Singapurs Inseln Nur einen Steinwurf entfernt


Wer der Hektik der Millionenstadt entfliehen möchte, kann sich auf eine der 59 vorgelagerten Inseln wagen. Orte, an denen sich auch die disziplinierten Singapurer mal gehen lassen.
Von Andreas Srenk

Jeder Bewohner einer hektischen Millionenmetropole braucht seine Auszeit, seine Verschnaufpause vom Stress des Alltags. Den gemeinen New Yorker zieht es in die grüne Lunge des Central Parks, der Berliner vergnügt sich im Tiergarten und der Londoner sucht den Hyde Park auf, auch, wenn im dortigen "Speaker's Corner" immer mal wieder ein verwirrter Redner lautstark die Welt erklärt. Wer im geschäftigen Stadtstaat Singapur für einen Moment die Seele baumeln lassen möchte, verzieht sich auf eine der 59 vorgelagerten Inseln, die vor der Südspitze der Malacca-Halbinsel ins Meer gewürfelt wurden.

Populär und am bekanntesten ist Sentosa Island, eine kuriose Mischung aus Disneyland und perfekt gepflegtem Naturpark, was im Stadtstaat Singapur, in dem man Kaugummi-Kauer nicht so gerne sieht, nicht wirklich verwundert.

Einschweben statt übersetzen

Die Insel ist zwar auch über eine Brücke erreichbar, doch sich dem Ziel über Brücken zu nähern, ist nicht grundsätzlich die beste Lösung. In diesem Fall startet die spektakulärste Anreise am Harbour Front Center (dem ehemaligen World Trade Center) in der City: Mit einer Seilbahn schwebt man knapp 90 Meter übers Wasser.

Vor allem zwei Dinge, die typisch für die Stadt sind, fallen sofort ins Auge: Die imposante Skyline und der riesige Containerhafen, der zu den größten der Welt zählt. Auf Sentosa Island kann man mit einer Schienenbahn die Gegend erkunden, wobei die Strecke teilweise durch den Dschungel führt. Außerdem klappert eine kleine Bahn die Strände ab, von denen der palmengesäumte längste mehr als drei Kilometer misst. Die laden zwar zum Sonnen ein, doch ins Wasser sollte man aufgrund einer gewissen Verschmutzung nicht überall gehen. Lohnenswert ist der Besuch des Insel-Aquariums, das man durch einen Glastunnel betritt. Hier wartet die exotische Unterwasserwelt Asiens mit ihren Kuriositäten aus Farben und Formen. Eine echte Erholung fürs stressgeplagte Auge bieten auch die Nature Walks: Trampelpfade durch den Urwald, der nicht nur die meisten Zivilisationslaute schluckt, sondern auch den Blick freigibt auf das ein oder andere Wildtier.

Schildkröte als Lebenretterin

Die Kusu-Insel wiederum erlaubt dem westlichen Besucher lehrreiche Einblicke in zwei der Religionen, die in dieser Weltgegend eine prägende Rolle spielen: mit dem Keramat -Schrein in den Islam und in den chinesischen Tua-Pekong-Tempel. Und wie so oft in Asien rankt sich eine Legende um die Entstehung der Insel: Eine riesige Meeresschildkröte soll sich einst in das Eiland verwandelt haben, um zwei Seeleute zu retten - einen Chinesen und einen Malaien. Aus Dankbarkeit bauten die zwei - richtig: zwei Tempel. Und natürlich ein Schildkröten-Denkmal! Am Strand stehen oder einen Hügel erklimmen bedeutet gleichermaßen außergewöhnliche Aussichten auf das Häusermeer des Stadtstaates. Die Insel erreicht man vom Harbour Front Center mit der Fähre in knapp 30 Minuten.

St. John's Island ist ein von Hügeln durchzogenes, baumbestandenes Eiland, das mit einigen pittoresken Strände lockt. Und unzählige Wanderwege durchziehen das Eiland, auf denen man oft allein unterwegs ist. Auch hierhin startet man am Harbour Front Centre, benötigt aber eine gute Stunde an Fahrzeit.

Die Sisters Inseln, Pulau Sekeng und Pulau Hantou eignen sich hervorragend für alle Arten von Wassersport. Hier treffen sich vor allem Taucher, Schnorchler, Angler und Schwimmer. Da die Infrastruktur zu wünschen übrig lässt, gibt es aber keine Fährverbindung. Wer also etwas abenteuerlustig ist, muss ein Boot mieten. Außerdem sollten nur erfahrene Wassersportler dort ins Meer gehen, da die Strömung stark ist.

Wassersport auf der Sträflingskolonie

Pulau Ubin, die ehemalige Sträflingskolonie, ist eine naturbelassene tropisch-grüne Insel vor der Nordostküste Singapurs. Sie hat die Form eines Boomerangs und ist ökologisch besonders geschützt. Wer hier ankommt, taucht ein in das alte Singapur der Gummi- und Kokosplantagen, der Garnelenzüchter und Mangrovensümpfe. Ein besonderer Tipp ist der Besuch des an der Ostspitze gelegenen Naturstrandes Chek Jawa. Bei Ebbe führt einen der Guide dort im Schlamm oder in Wasserpfützen zu Krabben, seltenen Pflanzen und Korallen.

Da vergisst selbst der einheimische Führer bald die höfliche Zurückhaltung. Und macht kichernd mit, wenn der westliche Besucher voll Begeisterung mit dem Gummistiefel in die schlammige Pfütze tritt, dass der Schmodder nur so spritzt. Und das nur einen Steinwurf entfernt von der als klinisch rein und extrem diszipliniert geltenden Millionenmetropole.


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