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Norwegen: Wo Trolle ihr Unwesen treiben

An der Südküste Norwegens bieten abgelegene Bauernhöfe Erholung für gestresste Städter. Doch Vorsicht, es warten nicht nur Wälder und Seen auf Gäste, sondern auch Trolle.

Von Gesine Unverzagt

Oben auf einem Hügel, mit Blick über eine weite Landschaft mit zwei Seen, steht das sechseckige Haus. "Die sechs Ecken sind einem Schneekristall nachempfunden. Das Haus ist so gebaut, weil die viereckige Form in der Natur nicht vorkommt," erklärt Stian, der Hausherr von Faersnes Gjestegård. Sein ganzer Stolz ist die einzige Rauchsauna der Region, die er bereitwillig vorführt. Bei dieser Art Sauna steht der Ofen frei im Raum, wobei der Rauch durch die aufgeschichteten Steine, Wände und Decke entlang durch eine Luke entweicht. Erst wenn das Feuer erloschen und der Rauch abgezogen ist, begibt man sich in die zum Teil verrußte Sauna, die angenehm ist, da selten über 80 Grad. "Fälschlicherweise wird gesagt, dass die Sauna aus Finnland stammt, aber das stimmt nicht, in ganz Skandinavien gab es die schweißtreibenden Häuser, nur wurden sie durch die Christianisierung aus moralischen Gründen verboten. Nur durch die orthodoxe Kirche Finnlands blieb das Ritual dort erhalten", erzählt Stian.

Und Stian scheint viel Zeit in seiner Sauna verbracht zu haben. Wie sonst, könnten ihm Geschichten wie diese einfallen: "Am 13. Dezember 2004 saß ich alleine in der Sauna", erzählt er, "als eine wunderschöne Frau hereinkam. Es war Hulder, eine Art Sirene, von der man sagt, wer ihr begegnet, der verfällt ihr. Ich konnte mich gerade noch retten, denn ich bat sie, für mich zu tanzen. Dadurch war unter ihrem Rock der sie verratende Kuhschwanz zum Vorschein gekommen, der sie als Troll entlarvte. Schnell habe ich sie durch das Hochhalten eines Stahlmessers vertrieben." Seit diesem Tag hängt über Stians Sauna ein Wacholderzweig, worin ein Kreuz versteckt ist, um Trolle und Unterweltler zu vertreiben. Solche und ähnliche Geschichten weiß Stian zu Hauf zu erzählen. Er ist ein Naturbursche und lebt mit der Natur und ihren Dämonen.

Zu Hause ist es am schönsten

Das war nicht immer so, als Ingenieur reiste er um die Welt, bis er feststellte, dass es zu Hause am schönsten ist. Er übernahm den alten Hof seiner Familie aus dem Jahre 1748, wo er nun mit seinen drei Kindern, mit 50 Schafen, 86 Jungtieren, 9 Kühen, drei Kälbern, einem altersschwachen Hund und einer Katze lebt. Und natürlich mit Gästen, die gern zum Faersnes Gjestegård kommen, zwischen den Seen Vegår und Forbuvann. Am Abend lädt er seine Gäste gerne auf die Veranda des Turmhauses ein, wo man der Stille lauschen kann und beobachten, wie der dunkle See durch die Reflexion des Mondes hell glitzert. "Auf dem See Vegår gibt es 365 kleine Inseln", erzählt Stian, "aber am schönsten ist die Insel, auf der als einzige eine Birke steht."

Der See lässt sich am besten bei einer Bootstour erkunden. Gemütlich tuckern tagsüber kleine Schiffchen über den See. Von dort lassen sich die einsamen Höfe bestaunen und man kann kleine Sandstrände in versteckten Buchten entdecken - ideale Badeplätze an einem herrlichen Sommertag. Sportlicher als auf dem Schiff geht es bei einer kleinen Kanu-Fahrt zu, wer will kann auch Rad fahren, angeln oder eine zehn Kilometer lange Wanderung auf einem mit roten Holzschildern ausgezeichneten Wanderweg machen. Der Weg führt tief in unberührte Natur, wo der Boden bedeckt ist mit Blaubeersträuchern, wo Tannen und Birken den Duft eines gesunden Mischwaldes verströmen, wo an den Ufern des Sees gelbe Seerosen blühen.

Weiß getünchte Holzhäuser an der Sonnenküste Norwegens

Die Südküste ist die Sonnenküste Norwegens und wegen des guten Klimas nicht nur bei Touristen beliebt, auch Künstler und Kunsthandwerker wissen die besondere Atmosphäre der kleinen Küstenorte zu schätzen. Besonders beliebt ist die Kleinstadt Risør mit den weiß getünchten Holzhäusern und dem pittoresken Hafen, wo liebevoll gepflegte Holzkähne und flotte Motorboote im Wasser dümpeln. Allgegenwärtig in dem malerischen Ort Grimstad ist Henrik Ibsen, der hier drei Jahre als Apothekerlehrling im "Ibsenhuset" gelebt haben soll.

Unweit von Stians Hof, in Haddan Gård, leben auf einem großes Anwesen Renate und Erling. Erling wurde in Amerika geboren, seine Eltern gehörten zu den zahlreichen Auswanderern aus Skandinavien, die in Amerika eine bessere Zukunft suchten. Nach einer Jugend in New York kehrte er zurück in das Land seiner Väter, übernahm den Hof, der umgebaut wurde, um nicht nur Vieh, sondern auch Gäste aufzunehmen. Eine seiner ersten Gäste war Renate aus Deutschland, die bei ihm blieb und seine Frau wurde. Gemeinsam führen sie ihr Haus, kochen gemeinsam, machen Ausflüge und Wanderungen mit ihren Gästen. Den Bauernhof hat seit kurzem die älteste Tochter übernommen. Es ist besonders gemütlich und harmonisch bei Renate und Erling. Morgens ist nur das Läuten der Glocken der Schafe zu hören - Erholung pur für gestresste Städter. Kein Wunder, dass sogar das norwegische Königspaar hier zu Besuch war, was Renate zu berichten weiß und stolz ihre Fotos zeigt. Und auch Königin Sonja und König Harald haben sich von Renate bekochen, sich von ihr die Landschaft zeigen lassen und einfach nur die Ruhe genossen.

Stians Gedicht haben Sonja und Harald leider nicht zu hören bekommen, das er in einem Augenblick des Glücks niederschrieb. Es beschreibt wohl am besten, was für ein Gefühl es ist, an diesem wunderbaren Flecken der Erde leben zu dürfen:

...die Natur und die Stille, eine Quelle um sein zu Hause im Leben zu finden...

Reiseinformationen

Auskunft:
Norwegisches Fremdenverkehrsamt
Postfach 113317
20433 Hamburg
Tel. 0180-500 15 48
Fax 040-22 71 08 15
www.visitnorway.com

Buchungen:


Ferien auf dem Lande in Norwegen kann gebucht werden über die Organisation "Norsk Bygdeturisme og Gardsmat" unter:

www.nbg-nett.no oder direkt bei Faersnes Gjestegård: www.faersnes.no, Heddan Gård: www.heddan-gard.no, Kvåle-din Gård: www.kvaale.net

Anreise:

Mit dem Auto entweder über Schweden nach Oslo oder direkt mit den Fähren der Color Line, die täglich Kiel – Oslo fahren. Ein besonderes Erlebnis ist die Anreise mit der

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