HOME

Historische Hotels in Istanbul: Eingebettet in Geschichte

In Istanbul werden alte Bauten in Luxushotels umgewandelt, um sie so vor dem Verfall zu retten. Aber auch für den kleinen Geldbeutel gibt es historische Unterkünfte, in denen man stilvoll schlafen kann.

Von Özlem Topcu

Wer sich einmal richtig verderben lassen will, muss sich nur eine einzige Nacht von weißen, gestärkten Kissen einsaugen lassen, in eine flauschige Matratze einsinken und mit dem Blick auf den Bosporus in Istanbul einschlafen und aufwachen. Denn danach wird man schwerlich etwas anderes in Istanbul machen wollen. Doch der Blick auf die majestätische Meeresenge und die hohen Zimmerpreise sind nicht das einzige, was das Luxushotel am Bosporus so bemerkenswert macht. Durch die Investition von Hotelketten wie Four Seasons, Kempinski oder Hyatt lebt die Istanbuler Geschichte weiter. Wie nur selten auf der Welt wird wertvolles Mauerwerk aus osmanischer Zeit restauriert, um als Hotels in neuer Pracht zu erscheinen - und damit vor dem Verfall gerettet.

Die drei Flügel des Four Seasons am Bosporus

Das "Four Seasons at the Bosphorus" besteht aus insgesamt drei Bauten: Dem historischen Gebäude in der Mitte, dem "Atik Paşa"-Palais, das dem nahe gelegenen Çirağan-Palast einst als Gästehaus diente, und zwei neuen modernen Flügeln. Dort befinden sich nicht nur Gästezimmer, sondern auch mehrere Kongress- und Ballräume. Die Schönen und Reichen Istanbuls richten hier gern ihre Hochzeiten aus, Linguisten-, Apothekerverbände oder anderen Organisationen ihre Tagungen.

Das Haus hat 141 Gästezimmer - ein Doppelzimmer mit Blick aufs Wasser gibt es ab 900 Euro die Nacht - und 25 Suiten. Eine Nacht in der "Atik Paşa"-Suite kostet 18.000 Euro. Die Einrichtung ist trotz der hohen Preise nicht pompös, sondern eher puristisch. Orientalische Ornamentik wechselt sich mit modernen Dekorationen in Silber, Blau und Braun ab. Die Lobby ist bei aller Exklusivität geradezu gemütlich. Das Personal ist so dezent, dass man es gar nicht bemerkt. Nicht einmal die emsigen Putzkolonnen mit Körbchen, auf der Jagd nach Fingerabdrücken.

Aber der unbestritten schönste Ort des Hotels ist der marmorne Außenbereich direkt am Bosporus, wo man bei einem Glas Tee die vorbeifahrenden Schiffe beobachten kann. Die gehören genauso zur Meeresenge wie die Brücke, die Europa und Asien verbindet. Hier merkt man erst richtig, dass man in Istanbul angekommen ist.

Der wiederbelebte Çirağan-Palast

Wer es pompöser in der Einrichtung vorzieht, der ist in der Nachbarschaft, etwa 500 Meter weiter Bosporus aufwärts besser aufgehoben. Denn dort steht das glanzvolle Kempinski-Hotel Çirağan-Palace, dem einzigen Hotel in der Türkei, das sich in einem ehemaligen Palast befindet. Der wurde im 16. Jahrhundert errichtet und von launischen osmanischen Herrschern mehrere Male abgerissen und wieder neu aufgebaut. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts diente er als Sommerresidenz. Nach einem Putsch wurde hier Sultan Murad V. (1840-1904) mit seiner Familie bis zu seinem Tod im Çirağan festgehalten. Danach mochte kein Mächtiger mehr dort residieren, der Hof zog in den viel moderneren Dolmabahçe-Palast um.

Der Çirağan-Palast war von da an, wie das Osmanische Reich selbst, dem Untergang geweiht: Ein Feuer legte alles in Schutt und Asche. Doch das war nur der Beginn seines traurigen Schicksals. Die Stadt ignorierte die Ruine oder nutzte sie ganz profan als Baustoffdepot, bis 1986 eine Investorengruppe aus Abu Dhabi 15 Millionen Euro locker machte, das Bauwerk fünf Jahre lang renovieren ließ und ein Luxushotel eröffnete. Damit wurde auch die Geschichte des Çirağan-Palast wiederbelebt. "Mir blutet das Herz, wenn ich daran denke, dass die Stadtregierung es mit eigenen Mitteln nie geschafft hätte, den Palast zu erhalten. Die Ruine wäre womöglich irgendwann einfach in sich zusammengefallen", sagt eine Mitarbeiterin. "So ergeht es leider vielen historischen Gebäuden in Istanbul."

