Winelands Spritztouren im Cabrio


Mit dem eigenen Auto zur Weinprobe? Südafrikas Polizei versteht da keinen Spaß. Sicherer - und vor allem viel schöner - ist man im Oldtimer unterwegs. Der deutsche Auswanderer Fred Uhlendorff bittet im Mercedes zur Spazierfahrt.
Von Helge Bendl

Sonor brummt der Motor, der Fahrtwind streichelt das Gesicht. Es ist Sonntagvormittag, im Radio tönt ein Gospelchor, und am Straßenrand ziehen die Reben vorbei, die jetzt gerade ihre ersten Blätter austreiben - im September wird es Frühling in Südafrika.

Jede Kuppe bietet die Chance auf eine neue spektakuläre Aussicht auf die Winelands vor den Toren Kapstadts. Man ist in diesem Moment aber selbst eine Sehenswürdigkeit für Passanten und andere Fahrzeuge, oder genauer gesagt das Auto, mit dem man unterwegs ist: ein fast 50 Jahre altes Mercedes-Cabriolet. Während man von Winzer zu Winzer fährt, wölbt sich über einem kein stählernes Dach, sondern der blaue Himmel mit ein paar vereinzelten Schönwetterwolken.

Ein paar ganz besondere Fahrzeuge

Wer ist dieser Mann, der einem dieses Hochgefühl schenkt? "Als ich 43 Jahre alt war, habe ich aufgehört, für Geld zu arbeiten", sagt Fred Uhlendorff mit einem feinen Lächeln. Vorher hat der heute 62-Jährige Unternehmen beraten, die in Afrika investieren wollten, und vor allem Software für Banken entwickelt - ein offensichtlich lukratives Geschäft. Sieben Jahre lang segelte er dann um die Welt, um sich schließlich mit Anfang 50 eine neue Heimat und eine neue Aufgabe zu suchen - in Südafrika.

Hier kaufte er eine heruntergekommene Farm inmitten der Winelands von Paarl, die heute auf 21 Hektar Rebfläche wieder 150.000 Liter Weißwein produziert. Das Farmhaus war verfallen, hatte nicht einmal mehr ein Dach. Uhlendorff restaurierte es - heute kann man als Tourist stilvoll darin wohnen. Die Zimmer sind voll gestellt mit Antiquitäten, selbst die altertümliche Badewanne ist ein Original (mit der Konsequenz, dass man beim Aufdrehen der Hähne immer zwischen der Hitze der Sahara und der Kälte des Südpols jongliert).

"Ich wollte nicht noch ein Hotel bauen", sagt der umtriebige Mann, "eher ein Landhaus, in dem man zur Ruhe kommt." Seine Besucher bleiben auch wegen der vielen Golfplätze in der Umgebung und wegen des guten Essens. Und außerdem spricht sich langsam herum, dass Uhlendorf ein paar ganz besondere Fahrzeuge in der Garage stehen hat.

Museumsfahrzeuge als Transportmittel

Da ist das Mercedes-Benz Cabrio 220 S von 1957, mit dem er jedem modernen Flitzer sofort die Schau stiehlt. Da ist das passende Coupé aus dem gleichen Jahr, daneben wartet verstaubt ein pechschwarzer Pickup aus dem Jahr 1955, von dem es heute, sagt Uhlendorff, weniger als 20 Exemplare geben soll. Eine Sonderausführung des "Adenauer" steht hier, in silberblau, die einst den Präsidenten von Venezuela transportierte.

Zwei andere Wagen aus der Mercedes-Kollektion sind gerade wieder mal in der Werkstatt in Kapstadt: ein 300 SL Roadster von 1957 und eine Limousine 220 SE von 1958. Sie alle sind aber keine Museumsfahrzeuge: Uhlendorff benützt sie ganz normal als Transportmittel.

Mit Baseballkappe hinterm Steuer

"So ein Wagen ist doch viel zu schade, um ihn nur anzusehen und vielleicht einmal vorsichtig mit Handschuhen anzufassen", sagt der deutsche Auswanderer über sein Mercedes-Cabrio. Mit Baseballkappe und Fleecejacke sitzt er hinterm Steuer und ist zu einer kleinen privaten Tour in die Umgebung aufgebrochen.

Auf der einen Farm kauft er ein paar Flaschen Olivenöl, ein paar Kilometer weiter in einem Keller, in dem Vorhänge aus Spinnweben das Licht filtern, eine Flasche Portwein. Zum Mittagessen geht es ins Univiertel von Stellenbosch in ein Straßencafé, wo sich sofort ein paar Bewunderer einfinden.

"Es macht einfach Spaß, die alten Wagen zu fahren - besonders hier, in dieser Umgebung, mit der herrlichen Landschaft und den vielen herausgeputzten Farmen", sagt Uhlendorff. Von dieser Leidenschaft profitieren auch seine Kunden, denn Gäste dürfen die Winelands in einem seiner Mercedes-Oldtimer entdecken. Die sind für Uhlendorf nicht nur Autos - sondern Familienmitglieder, die nur zufällig in der Garage stehen.


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