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Glossar: Die 20 wichtigsten Begriffe zu Südafrika

Wissen Sie, was eine Vuvuzela ist? Und wen man mit dem Begriff "Bure" bezeichnet? Dieses Glossar gibt Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Südafrika-Begriffe.

Von Stephanie Souron, Birgit Knop, Swantje Dake

African National Congress, ANC

Südafrikanische Partei, die nach den ersten Apartheidsgesetzen gegründet wurde und die Interessen der schwarzen und farbigen Bevölkerung vertritt. Während der Apartheid wandte sich der ANC gegen das Regime. Viele Parteimitglieder mussten daraufhin untertauchen oder ins Ausland flüchten. 1960 wird der ANC verboten und erst 30 Jahre später wieder erlaubt. Bei den ersten freien Wahlen 1994 gewinnt die Partei mit großer Mehrheit und stellt seitdem die Regierung und den Präsidenten.

Afrikaner

Mehrfach besetzter Begriff, unter anderem für

ganz allgemein einen Bewohner Afrikas

einen Schwarzafrikaner

einen Afrikaans-Muttersprachler (siehe "Buren"). Zur Unterscheidung der Schwarzafrikaner wird im Deutschen für diese Volksgruppe der Name "Afrikaaner" verwendet

einen Volksstamm, der sich Ende des 18.Jahrhunderts unter dem Häuptling Jager Afrikaner am Kap der guten Hoffnung niederließ.

Apartheid

Politik der Rassentrennung. Wird nach der Gründung der Südafrikanischen Union 1910 durch Gesetze eingeleitet, die die Rechte der schwarzen Bevölkerung beschneiden. Eines davon ist der "Mines and Works Act" von 1911, nach dem Schwarze ausschließlich niedere Arbeiten zu verrichten haben und damit als billige Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Da die schwarze Bevölkerung weder Wahl- noch Streikrecht hat, bleibt der Widerstand gegen die Gesetze sehr ineffektiv. Mit der Machtübernahme der National Party unter Daniel François Malan 1948 verschärfen sich die Repressionen. Zunehmend wird auch die Privatsphäre der nicht-weißen Menschen reglementiert und kontrolliert: Ehen zwischen verschiedenen Rassen sind verboten. In allen öffentlichen Einrichtungen, Behörden, Verkehrsmitteln und sogar auf den Toiletten wird die Rassentrennung eingeführt. Ihren Höhepunkt erreicht die Apartheids-Politik mit der Einführung von Reservaten in den 1960er Jahren. Es organisiert sich der Widerstand unter Führung des ANC. Nach Massenprotesten verbietet die Regierung jedoch sämtliche oppositionelle Gruppen. Die Widerstandsorganisationen arbeiten aus dem Untergrund weiter. Als 1976 in Soweto eine Schüler-Demonstration niedergeschossen wird, greifen die Unruhen auf das ganze Land über. Der ANC militarisiert seinen Kampf, Südafrika entwickelte sich mehr und mehr zum Polizeistaat. Erst 1989 erklärt der Präsident Frederik Willem de Klerk das Ende der Apartheidspolitik.

Bafana-Bafana

Spitzname der südafrikanischen Fußball-Nationalmannschaft. Bafana-Bafana bedeutet wörtlich übersetzt "die Jungs". Der ehemalige südafrikanische Präsident Thabo Mbeki vertritt die Ansicht, dass die Mannschaft ihren Namen ändern sollte. "Diese jungen Menschen tragen unsere Nationalfarben und sind der Stolz und die Hoffnung unseres Landes. Der Name Bafana Bafana ist da nicht sonderlich bedeutungsvoll."

Bantu

Sammelbegriff für die über 400 verschiedenen Ethnien in Süd- und Mittelafrika, die Bantusprachen sprechen. Im Jahr 2007 waren das schätzungsweise 200 Millionen Menschen. Im Sprachgebrauch der Weißen wird Bantu häufig als Bezeichnung für alle Afrikaner benutzt, die südlich der Sahara leben.

Big Five

Sammelbegriff für Elefanten, Nashörner, Büffel, Löwen und Leoparden. Den Spitznamen bekamen die Tiere von den Großwildjägern nicht wegen ihrer Körpergröße, sondern wegen der Schwierigkeiten bei der Jagd auf sie. Ein erlegter Vertreter der Big Five galt dementsprechend als wertvolle Trophäe. Heute werden Safaris auf die Big Five hauptsächlich in den Nationalparks durchgeführt. Dann allerdings nicht mit Gewehren, sondern mit Fernglas und Fotoapparaten.

