Friedrichshain. Die Kneipe ist nach dem Spitznamen benannt, den polnische Einwanderer früher im Ruhrgebiet bekamen, wenn sie sich dank wachsendem Wohlstand eine Waschmaschine leisten konnten. Neben Piroggen, Bigosch und Bier aus Polen für 1,50 Euro gibt es auf der Toilette eine Audio- Endlosschleife mit einem deutsch-polnischen Sprachkurs. Auf lockere Weise soll den Berlinern die Kultur des Nachbarlandes näher gebracht werden, erklärt Frank Niemann, der das "Waschmaschinewsky" gemeinsam mit Radiomoderator Robert Skuppin betreibt. Bei den "Genial-Danebski- Abenden" werden zum Beispiel polnische Namen und Begriffe gedeutet.

Vom Krimifieber bis zur Lesbenserie

Nicht nur bei der TV-Serie "Sex and the City" wird in den Kneipen der Fernseher oder der Beamer angeworfen. In der Kreuzberger Bar "Sonnendeck" lockt die amerikanische Lesbenserie "L-Word", die 2006 im deutschen Fernsehen anlaufen soll, ein treues Stammpublikum an. In der Hamburger "Pony-Bar" gibt es "Tatort"-Abende: "Krimifieber im Hinterzimmer" steht dann auf dem Programm. Zur Fußball-WM im kommenden Sommer dürften sich die Hersteller von Videobeamern und großen Leinwänden auf ein richtig gutes Geschäft freuen. "Kneipen werden zu Ministadien", lautet der Slogan, den der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband, DEHOGA, ausgegeben hat. "Public Viewing" heißt der gesellige Fußballabend im Marketingdeutsch.

DEHOGA-Sprecherin Stefanie Heckel hat beobachtet, dass auch die kleinen Betriebe versuchen, das Umsatzminus mit besonderen Angeboten für Gäste zu bekämpfen. Ob Halloweenparty oder Literaturabend: "Erlebnisorientierte Konzepte boomen in der Gastronomie", sagt Heckel. Bar-Queen Nina Queer hat einfach etwas gesucht, was auch unter der Woche für die Gäste interessant ist. Und da sie sich mit Boulevardthemen auskennt und keine "Exclusiv"-Sendung verpasst, ist sie auf das "Glamourquiz" gekommen, das "super läuft", wie sie sagt. "Anstrengend ist es für mich nicht, weil ich eh alles weiß."

Caroline Bock/DPA / DPA

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