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Nord- und Ostsee: Urlauber erobern deutsche Küsten

Endlich scheint die Sonne - auch in Norddeutschland. Zwar fallen die Bilanzen der Tourismusverbände zur Saisonhalbzeit meist gemischt aus, doch nun blickt man hoffnungsfroh nach vorn.

"Frühjahr: War nichts, Sommer: Ist nichts, Herbst: Wird nichts". In diese knappen Worte fasste der Mitarbeiter eines kleinen schleswig-holsteinischen Tourismusbüros seinen Frust auf einem Fragebogen zur Lage 2004. Bislang habe die Branche wenig zu lachen gehabt, kommentierte die Marketinggesellschaft für Nordsee-Tourismus diese "Klage aller Klagen" in einer Pressemitteilung. Doch bei allem Kummer ist dieser Mann glücklicherweise eine Ausnahme. Man sehe optimistisch nach vorn und hoffe auf einen sonnenreichen August, heißt es nun.

Tatsächlich fällt die Bilanz zur Saison-Halbzeit in den Küstenländern gemischt aus. Das schlechte Wetter wirkte sich besonders auf das Geschäft mit Kurzentschlossenen und Tagesreisenden aus, sagen die Experten. Bemerkbar machte sich der schleppende Start aber auch bei den Fährschiff-Betreibern an der Nordsee. In diesem Jahr sein rund 50.000 Gäste weniger zu den Inseln Norderney und Juist gefahren, rund vier Prozent weniger als im Vorjahr, sagt Heiko Knieper, Dienststellenleiter der Reederei AG Norden-Frisia in Norddeich.

Der Jahrhundertsommer 2004 bleibt unerreicht

Nicht so schwierig ist die Situation bei längerfristigen Buchungen. Dank der hohen Zahl fest gebuchter Ferienplätze habe die Auslastung in Hotels und Pensionen zwischen 75 und 90 Prozent gelegen, sagt etwa Rene Hingst vom Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern. Das komme aber nicht an die fast 100-prozentige Auslastung im Jahrhundert-Sommer des Vorjahres heran. Auch die Rekord-Gästezahl von 4,6 Millionen sei nicht mehr erreichbar.

Die Erfolge von 2004 seien nicht zu wiederholen, glaubt auch Antje Eggert vom niedersächsischen Tourismusverband, wo man allein für die Küste pro Jahr 23 Millionen Übernachtungen zählt. Inzwischen aber liege die Auslastung bei 90 Prozent, "die Nordsee ist echt zu". Wenn man vom Vorjahr absehe, sei dies schon ein gutes Buchungsjahr, sagt Eggert.

Deutschland bleibt der Deutschen liebstes Reiseziel

Eine Diagnose, die man beim Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalterverband (DRV) in Berlin teilt. Aufs ganze Jahr gesehen werde es keine großen Einbrüche geben, glaubt Sprecherin Sibylle Zeuch mit Blick auf den innerdeutschen Tourismus. Im Gegenteil: Dieser werde sich auf hohem Niveau halten, wenn nicht leichte Zuwächse sehen: Rund ein Drittel aller Urlaubsreisen über fünf Tage führten die Bundesbürger in Inlandsziele. "Deutschland ist eben der Deutschen liebstes Reiseziel", sagt darum Sibylle Zeuch.Gerade an den Küsten kann man ihr da nur beipflichten. In Ostfriesland und auf den niedersächsischen Inseln stammen 50 Prozent der Touristen aus Nordrhein-Westfalen, berichtet Hans-Ulrich Elter, fürs Marketing im Auftrag von 23 Insel- und Küstenorten zuständig. Viele Gäste kommen aber auch aus Baden-Württemberg und Bayern, die ebenfalls Ferien haben.

Kritik an Ferienregelungen

Die enorm gute Auslastung, die es Kurzentschlossenen jetzt schwer macht, ist aber nur zum Teil ein Grund zu Freude: "Wir könnten jetzt jedes Bett dreimal vermieten", schimpft Elter. Schuld daran seien ungünstige Ferienregelungen, sagt wie Elter jeder Tourismus-Fachmann. In Folge eines Beschlusses der Kultusministerkonferenz liegen die Ferien der Bundesländer seit 2003 generell enger beieinander, was unter anderem schulorganisatorisch begründet wurde.Zwar wurde der Korridor für die Termine schon zum Jahr 2005 wieder von durchschnittlich 75 auf 83 Tage ausgeweitet. An der Nordsee entspanne sich die Lage erst 2006, sagt Elter, weil dann die Nordrhein-Westfalen erstmals wieder im Juni und damit deutlich vor den Südländern Ferien bekommen. Optimal findet er auch diese jüngste Neuregelung nicht. Am besten wäre natürlich, zu den alten Ferienzeiten vom 15. Juni bis zum 15. September, also von 92 Tagen, zurückzukehren.

Imke Zimmermann/AP / AP / DPA

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