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USA: Update New York

Lange nicht mehr drüben gewesen? Dann wird's Zeit! Der Dollar steht gut, und im Big Apple gibt es viel Neues zu entdecken. Die besten Tipps zum Shoppen, Essen und Schlafen.

Von Ulrike von Bülow

Er sagt Sätze, die Frauen von Männern eher selten zu hören bekommen, und wenn, dann im Traum. "Was immer du willst: Ich bin nur für dich da", sagt Derek. "Was immer du für Fragen hast: Ich werde sie beantworten."

Derek, 23, Schiebermütze auf dem Kopf, Bärtchen am Kinn, steht im neuen Apple Store, 401 West 14. Straße, Manhattan, und kümmert sich um eine junge Dame aus Hamburg, Germany, die heute um elf Uhr einen Termin hat zum "Personal Shopping". Das ist das Neueste und vielleicht Beste, was Apple zu bieten hat: Eine Stunde mit einem persönlichen Verkäufer wie Derek, der seine Kundin behandelt, als wäre sie die Queen of New York, und andere Leute in dieser Stunde freundlich abweist: "Es tut mir leid, aber ich habe jetzt leider keine Zeit für Sie."

Personal Shopping macht Sinn, wenn man ein paar Fragen hat, die in Ruhe beantwortet werden sollen, denn bei Apple geht es ansonsten so entspannt zu wie in einem überbuchten ICE. Drei Läden gibt es inzwischen in Manhattan, einen oben an der Fifth Avenue, einen unten in SoHo und diesen hier im Meatpacking District, und diese drei Läden sind derzeit New Yorks Attraktion Nummer eins: Deutsche, Franzosen, Dänen, Holländer, alle erfreuen sich hier am günstigen Dollarkurs, was zu langen Schlangen und ewigen Wartezeiten führt.

Tolle Aussichten

Doch wer einen Derek hat, der muss nicht anstehen, denn Derek hat die Kasse in der Hosentasche: ein kleines Gerät, durch das er Kreditkarten zieht und mit dem er die Rechnung per E-Mail verschickt. Die Kundin aus Germany spielt ein bisschen auf einem iPhone herum und schaut nach, wie das Wetter in der Heimat ist: Auf dem Display erscheinen Wolken, "Hamburg 7 Grad" steht da. Derek weist sie darauf hin, dass das schicke Telefon seine Garantie verliert, wenn sie es kauft und nicht mit dem hier üblichen AT&T-Vertrag koppelt, sondern mit ihrem deutschen. Aber es kostet hier 399 Dollar und nicht 399 Euro wie zu Hause, und 399 Dollar sind derzeit nicht einmal 260 Euro, also sagt sie sich: Garantien gibt es eh keine im Leben - her damit!

Shopping ist ein großer Spaß im Big Apple, aber was gibt es sonst zu tun in New York City? Was hat sich getan, was sollte man sehen, wenn man länger nicht hier war? Wer die Stadt von oben betrachten möchte, lässt sich am besten im Rockefeller Center von einem rasend schnellen Glasaufzug in rund 260 Meter Höhe katapultieren, auf das "Top Of The Rock", die wiedereröffnete Aussichtsplattform, von der man einen besseren Blick hat als vom Empire State Building, denn von hier blickt man auf das Empire State Building. Und es gibt keinen Zaun, der die Sicht beeinträchtigt.

Schaut man in die andere Richtung, nach Norden, sieht man am Columbus Circle prächtige Zwillingstürme: Das Time Warner Center, und dort ist nun "Jazz at Lincoln Center" zu Hause; der Name ist ein wenig verwirrend, Jazz at Lincoln Center at Time Warner Center, darum merkt man sich am besten: Allen Room. Der befindet sich im fünften Stock, und man muss kein ausgewiesener Jazzfan sein, um die Konzerte im Allen Room zu mögen: Es passen gut 400 Zuschauer hinein, die Sitzreihen gehen steil nach oben, wie in einem Amphitheater, sodass jeder auf den Columbus Circle heruntergucken kann und auf den südlichen Central Park und die 59. Straße, die am Park entlangführt, denn die Bands spielen vor einer Glasfront.

