KULINARISCHE RUNDREISE Frühstück, nicht nur bei Tiffany


Die Amerikaner verspeisen zum Frühstück Würstchen und Speck, die Franzosen schwören auf ihr Croissant und die Italiener brauchen eigentlich nur einen Espresso. Frühstücken Sie mit uns um die Welt.

New York um sechs Uhr morgens: Eine junge Frau zieht nach einer durchzechten Nacht im eleganten Abendkleid in die Fifth Avenue, um vor den Schaufensterauslagen des Juweliers »Tiffany« ihren Donut aus der braunen Papiertüte und ihren Kaffee zum Frühstück zu genießen. So zumindest stellt sich Blake Edwards das amerikanische Frühstück im Film »Breakfast at Tiffany« vor und so könnte es auch heute noch sein.

Was verspeisen Japaner, Amerikaner oder Spanier im eigenen Land am frühen Morgen? Wie genießbar ist das englische Frühstück? Wie viele Himmelskörper funkeln aus den Sternfrüchten Thailands? Und warum trinken Italiener ihren Cappuccino nur bis 11 Uhr?

Eine Reise durch die Rituale der Frühstückswelt:

Breakfast in America - Spiegeleier und ihre Sonnenseiten

Insel-Frühstück in England und Irland - Bacon and Beans on Toast

Kontinental - Kaffee an der Theke

Frühstück in Fernost - Im Land der aufgehenden Sonne

Breakfast in America - Spiegeleier und ihre Sonnenseiten

»Sunny side up!« Oder einfach umwerfend: »easy over«. Doch lieber verrührt und mit Schinkenstreifen? Wenn es um Frühstückseier geht, werden die Amerikaner richtig einfallsreich. Und die Kanadier? Die haben den leckeren Ahornsirup erfunden.

In der New Yorker Hektik bleibt nur Zeit für einen Muffin und den obligatorischen Pappbecher Kaffee in der U-Bahn. Doch eigentlich lieben die Amerikaner eine ausgedehnte Frühstückspause im Café oder zu Hause ganz nach der Devise »all you can eat«.

Blau ist der Pfannkuchen, französisch der Toast

Lila gefärbte Lippen weisen in einem amerikanischen Frühstückscafé nicht auf eine faule Eier-Vergiftung, sondern auf Blueberry Pancakes hin. Zu dem Pfannkuchenteig aus Milch, Mehl und Eiern fügt der Koch Heidelbeeren oder die größeren Blaubeeren. Zum delikaten Finish übergießt man die kleinen runden Leckerbissen mit kanadischem Ahornsirup. Wer Muster im Frühstück mag, gibt den süßen Saft statt dessen auf frische Waffeln.

Beim »French Toast« tunkt man nach amerikanischer Manier dreieckige Toastscheiben in eine Milch-Ei-Mischung und brät sie in der Pfanne goldgelb. Dazu genießt man Ahornsirup.

Löchrige Brötchen zum Frühstück

Ursprünglich entstammen die runden Bagels mit dem Loch in der Mitte der jüdischen Tradition Osteuropas. Die weichen Kringel aus Brandteig werden klassisch mit Frischkäse und Lachs gegessen. Die Schmalzkringel Donuts sehen zwar den Bagels sehr ähnlich, schmecken aber wie ein süßer deutscher Krapfen.

Ahornsirup aus Kanada, der Toast französisch, die Brandteigbrötchen aus Osteuropa. Da stellt sich die Frage, was die Amerikaner nicht von den Frühstückstischen anderer Nationen stibitzt haben: »ham & eggs« zum Beispiel. Gebratener Speck darf auf den morgendlichen Tellern Amerikas nicht fehlen. Eier gibt's in allen Varianten: Mit dem Eidotter nach oben »sunny side up«, von beiden Seiten geröstet »easy over« oder locker verquirlt »scrambled eggs«.

Egal, für welche Form des Frühstücks man sich in Nordamerika entscheidet: Ein Glas Orangen- oder Grapefruitsaft gehört immer dazu.

