Luftfahrtkrise A380 soll den Sinkflug von Air France stoppen


Air France nimmt als erste europäische Fluggesellschaft den Riesenflieger in den Linienbetrieb auf. Allerdings müssen die Franzosen erst einmal beweisen, dass sie das Fluggerät überhaupt voll kriegen.
Von Jennifer Lachman und Gerhard Hegmann

Air-France-KLM-Chef Pierre-Henri Gourgeon hat es eilig, sein neues Statussymbol nach Hause zu bekommen. Am nächsten Freitag beginnt im Hamburger Airbus-Werk um 11 Uhr die Übergabezeremonie für das erste A380-Modell an eine europäische Fluggesellschaft. Um 14 Uhr ist dann Abflug nach Paris. Es ist die Auslieferung des 20. Modells des weltgrößten Passagierflugzeugs an die insgesamt vierte Fluggesellschaft. Im Frühjahr 2010 soll dann die Lufthansa ihren ersten A380 bekommen.

Mitten in der Krise der Luftfahrtbranche erhalten die Franzosen damit ihr erstes dieser Großflugzeuge. Der Zeitpunkt könnte kaum schlechter sein: 11 Mrd. $ Verluste erwartet der Weltluftfahrtverband IATA in diesem Jahr. Der dramatische Rückgang der Passagierzahlen konnte zuletzt zwar gebremst werden, doch bei den Preisen ist keine Entspannung zu bemerken. Laut Iata kosten die Tickets in der Economyklasse aktuell 15 Prozent weniger, in der Business- und First Class sogar bis zu 20 Prozent weniger als noch vor einem Jahr. Während weltweit Fluggesellschaften Kapazitäten zusammenstreichen, müssen die Franzosen jetzt zeigen, dass sie den Flieger mit 538 Sitzen füllen können - ab Ende November jeden Tag, zwischen Paris und New York City.

Die oft betonte Freude von Konzernchef Gourgeon scheint dennoch berechtigt. "Auch in schlechten Zeiten kann der A380 für eine Fluggesellschaft durchaus von Vorteil sein", sagt Martina Noß, Analystin bei der Nord/LB. Der Grund: Die Maschine ist so groß, dass die Kosten je Passagier rein rechnerisch deutlich niedriger sind als bei kleineren Maschinen. Rund 20 Prozent weniger würde es kosten, einen Sitz einen Kilometer weit zu transportieren, wirbt Airbus - eine Zahl, die Kunden wie Singapore-Airlines-Europachef Leslie Thng bestätigen. Für die Fluggesellschaften ergibt sich also Sparpotenzial. Die Krux ist jedoch, den laut Listenpreis 327 Millionen US-Dollar teuren Flieger auch zu füllen.

Die Chancen hierfür stehen gut. "Die A380 ist für die Passagiere etwas Besonderes, und wir sind davon überzeugt, dass das auch so bleiben wird", sagt Thierry Antinori, Marketing- und Vertriebsvorstand von Lufthansa Passage, der FTD. Europas größte Fluggesellschaft nimmt im Frühjahr 2010 den ersten von 15 A380 in Empfang - und hofft, dann auch noch von dem "A380-Effekt" zu profitieren, den Wettbewerber wie Emirates, Qantas und Singapore Airlines bereits beobachten. Die Auslastung sei "deutlich höher" als bei anderen Flugzeugen, berichtet Singapore-Airlines-Manager Thng: "Viele Kunden ändern extra ihre Reisepläne, nur damit sie mit der A380 fliegen können."

Wie die Businessclass schrumpft

Spurlos geht die Krise aber auch an den A380-Kunden nicht vorbei. So müssen sie die Passagierwanderung in die Economyclass berücksichtigen. Die Lufthansa etwa sprach bislang von rund 550 Sitzen je Maschine. Ob sie bei den nächsten Modellen auf einige Business- oder First-Class-Sitze verzichten, ließ Passage-Vorstandsmitglied Antinori offen: "Allerdings werden wir die Möglichkeit haben, die Sitzkonfiguration flexibel der Nachfrage anzupassen", räumte er ein.

Auch zu den konkreten Einsatzplänen geben sich die Manager verschlossen. Noch im Juli dementierte Singapore-Airlines-Manager Thng, dass es Pläne für eine verzögerte Übernahme weiterer A380-Modelle gebe. Inzwischen hat die Airline einen Aufschub in den Januar bekannt gegeben. Auch Qantas bekommt Maschinen später. Air France-KLM würde gern die Auslieferung von zwei weiteren Modellen vorerst verschieben, heißt es in französischen Medien.

A380 mit 840 Sitzplätzen

Bislang hat Airbus 2009 erst sechs von den zuletzt geplanten 13 A380-Maschinen ausgeliefert. Im nächsten Jahr sollen es 20 sein.

Branchenkenner sehen auch einen Trend zu künftig mehr Passagieren in der A380. So hat Emirates angekündigt, künftig einige Modelle mit rund 600 Sitzen statt bisher 498 auszustatten. "Ich warte ungeduldig auf Air Austral, die das A380-Modell mit 840 Sitzen ausstatten will, um damit eine neue Marke für ein Langstrecken-Billigfluggeschäftsmodell mit hohem Gewinn zu setzen", sagt Mark Lapidus, Geschäftsführer des Flugzeugfinanzierers Doric Asset Finance.

FTD

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