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Weinguide: Eine Tour durch Südafrikas Weingeschichte

Wein trinkt man am Kap schon lange - in Europa wurde das lange ignoriert. Reisende sind deshalb oft überrascht von der vielfältigen Auswahl einheimischer Weine. stern.de stellt Anbaugebiete und Rebsorten vor.

Von Helge Bendl

Es ist ein ziemlich gutes Argument. Mit Wein könne man Skorbut heilen, verkünden die ersten Siedler. Ob sie den Rebensaft wirklich nur als Medizin an die Segler weiter geben wollen, die auf dem Weg von Europa nach Asien am Südzipfel Afrikas Station machen?

Fest steht: 1652 gründet Jan van Riebeeck von der Holländischen Ostindien-Gesellschaft einen Stützpunkt am Kap der guten Hoffnung und wird ihr erster Gouverneur. Er ist es auch, der die ersten Setzlinge aus Frankreich bestellt. Sieben Jahre später wird der erste Wein gekeltert. Über die Qualität ist nichts überliefert. Doch da weder der Gouverneur noch die ersten Siedler viel über den Weinanbau wissen, wird der Wein nicht allzu berauschend geschmeckt haben.

Kein Wein vom Feind

Später kommen die Hugenotten als Glaubensflüchtlinge aus Frankreich - noch heute erinnert unweit von Kapstadt das Städtchen Franschhoek an sie. Ihr Know-how bringt den Weinanbau schnell nach vorne. Den ersten Boom erleben die Weine aus dem Süden, als die Engländer im 18. Jahrhundert Krieg gegen die Franzosen führen - selbstverständlich gießen die Gentlemen deshalb keinen vom Feind produzierten Wein in ihre Karaffen und bestellen Wein aus Afrika. Später gibt es die häufig recht süßen Weine in den wichtigsten Herrscherhäusern Europas.

Doch dann krabbelt die Reblaus ins Land, und als man die Tierchen endlich unter Kontrolle hat, kommen schon die nächsten Übel, die mindestens genauso schwierig zu bekämpfen sind: Überproduktion und Exportschwierigkeiten. Dass man Südafrika im Rest der Welt nicht sehr mag, weil dort die Schwarzen unterdrückt werden, hilft dem Wein auch nicht wirklich.

Mit dem Ende der Apartheid erlebt südafrikanischer Wein eine Renaissance. Und der Besuch der Weingüter ist inzwischen Bestandteil fast jedes Reiseprogramms - ganze zwölf Weinstraßen sind ausgeschildert.

Roten holen auf im Weißweinland

Auch wenn die Roten aufholen, bleibt Südafrika immer noch ein Weißweinland. Die hier vor vielen Jahren gezüchtete Sorte Chenin Blanc wird am häufigsten angebaut, doch die Rivalen Cape Riesling, Sauvignon Blanc und Chardonnay holen auf. Bei den Rotweinen sind Cinsaut, Pinotage, Pinot Noir, Shiraz und Cabernet Sauvignon die Favoriten der Weinbauern. Sie experimentieren auch mit Portweinen und Bränden, um ihr Portfolio zu erweitern.

Mit mehr als 60 Gütern ist Stellenbosch, nur eine knappe halbe Stunde entfernt von Kapstadt, die Weinhauptstadt des Landes. Hier entstand vor 35 Jahren auch die erste Weinstraße. Einige Kilometer weiter liegt im Schatten der Drakensberge Franschhoek.

Echte Franzosen wohnen hier zwar keine mehr, in Erinnerung an die einst hier siedelnden Hugenotten tragen aber viele Restaurants, Hotels und auch Weingüter Namen aus der Grande Nation. Komplett macht das Wein-Dreieck Südafrikas die Stadt Paarl, in deren Umgebung 40 Weinkeller ihre Türen für Touristen öffnen.

Die süßen Weine aus der Region Constantia waren einst die beliebtesten im fernen Europa - heute wird der Rebensaft in den drei Gütern der Region aber auch trocken ausgebaut. Kaum bekannt sind die Weinregionen um Worcester und Tulbagh. Wellington und Sommerset West sind weitere kleinere Regionen, deren Winzer oft erstaunliche Qualität liefern.

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