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Hotel verlangt 500 Dollar Strafe Wer online meckert, muss zahlen


Um sich gegen miese Kritiken zu wehren, greift ein Hotel in den USA zu harschen Methoden: Wer nur einen Stern gibt, muss 500 Dollar Strafe zahlen. Doch die skurrile Regelung ging nach hinten los.
Von Christoph Fröhlich

Das Union Street Guest House (USGH) in Hudson, New York, ist beliebt bei Pärchen und Hochzeitsgesellschaften. Das Hotel bietet laut eigener Aussage "geräumige Zimmer im klassischen Stil, die mit viel Feingefühl eingerichtet wurden". Das heißt konkret: In der Lobby liegen dicke Teppiche, ein Hirschgeweih hängt über dem Kamin, schwere Ledersessel laden zum Verweilen ein. Hochzeitspaare können sowohl einzelne Zimmer als auch das ganze Hotel mieten. Eigentlich eine tolle Sache - wäre da nicht ein Absatz im Kleingedruckten auf der Webseite: Ist man mit dem Aufenthalt nicht zufrieden und gibt dem Hotel in einem Online-Bewertungsportal eine negative Kritik, muss man 500 US-Dollar Strafe zahlen, berichtet die "New York Post".

500 US-Dollar für jede negative Kritik

Auf der Webseite des USGH heißt es: "Bitte beachten Sie, dass Hochzeitspaare Hudson und unsere Herberge lieben, aber dass ihre Freunde und Familien das möglicherweise anders sehen. Wenn Sie das Gasthaus für eine Hochzeit oder ein anderes Event in der Region gebucht haben […], wird das USGH für jede negative Kritik auf jeder Internetseite, die von Ihnen oder einem Ihrer Gäste geschrieben wurden, von ihren hinterlegten Kontodaten 500 US-Dollar berechnen."

Erst wenn die negative Kritik entfernt wird, erhält man die Strafgebühr zurück, erklärt die Herberge auf der Webseite.

Shitstorm auf Facebook

USGH-Manager Chris Wagoner erklärte gegenüber der Seite "sampratt.com", die Sätze seien als "ironische Reaktion auf eine Hochzeitsgesellschaft vor vielen Jahren" auf die Seite gepackt worden. Unglücklicherweise wurden die Sätze nie entfernt. Außerdem sei die Strafgebühr zu keinem Zeitpunkt erhoben worden. Eine Kritik auf dem Bewertungsportal Yelp aus dem letzten Jahr scheint dem zu widersprechen: "Das Management des Hotels hat die Frechheit, zweimal via E-Mail zu nerven, und uns finanzielle Konsequenzen wegen einer negativen Kritik anzudrohen!"Der Autor schreibt nicht, ob die Strafgebühr letztendlich wirklich erhoben wurde, die Ein-Sterne-Kritik ist aber immer noch online.

Die Regelung des Hotels ist zweifelsfrei eine merkwürdige Idee, doch durch die Berichterstattung in den Medien sind auf Yelp nun Dutzende neue schlechte Kritiken dazugekommen, in denen sich User über die skurrile Strafgebühr des Hotels auslassen - obwohl der Großteil der Kritiker das Hotel vermutlich niemals betreten hat. Dennoch: Die Duchschnittsbewertung liegt nun bei 1,5 von fünf möglichen Punkten.

Auch die Facebook-Seite des Union Street Guest House wird mit negativen Kommentaren und Bewertungen überhäuft. Manche Kritiker gingen sogar so weit, dass Hotel auf Google Maps als "permanent geschlossen" zu markieren, obwohl die Herberge immer noch geöffnet ist. Die Kritiker scheinen mittlerweile jedes Maß verloren zu haben.

Auf dem Profilbild der Facebook-Seite ist das Eingangsschild des Hotels zu sehen, darunter hängt ein weiteres Schild mit dem Aufdruck "No Vacancy", was so viel heißt wie "voll belegt" oder "keine freien Zimmer". Daneben schreibt ein User höhnisch: "Dieses Schild wird sicherlich bald verschwinden."


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