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Naked Cowboy vs. Naked Indian Kriegstrommelm am Times Square

Der Naked Cowboy ist eine Institution der Touristenbespaßung am New Yorker Times Square. Doch jetzt macht ihm ein Konkurrent das Geschäft streitig - ein nackter Indianer.
Von Matthias Ruch, New York

Der Kampf der Cowboys gegen die Indianer hat eine wenig rühmliche Tradition. Mit dem Bau der Eisenbahn gen Westen fing es an. Heute fahren die US-Cowboys im Pick-up über den Highway, die Indianer dürfen in ihren Reservaten Souvenirs aus Leder und Holz verkaufen, Kasinos betreiben und dem Alkoholismus verfallen.

In New York aber verkehren sich gerade die Vorzeichen in der Auseinandersetzung. Diesmal ist es ein Indianer, der in das Gebiet der Cowboys eindringt und ihnen ihre Jagdgründe streitig macht. Noch dazu ein nackter Indianer. Adam Davis heißt der weiße Fake-Krieger, der neuerdings auf dem Times Square in Manhattan unterwegs ist. In knappem Slip, Lederstiefeln, buntem Kopfschmuck und ausgestattet mit einer mächtigen Trommel wirbt er um die Sympathien und Geldspenden der Touristen.

Times Square als Spielplatz für Halbnackte

Gar nicht lustig findet das allerdings der alteingesessene nackte Cowboy, der dort in ähnlichem Outfit Gitarre spielt. Am Montag drohte er dem Rivalen mit Klage. Schon 13 Jahre beglückt Robert Burck als Unterhosenentertainer den Times Square mit seiner Musik und weibliche Fans mit seinem muskulösen Oberkörper, für 2 Dollar lässt er sich fotografieren. 13 Jahre, in denen er etwas erschaffen hat. Hart gearbeitet habe er, bis zu 14 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. "Ich spiele 365 Tage im Jahr", prahlt Burck. Der Indianer dagegen sei gerade mal seit 16 Tagen hier. "Und er hat schon zwei blau gemacht."

Dass sein Revier eigentlich genug Platz bietet für zwei halb nackte Karnevalisten, müsste der 41-Jährige vor Gericht wohl einräumen. Doch er will nicht teilen. Wer hier arbeitet, soll das bitteschön für ihn tun. Er hat dazu ja extra eine Firma gegründet.

Naked Cowboy Enterprises heißt das Unternehmen, das auch Cowgirls und andere Entertainer beschäftigt. Wer unter der Marke Naked Cowboy oder Naked Cowgirl auftreten will, muss monatlich 500 Dollar an Burck zahlen. Die Idee mit dem Naked Indian sei gar nicht übel, hat Burck immerhin eingeräumt und dem Rivalen einen Lizenzvertrag angeboten.

Außergerichtliche Einigung mit Mars-Produzenten

Doch Adam Davis will weiter auf eigene Rechnung trommeln. Der Cowboy und er hätten eine Absprache. Und schließlich wurde "dieses Land auf Handschlagabkommen und mündlichen Verträgen begründet". Der wirtschaftliche Erfolg von Burck dürfte ihn anspornen: Dessen Vermögen soll bei mehr als 2 Millionen Dollar liegen, seinen täglichen Verdienst gab er einmal mit bis zu 1000 Dollar an.

Alte Freunde werfen dem Cowboy längst vor, sein Durchbruch sei ihm zu Kopf gestiegen. Im Jahr 2008 verklagte er den Süßigkeitenkonzern Mars, weil der in einem Werbespot Schokolinsen im Outfit des Nackten hatte auftreten lassen. Man einigte sich außergerichtlich.

Gitarre statt Präsidentschaft

Seitdem hat Burck zahlreiche aussichtslose Kämpfe gefochten. Voller Zuversicht war er bei der Talentshow "American Idol" im US-Fernsehen aufgetreten - und in der ersten Runde gescheitert. 2009 hatte er sich um das Amt des Bürgermeisters von New York beworben, ohne Erfolg. Und auch sein größter Coup wollte nicht gelingen. Ende 2010 hatte er seine Präsidentschaftskandidatur für die erzkonservative Tea Party angekündigt. Doch Mitt Romney obsiegte. Und Burck muss weiter Gitarre spielen.

Als große Vorbilder hat er einmal die frühere First Lady Nancy Reagan und den Countrymusiker Garth Brooks genannt. Vielleicht sollte er in diesen Tagen lieber mal auf den alten Gus Backus hören. Denn der wusste schon vor 50 Jahren: "Wild ist der Westen, schwer ist der Beruf."

FTD

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