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Bei schlechter Hotelbewertung auf Tripadvisor: Kritischen Gästen droht hohe Geldstrafe

Ein britisches Ehepaar bezeichnete ein Hotel als "heruntergekommene und stinkende Bruchbude". Der Hotelier reagierte prompt: Er belastete ihre Kreditkarte mit dem Dreifachen des Zimmerpreises.

Von Till Bartels

Böses Erwachen nach der Rückkehr einer Reise ans Meer: Die Rentner Tony und Jan Jenkinson waren bei ihrem Ausflug in den englischen Urlaubsort Blackpool im August an die englische Westküste im Broadway Hotel abgestiegen. Doch die Unterkunft erwies sich als Reinfall, wie die "Daily Mail" schreibt. Deshalb machten sie ihrem Ärger Luft und verfassten auf dem Reiseportal Tripadvisor einen kritischen Beitrag. "Die Tapete löste sich von den Wänden, der Teppich war dünn, schmutzig und fleckig". Für die Jenkinsons erwies sich das Broadway Hotel als eine "heruntergekommene und stinkende Bruchbude".

Doch ihr Kommentar wurde nicht wie sonst üblich vom Hotelier mit einem Wort des Bedauerns oder Entgegenkommens beantwortet. Wie er reagierte, merkten sie erst, als das britische Paar Wochen später ihre Kreditkartenrechnung in Händen hielt: Sie trauten ihren Augen nicht. Denn zu den 36 britischen Pfund für den Zimmerpreis wurden ihnen weitere 100 britische Pfund für ihre Bewertung auf Tripadvisor berechnet.

"Schimmel an jeder Wand"

Die Strafgebühr sei gerechtfertigt, so das Hotel-Management, weil die Gäste bereits mit der Buchungsbestätigung informiert werden: "Stammkunden und Paare schätzen unser Hotel, doch nicht alle ihrer Freunde und Familienangehörigen. Für jede schlechte Kritik auf einer Website werden dem Verantwortlichen für jede Rezension maximal 100 britische Pfund in Rechnung gestellt", heißt es im Kleingedruckten. Doch was recht ist, muss nicht richtig sein. "Es widerspricht dem Geist und der Politik unserer Website", so ein Pressesprecher von Tripadvisor, die Kunden "zu schikanieren oder einzuschüchtern".

Dass die Jenkinsons mit ihrem Urteil nicht falsch liegen, verrät ein Blick auf andere Hotelbewertungen, die auf Tripadvisor über das Broadway Hotel verfasst wurden. Von den insgesamt 256 veröffentlichten Beiträgen stufen 147 Rezensenten die Unterkunft als "ungenügend" ein. Das Zimmer sei "voller Schimmel" schreiben andere und bemängeln, dass das Personal beim Frühstück Cider aus Dosen trinkt. "Es gab kein heißes Wasser" heißt es in einem Beitrag. Das Fazit eines Gastes im Oktober lautet. "Das Hotel ist dreckig und eine absolute Schande."

Kein Einzelfall von Maßregelung

Wenn Hoteliers nicht mit gutem Service ihre Gäste überzeugen können, sondern zu Mitteln der Zensur greifen und Strafprämien für negative Kritik einführen, wird das System der Hotelbewertungen durch Gäste ad absurdum geführt. Erst im August war bekannt geworden, dass das Union Guest House in Hudson im Bundesstaat New York von einem Kunden eine Strafe in Höhe von 500 US-Dollar für einen kritischen Beitrag auf dem Bewertungsportal Yelp kassiert hatte. Doch der Fall ging nach hinten los: Die Facebook-Seite der Unterkunft wurde mit negativen Kommentaren und Bewertungen überhäuft.

Auch die Jenkinsons wehren sich gegen die Strafgebühr, die ihnen einfach von der Kreditkarte abgebucht wurde. Sie versuchen sich über ihre Bank, die 100 britische Pfund rückerstatten zu lassen. Eine Stellungnahme des Hotel Broadway war nicht zu bekommen. "Niemand vom Management steht für einen Kommentar zur Verfügung", so die Rezeptionistin am Telefon.

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