Buren

Nachfahren der ersten europäischen Siedler, hauptsächlich Niederländer, Deutsche und Franzosen, in Südafrika, die sich ab 1652 in der Region um Kapstadt niederlassen. 1779 kommt es zu ersten Zusammenstößen zwischen Buren und Bantu am Groot Visrivier. Damit beginnt der erste von insgesamt acht "Kaffernkriegen", die mehr als ein Jahrhundert dauern. Nachdem die Kapkolonie von den Briten erobert wird, ziehen sich die Buren immer weiter ins Hinterland zurück, wo sie 1838 die Burenrepubliken Natalia, 1842 Transvaal und im gleichen Jahr Oranje Freestate gründeten. 1860 schließen sich diese zur "Südafrikanischen Republik" zusammen. Nach der Gründung der Südafrikanischen Union 1910 geht die Regierungsgewalt in Südafrika nahezu ausschließlich von den Buren aus. Erst 1994 endet ihre Herrschaft mit den ersten freien Wahlen. Nach dem Ende des "alten Südafrika" wandern viele Buren nach Großbritannien, Australien und Neuseeland aus. Heute sind rund zwei Drittel aller südafrikanischen Weißen Buren. Die meisten von ihnen sprechen Afrikaans, eine Sprache, die sich aus dem Holländischen entwickelt hat. So leitet sich auch der Begriff Buren. von dem niederländischen Wort "boer", Bauer, ab. Weitere Bezeichnungen für diese Bevölkerungsgruppe sind Afrikaaner, Afrikaander, Kapholländer oder Weißafrikaner.

Cape Dutch

Südafrikanischer Architekturstil des 19. Jahrhunderts. Der kapholländische Baustil ist vor allem in der Kapregion erhalten. Dafür charakteristisch sind schmucke, weißgetünchte, am Giebel verzierte und teilweise reetgedeckte Häuser, die das Weinanbaugebiet um Stellenbosch, Fish Hoek und Paarl prägen.

Coloureds

Vier Millionen Menschen in Südafrika - etwa 9 Prozent der Bevölkerung - werden als "coloureds" bezeichnet. Diese "Farbigen" sind die Nachfahren von Europäern, Malaysiern, indonesischen Sklaven und den Ureinwohnern Südafrikas, die sich im Laufe der Jahrhunderte vermischt haben.

Desmond Tutu

Anglikanischer Erzbischof und Friedensnobelpreisträger. Als die südafrikanische Regierung während der Apartheid verordnet, dass schwarze Kinder eine schlechtere Ausbildung erhalten sollen als weiße, gibt Tutu seinen Beruf als Lehrer auf und wird Priester. Als Generalsekretär des Südafrikanischen Kirchenrats setzt sich Tutu später stark für die Rechte der Schwarzen ein. 1984 wird er dafür mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Tutu prägte den Begriff "Rainbow Nation", der auf die Zusammensetzung der Bevölkerung anspielen soll, in der seit dem Ende der Apartheid die verschiedenen Rassen friedlich zusammenleben. In dem Begriff steckt noch eine zweite Symbolik: In vielen afrikanischen Kulturen ist der Regenbogen das Zeichen der Hoffnung.

Game Reserve

Bezeichnung für Wildreservate, die überwiegend privat geführt werden. Teilweise liegen sie innerhalb der staatlichen Nationalparks oder grenzen an sie. In den privaten Gebieten sind Jagd und Safari-Tourismus erlaubt, vorrangig geht es aber um die Erhaltung des Ökosystems und des Lebensraums. Die Unterkünfte sind luxuriös, die Pirschfahrten so angelegt, dass man definitiv etwas vor die Kamera bekommt. Wer wenig Zeit für Tier- und Naturbeobachtungen hat, sollte einen Aufenthalt in einem Game Reserve einem staatlichen Nationalpark vorziehen.

Garden Route

Region an der Südküste. Ihren Name erhielt die Garden Route von den ersten Forschern und Siedlern: Die grüne, fruchtbare Gegend kommt ihnen wie der Garten Eden vor. Die klassische Garden Route erstreckt sich von Mossel Bay bis zur Paul Sauer Brücke und ist etwa 300 Kilometer lang. Häufig wird jedoch die gesamte 750 Kilometer lange Strecke von Kapstadt bis nach Port Elizabeth Garden Route genannt.

