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Kapstadt: Kulinarische Verführung am Kap

Vieles ist teurer geworden in den letzten Jahren. Für die Gastro-Szene rund um die Kap-Metropole gilt aber nach wie vor: Super-Küche für kleines Geld. Von Kapstadt über die Strände bis in die dahinter liegenden Weinberge kann man hervorragend schlemmen. stern.de-Autor Oliver Jacobi begab sich auf eine kulinarische Reise am Kap der guten Hoffnung.

Von Oliver Jacobi

In Südafrika macht es wirklich noch Spaß essen zu gehen. Besonders am Western Cape. Von einfacher Küche bis zum Gourmet-Tempel ist man immer positiv überrascht, wie genial das Preis-Leistungsverhältnis ist. Selbst in Häusern, wo man das garantiert nicht erwarten würde. Das traditionelle Mount Nelson zählt zu den besten Hotels der Welt. Es ist eines der Wahrzeichen von Kapstadt und bei Insidern bekannt für den besten Afternoon Tea außerhalb von London.

Am "heißesten Tisch der Kap-Metropole" kochen

So traditionell die Vorstellung des Grand Hotels, so modern und unkonventionell ist die Speisekarte. Küchenchef Stephen Templeton sieht sich selbst als einer der "Wilden" in der internationalen Spitzengastronomie. Er hat dem preisgekrönten First Class Restaurant "Cape Colony" seinen persönlichen Stempel aufgedrückt. Hier geht es weniger um das Drumherum, als vielmehr um gutes Essen. Vorzugsweise direkt am Kochtopf. Denn das lässt sich machen. Am "Chef's Table". "Der heißeste Tisch in der Kap-Metropole" wie er es nennt. Drei mal pro Woche haben Gäste die Möglichkeit, in der Küche des Restaurants zu speisen und dabei den Köchen direkt über die Schulter zu schauen. Die kreative Atmosphäre harter Arbeit macht ein Dinner so zu einen interaktiven Erlebnis. Templeton will eine "cooking demonstration, not technical food" vermitteln. Zeitweise vier Monate Wartezeit für einen Platz in der Küche sprechen eine deutliche Sprache. Der Küchenchef sieht einen klaren Trend zu "simple food". So steht auch ein Burger auf der Speisekarte. Er selbst empfiehlt seinen spektakulärer Caesars Salat. Leider ohne das Rezept des Dressing zu verraten. Natürlich können besonders verwöhnte Gaumen auch Strauß-Carpaccio oder Krokodil-Ragout bestellen. Templeton polarisiert. Nach eigener Aussage hat der Guide Michelin nichts mehr mit der Qualität des Essens zu tun. Aber genau darum geht es dem Chefkoch. Das scheint auch bei der jüngeren Prominenz anzukommen. Kate Moss, Michael Schuhmacher oder Colin Farell ließen sich im Cape Colony verwöhnen genauso wie Ethan Hawke und Donald Sutherland. Da der Burger übersichtliche 11 Euro kostet, können auch Normalsterbliche an einem Nachbartisch Platz nehmen. Ein Tipp für danach: Direkt nebenan einen Drink in der "Planet Bar" nehmen. Eine der angesagtesten Cocktail-Lounges in Kapstadt.

London, New York oder Sydney? Die Trendsetter kochen in Südafrika!

Wer die Vielfalt liebt, der fühlt sich am Western Cape kulinarisch bestens aufgehoben. Im Gegensatz zu Templeton versucht Bruce Robertson im Restaurant one.waterfront des noblen Hotel "Cape Grace" Trends ganz anderer Art zu setzen. Desserts werden in minimalistischen Marmeladengläsern serviert, ein Süppchen auch mal gerne im Reagenzglas. Sicher eine Frage des Geschmacks. Und über den lässt sich ja bekanntlich nicht streiten. Das gilt auch ganz allgemein für die Victoria & Albert Waterfront. Diese touristische Hochburg beherbergt neben dem "Cape Grace" schier unzählige Läden und Restaurants. Auch die typischen Touristenfallen. Wer es authentisch mag und zudem ein Genießer ist, wird sich hier eher weniger Wohlfühlen.Bei Insidern absolut angesagt sind die Lokale und Bars rund um die Waterkant Street. Den Tafelberg im Rücken fühlt man sich hier eher wie am "Brokeback Mountain". Wer in der Schwulenszene von Kapstadt etwas auf sich hält, trifft sich hier. Besonders schön wie prominent sitzen kann man im "Manhattan". Auch, wenn man hetero ist. Denn ausgesprochen attraktive Frauen gibt es hier genauso wie Männer, die das gleiche Geschlecht einfach kalt lässt. Etwas abseits im Black River Park North liegt das sehr "stylische" Bistro "Caspers" von Garth Stroebel. Er gilt als Vater der südafrikanischen modernen Küche. Als Mitbegründer der "South African Chef's Academy" gibt er seinen Erfahrungsschatz an die Jungen weiter. Hinter den Kulissen wächst an den Pfannen und Töpfen des "Caspers" eine neue Generation von Spitzenköchen heran. Mit leichter und gleichzeitig raffinierter Küche zu kleinen Preisen.

