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Follow me: Verschollen und spät gefunden: mysteriöse Flugzeugkatastrophen

Was passierte mit Flug MH370? Häufig vergehen zwischen dem Zeitpunkt des Verschwindens und dem Auffinden erster Wrackteile mehrere Wochen. Andere Unglücke können erst nach Jahren aufgeklärt werden.

Das Schicksal der verschollenen Triple Seven von Malaysia Airlines bewegt uns. Wie kann es sein, dass ein so großes Flugzeug plötzlich von den Radarschirmen verschwindet und nicht mehr aufzufinden ist? Je länger die Spurensuche nach den Trümmern von MH370 dauert, desto mehr Verschwörungstheorien kursieren im Internet.

Zu den Spekulationen gehört auch die Theorie einer möglichen Cyber-Entführung, wie eine britische Geheimdienst-Expertin skizzierte. Doch für den Luftfahrt-Experten Heinrich Großbongardt gehört dieses abstruse Szenario ins "Reich der Legende". Interessanter dagegen ist ein Blick auf Unglücke der zivilen Luftfahrt, bei denen Flugzeuge zunächst spurlos verschwanden und erst nach Wochen gefunden wurden. Es gibt sogarFälle, die erst nach Jahren aufgeklärt werden - eine Übersicht der mysteriösen Flugzeugunglücke.

Air-France-Flug 447

Zu den jüngsten Tragödien mit 228 Opfern gehört der Absturz einer Air-France-Maschine vor knapp fünf Jahren. Auf dem Weg von Rio des Janeiro nach Paris durchflog der Airbus A330 eine tropische Gewitterfront und stürzte in den Atlantik. Drei Tage später wurden erste Wrackteile des Fluges AF447 gesichtet. Nach fünf Suchphasen mit Schiffen und U-Booten konnte knapp zwei Jahre später der Flugschreiber geortet und aus 4000 Metern Meerestiefe geborgen werden. Erst das Auslesen der Daten brachte Licht ins Dunkel: Der Abschlussbericht aus dem Jahre 2012 kam zu dem Schluss, dass durch das Zusammenwirken von technischem Versagen und einem Fehlverhalten der Piloten die Maschine abstürzte.

Copyright: DPA

Adam-Air-Flug 574

Am 1. Januar 2007 verschwand eine Boeing 737-400 der indonesischen Adam Air mit 102 Menschen an Bord bei einem Inlandsflug von den Radarschirmen. Erst wurde spekuliert, dass die Maschine in der Luft explodiert sei. Später waren angeblich Wrackteile und Überlebende auf Sulawesi gefunden worden. Alles Fehlanzeige. Erst nach zehn Tagen wurde das Leitwerk der Maschine im Meer gefunden, und nach drei Wochen die Flugschreiber lokalisiert. Wegen Unklarheiten bei der Finanzierung vergingen bis zur Bergung der Black Box acht Monate.

Die Auswertung ergab wiederkehrende Probleme mit dem Navigationssystem und fatale Fehlentscheidungen der Piloten, nachdem sich der Autopilot abgeschaltet hatte. Es kam zum Sinkflug. Noch vor dem Aufprall zerbrach die Maschine. Alle Passagiere und die Crew von KI574 kamen ums Leben. Nach einem zweiten Totalverlust nur einen Monat später (Foto oben) und einer weiteren Bruchlandung 2008 wurde Adam Air die Fluglizenz entzogen.

Aeroflot-Flug nach Chabarowsk

Ein dreistrahlige Tupolew 154, die am 7. Dezember 1995 in Juschno gestartet war, kam nie in Chabarowsk an. Die russische Maschine der Aeroflot galt als verschollen. Erst nach zwei Wochen wurden Überreste 56 Kilometer nordwestlich der sibirischen Küstenstadt Grossewitschi gefunden. Beim Aufschlag musste es eine gewaltige Explosion gegeben haben, denn im felsigen Untergrund entstand ein zwei Meter tiefer und 40 Meter großer Krater. Die meisten Trümmer waren nicht größer als 20 Zentimeter. Auch konnten die 87 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder nicht mehr identifiziert werden.