New Museum Of Contemporary Art

Was die Aussenarchitektur angeht, steht das derzeit wohl interessanteste Gebäude Manhattans ein bisschen weiter unten auf der Lower East Side: The New Museum Of Contemporary Art. Das gibt es schon seit 30 Jahren, aber es war in einem unauffälligen Loftgebäude in SoHo zu Hause, bevor es im Dezember 2007 auf die Bowery zog: in einen Bau, der 64 Millionen Dollar gekostet hat und an sich schon Kunst ist.

Auf der Eingangsetage mit seiner Glasfassade stapeln sich sechs verschieden breite Stockwerke, die aussehen wie gigantische Alu-Schuhkartons, die jemand achtlos aufeinandergetürmt hat. Als das japanische Architektenteam Sanaa das Gebäude entwarf, stellte es sich eine Reihe von Galerien vor, die nicht nebeneinander stehen sollten. Die Fassade aus schimmernden Metallmaschen bildet einen hübschen Kontrast zu den baufälligen Häusern drum herum, in denen es Läden gibt, die hier seit Jahrzehnten Restaurantzubehör verkaufen.

Früher war die Gegend keine, in der man gern unterwegs war - zu gefährlich. "Die Leute hatten Angst, hierherzukommen", sagt Tony Amato, der seit 1964 eine winzige Oper auf der Bowery betreibt. "Vor unserer Tür schliefen Obdachlose, wir mussten jeden Tag den Gehweg sauber machen." Aber dann kam Bürgermeister Rudy Giuliani, der durch die Stadt fegte und aufräumte, und heute "ist es anders. Heute ist es großartig, hier zu sein", sagt Amato.

Die Lower East Side

Die Strassen auf der Lower East Side sind enger und meist etwas ranzig, aber das macht sie aus, denn hier bekommt man noch ein Gefühl, wie New York früher einmal war. Das Leben geht ein bisschen langsamer voran, die Menschen sind nicht pausenlos mit ihren Blackberrys zugange, und wenn man die Orchard Street oder die Rivington Street entlangspaziert, entdeckt man Läden wie The Dressing Room, in dem die Damen Kleidchen anprobieren, während die Herren an einer Bar "The Waiting Boyfriend" trinken können, einen Cocktail. Und ständig eröffnen hier neue, irre gemütliche Restaurants wie das Café Katja, das etwa so groß ist wie ein U-Bahn- Waggon und sieben Tische hat, die kaum breiter sind als ein Monopoly-Brett.

Die Lower East Side ist eine der letzten Ecken in New York, die noch nicht total "gentrified" ist, wie Sean MacPherson sagt, was hier bedeutet: noch nicht komplett H&M-isiert. MacPherson kreierte mit seinem Partner Eric Goode einst Nachtclubs, heute bauen die Herren Hotels. 2007 eröffneten sie hier das Bowery Hotel, das mit seinem braunen Backstein an die New Yorker Vorkriegsgebäude erinnert. Im Bowery Hotel gibt es viel dunkles Holz und Hirschgeweihe an der Wand, und man soll sich wie zu Hause fühlen. "Mir ist Gemütlichkeit lieber als hypermodernes Design", sagt MacPherson.

Es ist auf der Lower East Side wie überall in New York: Die Immobilienpreise steigen, wer hier vor 50 Jahren ein Häuschen für 28 000 Dollar gekauft hat, der bekommt heute zwei Millionen dafür, und dann wird es abgerissen und durch einen alles überragenden Hochglanzbau ersetzt. Mit American Apparel hat sich die erste große Modekette auf der East Houston Street breitgemacht, und bald wird es auch hier vorbei sein mit der Retro-Kuscheligkeit.

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