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Udo Lindenberg geht auf Kreuzfahrt: Alles klar auf dem Rock-Liner!

Rockstar Udo Lindenberg nimmt die Reederei Tui Cruises wörtlich. Er nennt den einzigen Kreuzfahrtkahn des Unternehmens jetzt "Mein Schiff" - und macht sein Programm. Gemeinsam mit Jan Delay und Nina Hagen schippert er mit dem Rock-Liner über die Nordsee.

Der Panik-Rocker trägt Wollmütze und Schwimmweste, der Chefstyler steht im Schlabber-Freizeit-Look unterm Rettungsboot, und die Punk-Lady mit zwei Schleifen im Haar tummelt sich irgendwo anders an Bord. "Rock The Ocean" haben Udo Lindenberg, Jan Delay und Nina Hagen angekündigt. Doch bevor die Stars die See bei "Lindstärke Panik" zum Beben bringen, müssen auch sie zur Rettungsübung.

Während "Käpt'n Udo" brav den Ausführungen des Bordpersonals lauscht, sind viele Passagiere nur mit ihren Handys beschäftigt. Sicherheit? Wozu, wenn sich das Idol doch gerade so schön fotografieren lässt! "Bitte, Sie haben noch drei Tage lang Zeit, Bilder zu machen", ruft der Mann vom Personal schon leicht genervt, "jetzt ist mein Moment." Von wegen! An Bord des ersten "Rock-Liners" ist alles ein bisschen anders.

Es ist eines der spektakulärsten Projekte, das Deutschrock-Legende Lindenberg ("Horizont") auf dem Kreuzfahrtriesen "Mein Schiff" seit Mittwochabend steigen lässt. Etwa 2000 Passagiere sind dabei, innerhalb weniger Tage waren die Kabinen ausverkauft, die nächste "Rock-Liner"-Tour steht bereits, über weitere Fahrten wird nachgedacht.

Aus dem Atlantic auf den Atlantik

Auf der viertägigen "Jungfernfahrt" geht es von Hamburg aus mit voller Panik-Power ins britische Dover, Ausflüge in die legendären Abbey-Road-Studios in London stehen auf dem Programm, am Samstag dann die Rückkehr. Krönender Abschluss soll das Einlaufen beim großen Feuerwerk zum Hamburger Hafengeburtstag werden. Zusammen mit seinem Panikorchester will der Sänger eine 20-minütige Version seines Hits "Candy Jane" spielen - 100 Passagiere werden ihn dazu an der Reling mit ihren E-Gitarre begleiten.

Seit langem schon hat der 63-Jährige davon geträumt, einen "Musik-Dampfer" der ganz anderen Art aufs Wasser zu setzen. Den Rockstar, Dauerbewohner des Hamburger Hotels "Atlantic", zieht es immer wieder auf den echten Atlantik. Nur zu gern ist er als singender Seemann unterwegs. Er liebt diese Art des Reisens, auch wenn das gewöhnliche Kreuzfahrt-Publikum ihn bisweilen eher an eine "Rolling-Rentner-Schaukellage" erinnert. Genau das soll auf dem "Rock-Liner" anders sein - und ist es tatsächlich bereits am ersten Abend. Da wird im Casino, wo es sonst spätabends eher ruhig zugeht, noch nach Mitternacht gerockt. An den Automaten lehnen Fans im Udo-Outfit, auf den Spieltischen stehen Biergläser. Rockmusik ist zu hören, wohin man auch geht, Bildschirme zeigen Konzertausschnitte.

Ständchen zum Auslaufen

"Ein Traum wird wahr", jubelt Lindenberg. Auf dem Pool-Deck hat er noch vor dem "Leinen los!" den Startschuss gegeben. Auf die Begegnung mit den ganzen "Experten", wie er seine Fans nennt, freut er sich. "Supergeil, dass ihr alle da seid, yeah!", ruft er ins Mikrofon. Sein erstes Konzert im Bord-Theater ist für den nächsten Abend geplant, doch ein kleines Ständchen gibt er schon jetzt. "Odyssee, keiner weiß, wohin die Reise geht", singt der Deutschrocker. Der Wind dürfte die Klänge noch ans Festland tragen, den bekannten Lindenberg-Hut nicht - den hält der routinierte Kreuzfahrer gekonnt fest. Kaum verlässt er die Bühne, umzingelt ihn ein Pulk von Handy-Fotografen und Autogrammjägern. Fan-freundlich geben sich auch Nina Hagen, als sie sich im gepunkteten Mantel die Hände am Buffet wärmt, und Jan Delay, wenn er abends durch die engen Gänge streift.

Nahezu rund um die Uhr dreht sich alles auf dem Schiff um die Rockmusik - von Konzerten über Vorträge bis hin zu Dokumentationen. Da wird an die Zeiten des "Beat Club" erinnert, werden Videos gezeigt und "Rock Quiz" gespielt. "Diese Reise ist sicherlich lauter als andere - in jeglicher Hinsicht", sagt eine Sprecherin der Reederei TUI Cruises. Anders als auf anderen Fahrten seien hier zum Beispiel auch die Mehrbett-Kabinen komplett belegt - Panik-Fans rücken eben auch gern mal zusammen.

Und während manche nach der ersten Rock-Nacht erst am frühen Morgen in ihre Betten finden, stehen andere bereits wieder auf. Vom Pool-Deck dröhnt da schon wieder ein Schlagzeug. Auf dem "Rock-Liner" ist eben manches ein bisschen anders.

DPA / DPA

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