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Gerichtsurteil in Kanada: Völlig betrunken im Cockpit - Haftstrafe für Piloten

In Kanada ist ein Pilot, der betrunken zur Arbeit erschien, zu 219 Tagen Gefängnis verurteilt worden. Nachdem der Mann in die Kabine torkelte und bewusstlos im Cockpit zusammenbrach, alarmierte die restliche Crew die Polizei. 


Zu sehen ist ein Flugzeug von Sunwing Airlines im Flug.

Ein Pilot kam betrunken zur Arbeit und brachte seine Passagiere in Gefahr - jetzt kommt er in Kanada ins Gefängnis.

Weil er betrunken zum Dienst erschienen ist, ist der slovakische Pilot Miroslav Gronych in Kanada zu mehr als sieben Monaten Gefängnis verurteilt worden. Ein Gericht in der Provinz Alberta verhängte am Montag wegen Trunkenheit im Cockpit eine Haftstrafe von 219 Tagen, wie eine Gerichtssprecherin mitteilte. Nach seiner Entlassung darf der 37-Jährige zudem ein Jahr lang kein Flugzeug steuern. Er hatte sich im Prozess schuldig bekannt.

Der Pilot der kanadischen Fluggesellschaft Sunwing war am 31. Dezember kurz vor sieben Uhr morgens am Flughafen von Calgary betrunken im Cockpit einer Boeing 737 angetroffen worden. Im Prozess beschrieben Zeugen, wie Gronych beim Betreten des Flugzeugs lallte, hin- und her torkelte und Probleme damit hatte, seine Jacke aufzuhängen. All dies fiel der Besatzung auf, und der Kopilot schlug Gronych vor, das Flugzeug zu verlassen. Dieser begab sich allerdings ins Cockpit und verlor dort, auf dem Stuhl sitzend, das Bewusstsein. Die Crew informierte daraufhin die Behörden.

Haftstrafe steht bevor - und Ausweisung aus Kanada

Der Pilot wurde schließlich aus dem Flugzeug gebracht und in Polizeigewahrsam genommen. Nach Polizeiangaben lag sein Alkoholpegel auch zwei Stunden nach der Festnahme noch mehr als das dreifache über der erlaubten Promillegrenze von 0,8. In seinem Hotelzimmer fanden Beamte eine leere 750ml-Wodkaflasche. 

Im Prozess kam heraus, dass Gronych nun seinen Job verloren hat und nach dem Absitzen der Strafe Kanada verlassen muss – er lebte mit einem Arbeitsvisum im Land. Der Familienvater entschuldigte sich vor Gericht und sagte zu dem Vorfall: "Ich kann kaum beschreiben, wie sehr ich mich schäme." Die letzte Zeit und die große mediale Aufmerksamkeit für seinen Fall hätten auch seine beiden Kinder sehr belastet.

Es hagelt Kritik von der Staatsanwaltschaft

Die Maschine sollte ins mexikanische Cancún fliegen, an Bord befanden sich 99 Passagiere und fünf Besatzungsmitglieder. All diese Leben waren in große Gefahr gebracht worden, monierte die Staatsanwaltschaft. "Dont drink and fly! It’s pretty simple", sagte Staatsanwältin Rosalind Greenwood dazu, etwa: “Wer trinkt, fliegt nicht, und wer fliegt, trinkt nicht! So einfach ist das." Richterin Anne Brown betonte bei der Urteilsverkündung, dass Gronych wahrscheinlich nie wieder als Pilot arbeiten können werde. Dem Gericht ging es auch darum, eine klare Botschaft an alle kanadische Piloten zu senden.

Nach ähnlichen Vorfällen hatte Kanadas Verkehrsminister Marc Garneau die kanadischen Fluggesellschaften im Februar angewiesen, sicherzustellen, dass ihre Piloten komplett nüchtern sind.

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jse / AFP

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