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Panik-Rocker trifft Bundespräsidenten: Lindenberg besingt die "Bunte Republik Deutschland"

Udo Lindenberg erinnert mit einem Konzert an den Fall der Mauer vor 21 Jahren. Hits wie "Sonderzug nach Pankow" und "Mädchen aus Ostberlin" bringen die Zeit des geteilten Deutschlands wieder ganz nah vor Augen. Das Publikum ist gerührt.

Da klatschte selbst der Bundespräsident im Takt mit: Altrocker Udo Lindenberg hat am Montagabend ein Konzert in Erinnerung an den Fall der Mauer vor 21 Jahren gegeben. Am Vorabend des 9. November warb der 64-Jährige in der Schinkel-Kirche im märkischen Neuhardenberg für die "Bunte Republik Deutschland". Ehrengast des geschichtsträchtigen Auftritts war Christian Wulff. Das Staatsoberhaupt sah sich Lindenbergs Auftritt sichtlich vergnügt an und würdigte ihn in einer kurzen Ansprache vor den 350 Gästen als großen Künstler.

Die "Bunte Republik Deutschland" hatte Lindenberg schon 1989 in seinem gleichnamigen Album propagiert. In der Schinkel-Kirche sang der Panikrocker passend zum historischen Anlass berühmte Lieder wie "Sonderzug nach Pankow" oder "Mädchen aus Ostberlin". Darin beklagte er einst die Teilung Deutschlands und träumte von einer Wiedervereinigung von Ost und West.

Nur wenige westdeutsche Künstler setzten sich so beharrlich für die Deutsche Einheit ein - und als die Mauer dann im November 1989 endlich fiel, "war das einer der schönsten Tage in meinem Leben", erzählte Lindenberg während des Konzerts. "Was haben wir gefeiert!" Nun sei Deutschland beim Zusammenwachsen auf einem guten Weg, ein bisschen besser müssten sich Ost und West aber noch kennenlernen - etwa durch Reisen in die jeweils andere Landeshälfte. "Zum Vergnügen nach Rügen, und nach Schmusedom", ergänzte der Altrocker witzelnd.

In Anwesenheit des Bundespräsidenten scheute Lindenberg sich nicht, auch brisante politische Themen anzusprechen. So gebe es eine neue Protestkultur in Deutschland, sagte er mit Blick auf die Proteste gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 und gegen die Atompolitik der Bundesregierung. "Das finde ich gut." Staatsoberhaupt Wulff mahnte er frech, vor seiner Unterschrift unter das Gesetz zur Laufzeitenverlängerung der Atomkraftwerke noch einmal gut nachzudenken.

Vielleicht könne Wulff ja dann am entscheidenden Tag "einen kleinen Gichtanfall bekommen", der ihn an der Unterschrift hindere. Der Bundespräsident nahm es mit Humor. Dann gab es wieder Musik, darunter Gänsehaut-Evergreens wie "Hinter'm Horizont gehts weiter". Als Überraschungsgast gab die Ost-Berliner Band Silly drei Songs zum Besten.

Parallel zum Konzert zeigt die Stiftung Schloss Hardenberg in der Orangerie eine Ausstellung mit Gemälden und Zeitdokumenten aus der Sammlung des Künstlers.

Haiko Prengel, DPA / DPA