Wer beim Dinner auf einen spektakulären Sundowner mit Atlantikblick nicht verzichten möchte, sitzt im "Azure" des Hotel "Twelve Apostels" am Kult-Strand von Camps Bay goldrichtig. Der Name des Hauses hält, was er verspricht: Die dramatische Felsenformation der Twelve Apostel ragen hier steil in den Himmel, nur der weiße Strand und eine Straße trennen die Berge vom Meer. Dort kreiert Roberto de Cavalho seine Köstlichkeiten, die durch die Verarbeitung von Wildpflanzen einen ganz eigenen Charakter aufweisen. Gewürzt wird auch schon mal mit Dagga, einer dem Marihuana verwandten Kräuterart. Gesetzestreu und in leichten Dosen verabreicht!

Immer mehr farbige Köche erobern die Bastion der gehobenen Küche

Von Strand geht es direkt in die nahen Weinregionen der Kap-Metropole. In die Landschaft mit sanften Hügeln und grünen Reben sind wie aus Versehen typische Hollandhäuser gewürfelt worden. Inmitten dieser lieblichen Umgebung fallen die hohen Mauern mit den Elektro-Zäunen besonders krass auf. Düstere Gedanken an die Apartheid werden wach. Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass Gleichberechtigung zwischen schwarz und weiß in den kochenden Kreativschmieden verstärkt gelebte Realität ist. Reuben Riffle ist ein Paradebeispiel. Das unprätentiöse Crossover seines in den romantischen Weinbergen von Franschhoek gelegenen "Reuben's" hat Kultstatus. Auch von offizielle Seite wird seine Klasse geehrt: Reuben Riffle wurde 2005 als erster Schwarzer zum "South African Chef" gekürt.

So kann das "Reuben's" als schöne Alternative zum französisch angehauchten "La Colombe" von Meisterkoch Franck Dangereux im benachbarten Constancia empfohlen werden. Die Terrine von dunkler Schokolade im "La Colombe" ist legendär und in der Tat einzigartig. Das ist auch das 300 Jahre alte Weingut "Vergelegen" bei Somerset West. Es besticht nicht nur durch imposante niederländische Architektur aus den besten Tagen der Buren. In einer romantischen Parklandschaft gelegen, können Weinliebhaber eine Verkostung mit einem romantischen Lunch in verträumtem Ambiente krönen. Ganzjährig im renommierten "Lady Philipps Restaurant" oder während der Sommermonate im Rose Terrace Restaurant inmitten von unzähligen duftenden Rosen. Die preiswerteste Variante ist ein Picknick unter alten Campherbäumen. Gutes Essen und ein guter Tropfen liegen eben häufig nah beieinander. So emanzipieren sich die farbigen Kreativen nicht nur in der Küche.Mit Unterstützung des Programms "Black Empowerment" entstanden circa 20 eigentümergeführte Weinanbauunternehmen. Besonders gut etabliert haben sich die Winzer der Marke "New Beginnings". Sie waren die ersten farbigen Eigentümer eines Weinguts in Südafrika. Alan Nelson von Nelson's Creek war hier Pionier. Er schenkte seinen Arbeitern neun Hektar Anbaufläche. Die Geburtsstunde von "New Beginnings" Ein symptomatisches Stichwort für das ganze "Lekkerland". Kaum etwas entwickelt sich momentan so schnell wie die hervorragende Küche am Western Cape. Alles deutet darauf hin, dass die Kreationen am.

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