Copyright: Picture-Alliance

SAETA-Flug 232

Erst nach 26 Jahren wurde das Wrack einer Linienmaschine in Südamerika gefunden, das über Jahrzehnte als verschollen galt. Die ecuadorianische Vickers Viscount der Sociedad Anónima Ecuatoriana de Transportes Aéreos (SAETA) wollte am 15. August 1976 von Quito ins südliche Cuenca fliegen, erreichte aber mit 59 Menschen an Bord niemals ihr Ziel. Eine Suchaktion wurde gestartet, die kein Flugzeugwrack in den Anden fand. Erst als Bergsteiger im Oktober 2002 auf einer kaum begangenen Route auf den mehr als 6200 Meter hohen Vulkan Chimborazo stiegen, stießen sie in 5400 Metern Höhe auf die Reste der viermotorigen Propellermaschine.

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LANSA-Flug 508

Die südamerikanischen Anden gehören zu den Regionen, in denen sich gleich mehrere mysteriöse Flugzeugkatastrophen ereignet haben. Zu den berühmt-berüchtigten Abstürzen gehört auch der einer Lockheed Elektra am 24. Dezember 1971. Die große Turboprop-Maschine der Líneas Aéreas Nacionales S. A. (LANSA) war zu einem Inlandsflug von Lima zu den Orten Pucalla und Iquitos jenseits der Berge unterwegs, als es noch keine so detaillierten Wettervorhersagen für Südamerika wie heute gab. Damals geriet die Maschine in schwere Turbulenzen. Nach Aussagen von Juliane Köpcke, der einzigen Überlebenden, wurde ein Flügel vom Blitz getroffen, eine Turbine geriet in Brand und Teile der Tragflächen rissen ab, eher der Rumpf zerbrach. Die damals 17-jährige Deutsche fiel im Sitz angeschnallt in das dichte Blätterwerk des Regenwaldes.

Nachdem die Verletzte wieder zu Bewusstsein gekommen war, suchte sie erfolglos in den Wrackteilen der Umgebung nach weiteren Überlebenden und schlug sich später entlang von Wasserläufen in Richtung bewohnter Ortschaften durch. Nach zehn Tagen wurde sie von Waldarbeitern gefunden, die Hilfe organisieren konnten. Zu dem Zeitpunkt war die offizielle Suche bereits abgebrochen worden. Erst als sich die Nachricht verbreitete, dass eine Passagierin den Flug 508 überlebt hatte, wurde eine weitere Rettungsaktion gestartet und das Wrack geortet. Köpckes Überlebensgeschichte bot Stoff für Bücher und mehrere Filme, darunter "Ein Mädchen kämpft sich durch die grüne Hölle" (Szenenfoto oben mit der Schauspielerin Susan Penhaligon) und Werner Herzogs Dokumentarfilm "Wings of Hope". Für die Dreharbeiten kehrte sie sogar mit dem Regisseur an die Absturzstelle im Dschungel zurück.

Copyright: Picture-Alliance

Fuerza-Aérea-Uruguaya-Flug 57

Ein gutes Jahr später endete der Charterflug einer Rugby-Mannschaft aus Uruguay auf dem Weg von Montevideo zu einem Freundschaftsspiel in Santiago de Chile mit einem Drama. Die zweimotorige Fairchild der uruguayischen Luftwaffe schaffte es in einem Orkan und durch einen Navigationsfehler nicht über die Anden, streifte einen Felsen und schlug ohne Tragflächen auf einem Schneebrett in 4000 Metern Höhe auf.

In diesem Fall lagen zwischen Absturz und Rettung von 16 der insgesamt 45 Passagiere 72 Tage im Eis. Besonders fatal: Die Überlebenden vernahmen acht Tage nach der Katastrophe im Radio, wie die Suche nach der Maschine eingestellt und die Insassen für tot erklärt wurden. Über zwei Monate diente ihnen der Rumpf als Schutz. Zwei Überlebenden gelang es nach mehreren Versuchen und tagelangen Wanderungen Kontakt zur Zivilisation herzustellen und Hilfe zu organisieren.

Hoffen auf ein Wunder

Weil die am Drama Beteiligten nur durch Kannibalismus überlebten, zögerte Hollywood mit einer Verfilmung der Tragödie. Erst 1993 kam "Überleben!" in die Kinos. Ein Bestseller mit dem Titel "72 Tage in der Hölle: Wie ich den Absturz in den Anden überlebte" erschien und 2007 schließlich der Dokumentarfilm "Das Wunder der Anden" von Gonzalo Arijon.

Auf ein Wunder hoffen diese Tage auch die Angehörigen der Passagiere des Fluges 370 der Malaysia Airlines. Die Boeing 777 könnte vielleicht in einer abgelegen Region eine Bruchlandung absolviert haben. Und auch wenn dieses Szenario extrem unwahrscheinlich ist: Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

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