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EM-Stadt Basel: Anpfiff im Dreiländereck

Mit dem Eröffnungsspiel der EM verdrängen Fußball und Feiern alte Fasnachts-Rituale. Die Erbin des in Basel beheimateten Pharmakonzerns Novartis lässt sogar Bälle und Puppen tanzen.

Von Marina Kramper

In das Stadtcasino gehen die Basler, um klassische Musik zu genießen. Nur ärgerte es die Zuhörer, wenn draußen vor der Tür die Straßenbahn unüberhörbar bergab zum Barfüsserplatz ratterte und die Bremsen quietschten. Halb Basel regte sich über den Straßenlärm im Konzertsaal auf, bis eine kunstsinnige Bürgerin, die über das notwendige Kleingeld verfügt, die Missklänge abstellte. Sie stiftete der Stadt drei Millionen Schweizer Franken und ließ die Schienen vor dem Stadtcasino auf Federn setzen. Nun wird kein Pianissimo mehr von den Erschütterungen einer Tram gestört.

Diese gute Tat ist Programm und bezeichnend für das Mäzenatentum der Stadt Basel verbunden. Bei den wohltätigen Gaben reicher Industrieller für Kunst und Kultur gibt es aber eine Vorraussetzung: Man hängt Geldgeschenke nicht an die große Glocke. Schon zur Zeit des Humanismus entstand diese Tradition. Der Basler Drucker Ammersbach kam auf die Idee, Zeichnungen, Portraits und Drucke von Hans Holbein dem Jüngeren zu sammeln. Der Stadtrat kaufte dem Sammler seine Bilder ab und machte sie dem Volke öffentlich zugänglich - die Geburtsstunde der weltweit berühmten Basler Kunstmuseen.

Soziale Projekte und Stiftungen, Museen und Vereine, Wissenschaft und Forschung werden von reichen Baslern gesponsert. Allen voran die Gründer der beiden Pharmakonzerne Hoffmann-LaRoche und Novartis. Gigi Oeri, die Erbin von Novartis, ist auch Präsidentin des FC Basel, in dessen Stadion am 7. Juni das Eröffnungsspiel der EM angepfiffen wird. Kein Basler findet es merkwürdig, dass Frau Oeri neben dem FC Basel noch ein Puppenhausmuseum ihr Eigen nennt.

Fußball am Rheinufer

Drei große F sind es, für die sich die Baseler am meisten begeistern: Federer, Fußball und Fasnacht. Letztere wird erst nach dem Aschermittwoch begangen, wenn im restlichen Faschingsland die Fastenzeit bereits begonnen hat. Die "Cliquen", die Fasnachtsgruppen, treffen sich zum Parodieren und Marschieren. Der Baseler trinkt dabei eher gesittet. Schnapsleichen gibt es nicht, dafür zieht sich eine Spur bunten Konfettis durch Straßen und Gassen.

Überhaupt wird in Basel viel und gerne gefeiert. Zugewanderte Schweizer bemerken verwundert die Partydichte. Während der EM zieht sich eine mehr als drei Kilometer lange Fanmeile quer durch die Stadt. Vom Badischen Bahnhof, der noch zu Deutschland gehört, bis zum Schweizer Bahnhof zeigen kleine Wimpel, dass hier das Amüsieren erwünscht ist. Die Geschäfte haben sogar bis Mitternacht geöffnet, die Restaurants bis zwei Uhr. Die beiden großen öffentlichen Public Viewing Zones liegen prominent auf dem Münsterplatz und am Rheinufer mit dem Kasernenareal auf der anderen Seite in Kleinbasel.

Familien und Campingfreunde, die den Weg in die Innenstadt scheuen, feiern im 9. Stadion, einem Stadionnachbau außerhalb der Stadt mit angeschlossenem Zeltplatz. Neben den Hotels und Gasthöfen haben sich 500 Basler Gastfamilien bereit erklärt, europäische Fußballfans im eigenen Hause zu beherbergen. Diese bekommen ihre Gäste ohne Rücksicht auf sozialen Rang und Herkunft zugeteilt.

Heimspiel: Architektur für Sportarenen

Basel liegt im Dreiländereck zwischen Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Von den Hügeln außerhalb der Stadt blickt man ins Elsass und in den Schwarzwald. Im Vorort Riehen liegt die Fondation Beyerler. Das Kunstmuseum, ein Bau des Architekten Renzo Piano, entstand aus dem Geist des Mäzenatentums. Monets "Kathedrale von Rouen" hängt hier neben anderen Meisterwerken.

Auch moderne Architektur ist in Basel Programm. Zu den großen Baselern zählen neben Tennisstar Roger Federer auch die Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron. Das Büro ist für seine Stadionbauten weltberühmt, von der Allianz Arena in München über das Olympiastadion in Peking bis zum St. Jakobs Park, die Arena des FC Basel und Eröffnungsspielstätte der EM.

Der FC Basel ist der populärste Club in der Schweiz. Ein Dutzend Schweizer Meistertitel zählen seit 1953 zur stolzen Bilanz des Vereins. Vier Nationalspieler stellt der Verein, und 23.000 Besitzer von Dauerjahreskarten feuern die Jungs in ihren blau-roten Trikots an. Stolz sind die Baseler auch auf die erfolgreiche Nachwuchsabteilung, der ein Spieler wie Peter Knebel entsprang.

Am 7. Juni kommen zum Eröffnungsspiel um 18 Uhr die Tschechen. Ganz Europa blickt dann nach Basel und hofft, dass das Schweizer Team recht weit kommen möge. Erfahrungen bei der WM in Deutschland zeigten, dass die Stimmung im Gastgeberland viel besser ist, wenn die Heimmannschaft lange im Turnier bleibt.

Infos

Schweiz Tourismus

Postfach 16 07 54, 60070 Frankfurt/Main, Tel. 00800-100 200 30 (kostenfrei)
www.myswitzerland.com
Basel Tourismus
Aeschenvorstadt 36, 4010 Basel, Tel. +41 61 268 68 68
www.basel.com
www.euro08.basel.ch
Hotel Brasserie au violon
Im Lohnhof 4, 4051 Basel, Tel. +41 61 269 87 11 www.au-violon.com
Hotel Rochat
Petersgraben 23, 4051 Basel, Tel. +41 61 261 81 40
www.hotelrochat.ch
Zum Braunen Mutz
Restaurant&Brasserie, Barfüsserpl. 10, 4051 Basel, Tel. +41 61 261 33 69
www.brauner-mutz-basel.ch
Fondation Beyeler
Baselstrasse 101, 4125 Riehen/Basel, Tel. +41 61 - 645 97 00
www.beyeler.com

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