Insel-Frühstück in England und Irland - Bacon and Beans on Toast

Fettige Würstchen in der Mitte des Tellers, umwickelt von öligem Speck und mit Blutwurstscheiben garniert. Rechts gebratene Kartoffelecken und Tomatenscheiben, links geröstetes Weißbrot, über das großzügig Tomatensauce mit gebackenen Bohnen gegeben wurde. Der Engländer und Ire verspeist diese unansehnliche Kreation schon früh morgens.

Das ist es, was den Urlauber in dem netten kleinen Bed & Breakfast am Stadtrand von London erwartet. Wenn er probieren möchte. Denn eigentlich schmeckt diese deftige Cholesterinbombe sogar. Die englische Küche bietet dem festländischen Gaumen aber auch morgendliche Spezialitäten, die ihm weniger fremd erscheinen. Doch zunächst zum englischen Kultgetränk, dem Tee.

English breakfast tea: schwarz, weiß oder grau?

Weiß nennen sie ihren Tee, obwohl er doch eigentlich ziemlich schwarz ist. Der Klassiker unter den englischen Tees behauptet von sich, er sei grau: Earl Grey. Die Auflösung: White Tea wird aus dem Earl Grey, nachdem man den kräftigen Geschmack mit einem Schuss Milch gemildert hat. Einen echten Briten erkennt man übrigens daran, dass er erst die Milch und dann den Tee in die Tasse gießt.

Wem der Earl Grey zu kräftig schmeckt, hält sich an die mildere Variante des Lady Grey. In den Cafés Englands serviert der Kellner meist den berühmten Twinings aus London (216 The Strand), den es in jedem Supermarkt zu kaufen gibt. Doch viele Teekenner geben im Geheimen den billigen PG Tips, feinem schwarzem Tee im Pyramidenbeutel, den Vorzug.

Von Maitressen und bitterer Marmalade

Ursprünglich bezeichneten die Engländer die inoffiziellen Geliebten neben der Ehefrau als solche. Heute heißen die löchrigen kleinen Hefebrötchen auf dem Frühstückstisch »crumpets«. Was macht man damit? Toasten, die Löcher mit Butter zustreichen und Orangenmarmelade oder die Zitronencreme Lemon Curd darüber schmieren.

Weil sie eine so durch und durch englische Spezialität ist, tauften sie nur die leicht bitter schmeckende Orangenmarmelade »marmalade«. Alles andere ist »jam«. Eine vor allem irische Spezialität sind die süßen Scones, die man aufschneidet und wie Brötchen mit Honig oder Marmelade genießt.

Haferbrei und knusprige Frühstücksflocken

Eines fehlt noch auf dem typisch britischem Frühstückstisch: Porridge, in Milch gekochte Haferflocken. Wer lieber auf die knackige Variante zurückgreifen will, löffelt Cornflakes.

Kontinental - Kaffee an der Theke

Tische, die sich unter der Last der üppigen Speisen biegen und großzügige Zeitplanung - das stellen sich Italiener, Spanier und Franzosen unter einer Mahlzeit vor. Vorausgesetzt es handelt sich nicht um das Frühstück. Denn die ersten Bissen des Tages fallen in West- und Südeuropa spartanisch aus.

Obwohl man von den kulinarischen Genießern etwas anderes erwartet, trinken sie morgens meist nur schnell eine Tasse Kaffee. Es drängt sich der Gedanke auf, dass es sich bei den Südeuropäern um die eigentlichen Erfinder des »Coffee to go« handelt, der die Großstädte gerade erobert.

Desayuno in Spanien

Nach dem Wachwerden schlürfen Spanier ihren Café con leche. Wer möchte, knabbert zum Milchkaffee an einer Ensaimada, einer Hefeschnecke, oder bestellt ein Croissant. Beim Desayuno, dem spanischen Frühstück, gilt das Motto: lieber Platz im Magen für das Mittagessen frei halten. Vor allem in der Osterwoche und in der Gegend um Madrid stippt man die Schmalzkringel »churros« zum Frühstück in heiße Schokolade.

