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Durban gastronomisch: Zwei Currys für den Doppel-Bill

Die ganze Welt des Geschmacks in einer Straße: Durbans Ess-Meile "Florida Road" vereint die Küchen der Kontinente. Hier schauen auch gerne mal Prominente wie Bill Clinton und Bill Gates vorbei.

Von Helge Bendl

Ganz oben, am Mitchell Park, wo sich sonntags indische Großfamilien zum Picknick treffen und hunderte von Kindern aller Hautfarben den Spielplatz überschwemmen, gibt es das beste Eis der Stadt. "Mozart", so heißt der Laden, war zwar den Erkenntnissen der Musikhistoriker nach alles andere als ein Italiener, aber angesichts des cremigen Mango-Joghurt-Eises in der lecker-knusprigen Waffel verzeiht man solche Kleinigkeiten. Nebenan im "grillroom café" warten Gourmets geduldig auf ein mit 41 Knoblauchzehen gespicktes (und dank der Kunst des Koches trotzdem nicht penetrant intensiv schmeckendes) Hühnchen, bevor sie mit einer Espresso-Crème-Brulée in den Abend starten. Je weiter man in Richtung Meer geht, Schritt für Schritt den Hügel hinab, desto mehr Restaurants drängeln sich rechts und links der Straße. Florida Road ist Durbans Ess-Meile und der Beweis, dass die Stadt ganz anders sein kann als der schlechte Ruf, der ihr nachhängt. Chic. Trendy. Und vor allem sicher.

Auf einem Kilometer Länge wurden 27 denkmalgeschützte Gebäude herausgeputzt - heute begehrter Wohnraum und Ladenfläche für Boutiquen, Kunsthandel, Piercing-Studios und vor allem Restaurants. Fisch frisch aus dem Meer und perfekt zubereitete Steaks kann man hier essen, im "Tribeca", dem "Reform Club", "Bean Bag Bohemia" oder "Society" ein paar Snacks essen und Cocktails trinken. Nachts, um sich für den Heimweg zu stärken, steht Durbans eigenartige Spezialität auf dem Speiseplan: Das leckere "bunny chow" ist ein halbiertes Brot, das mit Curry gefüllt wird. Angeblich gibt es keine wirksamere Medizin gegen einen Kater.

250 Kilo Calamari

Eigentlich müsste man die Florida Road also gar nicht verlassen, auch wenn einem der Sinn nach Abwechslung steht. Einen guten Grund gibt es indes, und er lässt sich ideal mit einem Ausflug in die Drakensberge verbinden: In Durbans Vorort Hillcrest führt der erst 28-jährige Chris Black das Restaurant "Aubergine". Wie seine berühmten Namensvetter in den großen Metropolen der Welt ist das Essen hier exquisit - und (anders als in den großen Metropolen der Welt) trotzdem nicht teuer. "Die auf Holzkohle gegrillten Calamari mit süßsaurer Soße, Paprika und gerösteten Erdnüssen sind so populär, dass wir jeden Monat 250 Kilo davon bestellen. Trotzdem kostet die Portion weniger als fünf Euro", sagt Black, der heute nicht mehr selbst in der Küche steht, sondern damit beschäftigt ist, ein zweites Restaurant in Johannesburg zu eröffnen.

Tomaten aus Italien

Wobei man auch von einem Bistro sprechen könnte - viele Gäste kommen mittags für ein leichtes Lunch-Menu. "Ich versuche, so viele Produkte wie möglich lokal einzukaufen - so kann ich die Hersteller besser auf Qualität einschwören", sagt Black. Zehn offene Weine und mehr als 250 Flaschenweine hat er stets im Programm, viele von Boutique-Weingütern Südafrikas. Der Patriotismus hat aber bei den Tomaten ein Ende: "Die kommen in der Dose aus Italien - hier gibt es einfach keine richtig guten."

Woher die Tomaten im Florida-Road-Restaurant "Spica d'Ora" kommen, ist nicht bekannt - es ist zu ziemlich jeder Tages- und Nachtzeit aber so gut gefüllt, dass es nicht nur an der Pasta liegen kann. Eine eingeschworene Fangemeinde aus jungen und junggebliebenen Durbanites hat hier ihren Stammtisch. Nebenan führt eine Passage in den Hinterhof, eine Treppe führt in den ersten Stock. Wer die Tür des Restaurants "Spice" öffnet, glaubt sich im Wohnzimmer einer Kunsthändlerin wieder zu finden (und tatsächlich sind alle Bilder an den Wänden zu kaufen). "Spice" ist inzwischen das bekannteste Restaurant auf der Florida Road - was an der umtriebigen Besitzerin und Köchin Linda Burger, vor allem aber an den beiden Berühmtheiten liegt, die hier jüngst zu Gast waren - Bill Clinton und Bill Gates.

Der Konkurrenz einen Schritt voraus

"Auch wenn das Restaurant den Namen "Spice" trägt, gibt es bei uns mehr als scharfe Currys", sagt Linda Burger, verteilt das Menu und springt schon wieder zurück in die Küche. Wenn das Konzept von Fusion-Food immer so gut funktionieren würde wie hier, dann wären auch alle Mitbewerber so erfolgreich wie sie. Aber das "Spice" ist der Konkurrenz immer einen Schritt voraus - wenn es um die große Auswahl an Salattellern geht, wenn das Springbok-Carpaccio mit exotischen Gewürzen aromatisiert ist und wenn für die Desserts richtig noch einmal mit frischen Minz-Sorbets gezaubert wird.

"Es war eine gute Wahl"

Bill Clinton jedoch, der sich breit grinsend mit der Küchencrew des Spice fotografieren ließ, wollte bei seinem privaten Abendessen mit Bill Gates keine Experimente wagen. Er bestellte Hühnchen-Curry; Bill Nummer Zwei probierte das Lamm-Curry. "Man muss auch scheinbar einfache Dinge wirklich gut machen", sagt die indisch-stämmige Linda Burger lächelnd. "Es war eine gute Wahl. Denn was immer sonst noch auf dem Menu steht - für die Currys gebe ich mir natürlich immer besondere Mühe."

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