Virunga Vulkane Gorillas im Nebel


Der Silberrücken zeigt sich unbeeindruckt. Wir dagegen sind umso sprachloser, diesem majestätischen Tier in freier Wildbahn zu begegnen. Nicht erst jetzt hat sich der Ausflug zum Bwindi Impenetrable Forest gelohnt.

Die Sonne geht erst um sieben Uhr auf. Auf der kleinen Terrasse steht heißes Wasser für Tee. Dringend nötig, denn in 2400 Meter Höhe wird es auch in Äquatornähe nachts sehr kalt. Auch eine heiße Dusche, die wir am Vorabend angemeldet haben, wartet auf uns: Ein Eimer mit Duschkopf, der zwei Meter über dem Boden schwebt und für ein paar Minuten wunderbares, warmes Wasser verteilt.

Wir wollen zu den Gorillas, aber Besuche bei diesen wunderbaren Geschöpfen sind nicht ganz so einfach. Jede Gruppe Gorillas darf nur von maximal acht Besuchern für maximal eine Stunde pro Tag besucht werden. Und da wir genau acht in unserem Team sind und diese Permits oft langfristig ausverkauft sind, haben wir nur in dem zweieinhalb Stunden mit dem Landrover entfernt liegenden Bwindi Impenetrable Forest Park für alle von uns Genehmigungen bekommen. Doch wir werden sehr für das frühe Aufstehen entschädigt.

Auf der Suche nach dem silbernen Primaten

Die Fahrt führt uns vorbei an wolkenbehangenen Tälern und malerischen Bergdörfern. Gerade noch rechtzeitig kommen wir um kurz nach halb neun am Parkeingang an. Unser Park Ranger begrüßt uns und erklärt die Grundregeln. Wir werden zu den Berggorillas wandern. Wie weit und wie lange entscheidet sich erst, wenn die Tracker (Fährtensucher) die Gorillas gefunden haben. Gestern hat es anderthalb Stunden gedauert, vorgestern sechs Stunden. One Way!

Und wie der Name schon sagt leben Berggorillas in Bergen. Also wird es eine harte Wanderung. Doch geschickterweise halten sich die Gorillas, wie nach einer halben Stunde Wanderung per Funk durchkommt, weiter unten in einem Tal auf. Daher gehts es nun fast nur noch bergab. Doch mit jedem Schritt, den ich mache, überlege ich ob ich genug Kraft habe, den Berg wieder hoch zu kommen. Aber bergab fällt es schwer aufzugeben, also wandern wir weiter. Nach zwei Stunden kommen wir in die Nähe der Gorillas und die Tracker kommen uns entgegen. Ein kurzes Briefing und unsere Gorilla-Stunde beginnt mit der Begegnung mit einem jungen und sehr attraktiven Männchen, das sich gemütlich im Gras räkelt und uns neugierig beobachtet. Die Gorillas scheinen wenig von unserer Anwesenheit beeindruckt zu sein. Sie sind natürlich an ihre täglichen Besucher gewöhnt und das bedeutet, dass wir relativ ungestört unsere Kameras klicken lassen können.

Atemloser Sprachverlust

Ein wahnsinniges Erlebnis! Ich war mehrfach bei den Schimpansen und auch bei den Orang Utans, aber die Gorillas sind doch noch eine andere Klasse. Ein ausgewachsener Gorilla sei zehn Mal so stark wie ein amerikanischer Fußballspieler, heißt es in einem Buch, das Sabine mitgebracht hat. Ein Silverback, also der Anführer, kann bis zu 170 Kilogramm schwer werden. Unsere Stunde verfliegt im Nu.

Wahnsinn, wir sind alle wie betäubt. Nach einer kurzen Lunchpause geht es nun wieder zurück. Nur diesmal bergauf. Und ich bin froh, dass es zunächst bergab ging. Sonst hätte ich möglicherweise aufgegeben... Es ist unglaublich anstrengend. Gegen drei Uhr nachmittags sind wir wieder am Ausgangspunkt, immer noch "schwindelig" von unserem Erlebnis. Es war jeden Schritt wert. Erschöpft fallen wir abends ins Bett. An nächsten Tag geht es wieder zurück nach Kenia in die Masai Mara. Und zurück in die Wärme. Und der Flug dorthin bietet wieder zahlreiche Motive...

Michael Poliza

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