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Gefährliche Tour: Familie steckt an zwölf Meter tiefem Wasserfall fest - und wird durch Flaschenpost gerettet

Eine Abenteuer-Wanderung wäre für eine Familie fast tödlich ausgegangen. An einem zwölf Meter tiefen Wasserfall gab es für sie in einer Schlucht kein Weiterkommen mehr. Zum Glück hatte der Vater eine rettende Idee.

Der Arroyo Seco - spanisch für "trockener Fluss" - ist trotz seines Namens für seine reißenden Strömungen und seine Flutgefahr bekannt.

Der Arroyo Seco - spanisch für "trockener Fluss" - ist trotz seines Namens für seine reißenden Strömungen und seine Flutgefahr bekannt.

Getty Images

Es sollte ein kleines Abenteuer zum Vatertag werden: Curtis Whitson wollte seiner Freundin und seinem 13-jährigen Sohn die Schönheit des Arroyo-Seco-Gebietes in seiner Heimat Kalifornien zeigen. Doch nach drei Tagen nahm der Wandertrip im Juni ein jähes Ende. Als sie gerade den schwierigsten Teil der viertägigen Reise erreicht hatten, gab es plötzlich kein Vor und kein Zurück mehr: Das Seil, dass ihnen eigentlich den Abstieg des zwölf Meter hohen Wasserfalls ermöglichen sollte, war nicht mehr da.

Bei der Erkenntnis wäre ihm sofort schlecht geworden, erzählte Whitson der "Washington Post". Er hatte die Strecke sieben Jahre zuvor schon mal zurückgelegt, konnte sich damals in einer guten Viertelstunde vorsichtig an den glitschigen Felsen abseilen. Nun war das Seil verschwunden - und es gab keinen Weg aus der Schlucht mit dem Fluss heraus.

Kein Ausweg

Whitsons Gedanken rasten. Regengüsse mussten das Seil weggespült haben, überlegt er. Er hatte zwar ein Seil im Gepäck, aufgrund des hohen Wasserstandes und der starken Strömung sah er aber keinen Weg, es sicher zu befestigen. Auf schnelle Rettung konnten sie nicht hoffen. Handy-Empfang gab es nicht. "Es war ziemlich beängstigend", berichtet Whitson. "Wir wussten, dass unsere Freunde irgendwann Hilfe holen würden. Aber nicht, wie lange sie brauchen würden, um uns zu finden."

Zuerst versuchte er, eine Nachricht in einen Stock zu ritzen. Doch der trudelte nur in einem Strudel herum. Also versuchte Whitson es mit einer neongrünen Plastik-Trinkflasche erneut. "Er fragte, ob ich etwas zu schreiben habe", erzählt Whitsons Freundin Krystal Ramirez. "Mir fiel ein, dass ich Punktezettel für Kartenspiele dabei habe." Auf den Zettel schrieben sie eine Nachricht mit dem Datum und dass sie beim Wasserfall festhingen. Zusätzlich ritzte Whitson "HELP" in die Flasche. Dann warfen sie sie den Wasserfall hinunter.

Hoffen auf Rettung

Am Flussufer bauten sie noch einen SOS-Schriftzug mit Steinen auf. "Ich sagte ihnen: Wir haben getan, was wir konnten. Nun müssen wir warten", erinnert sich Whitson. Die Gestrandenen legten sie sich in ihre Schlafsäcke und versuchten zu schlafen. Um Mitternacht wurden sie plötzlich jäh geweckt: Über ihnen kreiste ein Hubschrauber. Durch einen Lautsprecher kam die erleichternde Nachricht: "Wir haben Sie gefunden. Halten Sie durch. Wir kommen morgen früh zur Rettung zurück." Und tatsächlich: Am nächsten Morgen wurden die unglücklichen Wanderer nacheinander mit Seilwinden aus der Schlucht befreit.

Die drei hatten Glück. Obwohl sie während ihrer gesamten Wanderung keinen einzigen Menschen getroffen hatten, sahen zwei weitere Wanderer die Flasche im Fluss schwimmen. Schnell entdeckten sie die Botschaft und wanderten zu einem nahegelegenen Campingplatz. Dort alarmierten sie die Aufseher, die gleich einen Hubschrauber anforderten. Mit Nachtsicht- und Wärmekameras konnten die Retter die drei auch im Dunkeln schnell aufstöbern.

"Ich kann immer noch nicht fassen, wie perfekt das alles zusammengekommen ist", erzählt Whitman. "Sie haben eine Menge Glück gehabt", bestätigt der Pilot. Seine Familie nimmt Whitson die unglückliche Wanderung aber trotzdem nicht übel. Nach der Rettung schenkte ihm Ramirez eine neue Wasserflasche. Diesmal aber mit einem Liebesbrief.

Quelle: Washington Post

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