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Paris nach dem Terror: Hotels und Restaurants in Paris fürchten "schwierige Zeiten"

Nach den Anschlägen in Paris sorgen sich die Hotels und Restaurants in der französischen Hauptstadt über ausbleibende Gäste aus dem Ausland. Das Auswärtige Amt hat seinen Reisehinweis für Belgien angepasst.

Eiffelturm von unten

 Der Eiffelturm zählt für gewöhnlich zwischen 15.000 und 20.000 Besucher am Tag. Doch wurde am Dienstag nach den Anschlägen die Touristenattraktion wieder geschlossen, weil die Angestellten wegen aus ihrer Sicht "schwerwiegender Sicherheitsmängel" die Arbeit verweigerten.

Das Auswärtige Amt in Berlin hat durch die terroristischen Anschlägen in Paris und die Fahndung nach Islamisten in Belgien seine Reisehinweise aktualisiert. "Es ist mit verstärkter Präsenz von Polizeikräften und Angehörigen der belgischen Streitkräfte zu rechnen. Die Sicherheitskontrollen an Bahnhöfen und Flughäfen sowie an den Außengrenzen, insbesondere zum Nachbarland Frankreich wurden verstärkt", heißt es auf der Website zu Belgien. "Derzeit gilt die Gefährdungsstufe drei (bei insgesamt vier Stufen). Reisende werden gebeten ein Ausweisdokument mit sich zu führen."

In Paris dagegen kommen auf Hoteliers schwierige Zeiten zu. "Seit Samstag gibt es eine Welle von Stornierungen in der Branche", sagt Didier Le Calvez, Chef des Luxushotels Le Bristol und Vorsitzender der Abteilung Luxusherbergen im französischen Hotelverband. Die kommenden Monate werden seiner Einschätzung nach "schwierig" für die Beherbergungsbranche - so wie die Zeit nach den Anschlägen auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" im Januar.

Stornierungen auf 50 Prozent gestiegen

"Wir hatten uns gerade erholt von den Anschlägen im Januar", sagte Calvez. Doch nach der Attentatsserie am Freitag "werden sich die Umsätze im November halbieren". Laut dem Vorsitzenden der Branchengewerkschaft GNI-Synhorcat, Didier Chenet, wurden seit Freitagabend vor allem Übernachtungen und Veranstaltungen wie Empfänge storniert. Es sei zu früh für Schätzungen, "doch die wirtschaftlichen Folgen für die Branche werden schwerwiegend sein". Das sei nach den Anschlägen im Januar schon der Fall gewesen, aber vor allem nach den Anschlägen der algerischen Islamistengruppe GIA in der Metro und in RER-Zügen im Jahr 1995.

Ein Sprecher des Hotelbuchungsportals HRS in Deutschland zeigt sich deutlich optimistischer. Direkt nach den Anschlägen sei die Zahl der Stornierungen am Samstag und Sonntag auf 50 Prozent gestiegen, teilte er mit. Seitdem pendle sich die Stornierungsquote aber bereits wieder beim "Normalmaß" von 20 Prozent ein - "für eine Stadt wie Paris, wo viele Geschäftsreisen stattfinden, kein ungewöhnlicher Wert". Es könne sich auch um "reine Terminverschiebungen" handeln, da in den vergangenen Tagen zahlreiche Sehenswürdigkeiten wie der Eiffelturm und das Disneyland geschlossen waren.

Kulante Airlines

Die beiden größten deutschen Fluggesellschaften Lufthansa und Air Berlin berichten ebenfalls, dass nur sehr wenige Passagiere das Angebot zu kostenlosen Umbuchungen angenommen hätten - gültig bei der Lufthansa bis Mittwoch und bei Air Berlin bis zum 26. November. Eine Lufthansa-Sprecherin sagte in Frankfurt am Main, es gebe auch nur eine "leichte Zurückhaltung" bei den Buchungen von Flügen nach Paris.


Der Reiseveranstalter Tui verzeichnete nur sehr wenige Anfragen zu Stornierungen oder Umbuchen - aus Deutschland reisen die meisten Touristen aber auch nicht mit einem Veranstalter nach Paris, sondern auf eigene Faust. Zum Zeitpunkt der Anschläge seien aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Polen nur rund 60 Tui-Reisende in Paris gewesen, teilte das Unternehmen mit.

Frankreich ist das beliebteste Reiseland der Welt. Dieses Jahr wird eine Rekordzahl von mehr als 85 Millionen Besuchern erwartet. Der Tourismus ist ein erheblicher Wirtschaftsfaktor: Mehr als zwei Millionen Arbeitsplätze im Land sowie sieben bis acht Prozent der Wirtschaftsleistung hängen nach Angaben der Regierung vom Tourismus ab.

tib/AFP

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