Homelands

Autonome Gebiete, die im Rahmen der Apartheid ab 1959 für die Schwarzen ausgewiesen wurden. Homelands liegen in nicht zusammenhängenden Arealen im Norden, Osten und Südosten des Landes. In jedem der zehn Reservate sollte eine andere Volksgruppe leben. Damit wollte das weiße Apartheidsregime verhindern, dass sich die Schwarzen zu einem Einheitsstaat zusammenschließen. Etwa 42 Prozent der schwarzen Bevölkerung erhält bis zum Ende der Apartheid die Staatsbürgerschaft der Homelands und damit die Südafrikas verloren. International erkennt während der Apartheid kein Staat die Homelands als selbständig an.

Kap der Guten Hoffnung

Südwestlichster Punkt Südafrikas. 1488 entdeckt von dem portugiesischen Seefahrer Bartolomeu Diaz, der dem Kap den Namen "Cabo das Tormentas" (Kap der Stürme) verpasst. Umgetauft wurde die 20 Kilometer ins Meer ragende Felsspitze angeblich von dem portugiesischen König Johann II. Der hoffte, dass seine Flotte bei der Reise den Seeweg nach Indien entdeckt hatte - womit er Recht behielt. Das Kap der Guten Hoffnung ist nicht zu verwechseln mit dem Kap Agulhas, dem südlichsten Punkt des Landes.

Karoo

zentrales Binnenhochland Südafrikas. Das 500.000 Quadratkilometer große Areal umfasst etwa ein Drittel der Fläche Südafrikas. Bedingt durch die Höhenlage bleiben die Temperaturen dort auch im Sommer erträglich. Der Name Karoo kommt von "kurú" aus der Sprache der San und bedeutet "trocken."

Mandela, Nelson

Prominentester Apartheid-Widerstandskämpfer. Aufgrund seines politischen Engagements jahrzehntelang auf der Gefangeneninsel Robben Island in Haft. Nach seiner Freilassung seit 1991 Präsident des ANC (African National Congress) und von 1994 bis 1999 der erste schwarze Staatspräsident von Südafrika.

Paul Kruger

Der Kruger-Nationalpark ist das größte Wildschutzgebiet Südafrikas. Es wurde am 26. März 1898 unter Präsident Paul Kruger (gesprochen Krüger) als Sabie Game Reserve gegründet. 1926 erhielt das Gebiet den Status Nationalpark und wurde in seinen heutigen Namen umbenannt.

Robben Island

Gefängnisinsel an der Atlantikküste, etwa zwölf Kilometer vor Kapstadt. Robben Island wurde im 16. Jahrhundert erbaut und galt wegen der gefährlichen Meeresströmungen als ausbruchssicher. Das Apartheids-Regimenutzt Robben Island ab 1960 als Gefängnis für politische Häftlinge. Der berühmteste von ihnen war Nelson Mandela, der 18 Jahre auf Robben Island inhaftiert war. Unter seiner Führung erreichen die Gefangenen mit ihren Protesten in den 1970er Jahren bessere Haftbedingungen. Seit 1999 ist Robben Island Welterbe der Unesco. Es werden Führungen über die Insel angeboten, die Guides sind ehemalige politische Gefangene und Wärter.

Townships

Wohnbezirke, in die die schwarze und farbige Bevölkerung während der Apartheid umgesiedelt wird. Mit Hilfe der Townships sollte die "ideale Apartheidsstadt" gegründet werden, in der alle Rassen getrennt voneinander leben. Der bekannteste Township Südafrikas ist Soweto(South Western Township). In diesem Stadtteil von Johannesburg sterben 1976 nach Unruhen 500 Menschen. Obwohl die Apartheid seit 15 Jahren offiziell beendet ist, ist die ständig wachsende Bevölkerung in den Townships eines der größten Probleme des Landes.

Vuvuzela

Trompete, die aus dem Horn der Antilope hergestellt wird. Mit der Vuvuzela werden in Südafrika traditionell Dorfbewohner zu Versammlungen gerufen. Mit Plastikimitaten der Vuvuzela sorgen Fußballfans in den Stadien für ohrenbetäubenden Lärm, weshalb bereits über ein Verbot der Vuvuzela bei der Fußball-WM 2010 nachgedacht wird. Kritiker der Vuvuzela geben außerdem zu bedenken, dass man die Plastiktröte auch als Wurfgeschoss missbrauchen könnte. Fifa-Präsident Sepp Blatter ist gegen ein Verbot. "Wir müssen den Afrikanern erlauben, ihre Kultur zu praktizieren, wie auch immer sie wollen", sagte er. Vuvuzela bedeutet in Zulu soviel wie "Krach machen."

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und Stephanie Souron