Le petit déjeuner in Frankreich

Muße haben Franzosen an einem Samstag Morgen durchaus, doch nicht für die »kleine Mahlzeit« petit déjeuner. Wenn etwa der Pariser mehrere Stunden in einem Straßencafé sitzt, blättert er wohl eher ausgiebig in einer Zeitung oder beobachtet das geschäftige Treiben rundherum.

Dazu genehmigt er sich eine dampfende Schüssel voller Café au lait mit Milchschaumkrone, der aus einer riesigen henkellosen Tasse geschlürft wird. Das knusprige französische Hörnchen, das Croissant, hat mittlerweile seinen Siegeszug durch die ganze Welt gewonnen. Eine verführerische Alternative zum Klassiker: das Schokoladenbrötchen »pain au chocolat«.

Espresso-Kultur in Italien

Samtig schwarz verbirgt er sich unter einer hellbraunen Cremeschicht. Der Espresso, Italiens Kultgetränk No. 1, rangelt mit dem Cappuccino und dem Latte Macchiato um die Spitze der Welt-Kaffeecharts. So fein wie der italienische Kaffee schmeckt, verzichtet man zum Frühstück meist gänzlich auf pikante oder süße Zusätze. Klassisch wird er am Tresen in einer Stehbar getrunken.

Man sagt, einen Touristen erkenne man schnell daran, dass er nach 11 Uhr vormittags noch Cappuccino trinke. Das fiele einem Italiener nicht im Traum ein, denn Cappuccino ist der Frühstückskaffee. Zum Essen oder am Nachmittag liebt er den kräftigen Geschmack des Espresso.

Frühstück in Fernost - Im Land der aufgehenden Sonne

In Europa ist es der Kaffee, der müde Seelen morgens munter macht. In Japan greift man zu ganz anderen Methoden: eingelegte saure Pflaumen. Der Aufwachtrick aus dem Land des Lächelns sträubte schon so manchem unwissenden Besucher die Haare und veranlasste ihn zu unfreiwilligen Grimassen.

Die Pflaumen haben nebst der Aufmunterung noch eine weitere Wirkung: Sie nehmen den Geschmack der Nacht von der Zunge. »Umeboshi« nennt sie der Japaner. Und der Reisende sei vorgewarnt: das zitronensaure Stückchen Obst wird nicht nur in Privathaushalten aufgetischt, sondern schmückt ganz unscheinbar wie ein Keks auch die morgendliche Teetasse im Restaurant.

Eier, Reis und Seetang

Wenn der Reis in der Frühstücksschale noch dampft, gießt man ein schaumig geschlagenes Ei darüber und vermischt es mit dem heißen Reis. Die Spitze garniert die japanische Hausfrau den Eierreis mit knusprig gerösteten »nori«, Purpurtangblättern. Der Seetang wird entweder zerkrümelt und unter den Reis gemischt. Oder man wickelt den Reis in die nori und isst die Röllchen mit der Hand.

Misoshiru für den ganzen Tag

Die Basis für die würzige Frühstückssuppe Misoshiru ist »dashi«, ein Fertigprodukt aus Sojabohnenpaste und Seetang. Angereichert wird sie mit Tofuwürfeln, Glasnudeln, Schalotten und Rettich. In japanischen Familien wird die Suppe traditionell zum Mittag- und Abendessen noch einmal aufgewärmt.

Bunte Farbkreationen aus dem Obstgarten

Lychee, Mango und Papaya kennt man auch in mitteleuropäischen Breitengraden. Exotische Früchte wie Ananas, kleine Bananen, Kokosnüsse schmücken die Büfetttische Thailands außerdem. Klangvolles Obst wie die grapefruitähnlichen Pomelos und die pflaumenartigen Rambutans sind lecker und vitaminreich. Sternfrüchte funkeln nicht, sondern sehen, in Scheibchen geschnitten, wie grüne Sternchen aus.

Auch in Thailand gibt es schon zum Frühstück Reis. Das Gemüse, das unter den mit Curry gewürzten Reis gemischt wird, ist nur kurz angebraten und deshalb frisch und knackig.

Von Monika Huber / travelchannel


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