Der Çirağan-Komplex besteht heute aus dem historischen Palast, der elf Luxus-Suiten mit eigenem Butler bereitstellt, und dem angrenzenden Hotel mit 304 Zimmern. Mehr als die Hälfte bietet einen Blick auf den Bosporus. Doch was General Manager Henri Blin meint, wenn er von "beyond luxury" spricht, wird in der "Sultan Suite" deutlich: Hier misst der Luxus 375 Quadratmeter, der Gast läuft auf edlen Parkettböden, lässt Wasser aus güldenen Hähnen in das Marmorbad fließen und räkelt sich auf den teuersten Möbeln und Teppichen Europas. Obwohl die Ära der Sultane schon lange vorbei ist, spürt man spätestens hier einen Hauch ihres glanzvollen Lebens. Kostenpunkt, um sich einmal wie ein Sultan zu fühlen: 25.000 Euro. Ein Standard-Doppelzimmer gibt es bereits für 255 Euro.

Vom Gefängnis zum Hotel: Four Seasons

Im zweiten und älteren Four Seasons in der Altstadt von Istanbul haben sich Gäste dagegen sicher nicht wie Sultane gefühlt. Zumindest eine Zeit lang nicht. Das liegt daran, dass das erst 1918 errichtete Gebäude in prominenter Lage zwischen der Blauen Moschee und der Hagia Sophia ursprünglich ein Gefängnis war. "Einige unserer Besten saßen hier noch vor 40 Jahren ein", berichtet eine Hotelangestellte und spielt auf Oppositionelle und Schriftsteller wie Aziz Nesin, Nazım Hikmet, Yaşar Kemal oder Sabahattin Ali an, die hier aufgrund ihrer Überzeugungen inhaftiert waren.

Jahrzehnte später wurden sie als Helden der Nation gefeiert. Das Sultanahmet-Gefängnis sei ein politisches, weniger eines für Mörder oder andere Gewaltverbrecher gewesen. 1969 wurde das Gefängnis geschlossen. Heute sind die Hotelgäste im Gegensatz zu den Inhaftierten eher betrübt, diesen Ort in Richtung Kutlugün Sokağı ("Straße des glücklichen Tages") zu verlassen, einer Querstraße, die zu Zeiten des Gefängnisses für Entlassungstage oder Generalsamnestien abgesperrt wurde. Vom Gefängnisflair merkt man in dem quietschgelben neoklassizistischen Bau nichts mehr. Nur einige Namen, die ehemalige Insassen in Steinsäulen geritzt haben, erinnern an die dunklen Tage. Doppelzellen gibt es ab 400 Euro.

Unterkommen ab 50 Euro

Doch es erfordert nicht immer ein dickes Portemonnaie, um in Istanbul in altem Gemäuer unterzukommen und die Geschichte der Stadt einzuatmen. In Sarıyer, einem Istanbuler Bezirk am nördlichen Ende des Bosporus, fast an der Mündung zum Schwarzen Meer, steht das "Fuat Paşa Hotel". Eine kleine, typisch osmanische Holzvilla, die im 18. Jahrhundert von einem Wesir des Sultans bewohnt und als Hotel sehr liebevoll hergerichtet wurde. Ein gutes Zeichen: Auch viele normal situierte Türken können sich hier Zimmer leisten. Sarıyer ist zwar etwas weiter von der Altstadt entfernt, dafür weniger hektisch und sauberer als Istanbul-City. Außerdem kann man jeden Tag mit der Fähre Richtung Zentrum fahren. Doppelzimmer mit Frühstück gibt es ab 150 Euro.

Aber auch die Altstadt bietet günstige historische Hotels, wie das "Artefes Hotel" in Sultanahmet, ebenfalls eine restaurierte Holzvilla, die in Fußnähe zu allen wichtigen Sehenswürdigkeiten liegt (Doppelzimmer ab 55 Euro). Wer lieber im quirligen Amüsierviertel Taksim unterkommen will, sollte sich das "Vardar Palace Hotel" anschauen, das 1901 erbaut wurde und trotz Renovierung den Levante-Charme des 19. Jahrhunderts erhalten hat (Doppelzimmer: ab 50 Euro). Diese Aufzählung könnte noch weitergehen. Die Türkei und besonders Istanbul haben so viele, historische Hotels, dass diese sich zu dem Verband "Association of Historical and Boutique Hotels of Turkey" zusammengeschlossen haben.

Die Istanbuler Stadtverwaltung kann froh sein über jede Lira, die in seine Geschichte investiert wird. Auch wenn viele Türken es bedauern, dass es sich ihr Land nicht leisten kann, die vielen Schätze zu pflegen. Aber die Stadt versteckt ihre Geschichte nicht immer hinter dicken Mauern oder überlässt sie dem Verfall, sondern auch der Bürokratie: Altes Mauerwerk aus osmanischer Zeit nutzen die Istanbuler wie selbstverständlich als Postzentrale, als Grundbuch- und Katasteramt. Die Menschen sind stolz auf die Spuren ihrer Vergangenheit.

Weitere Informationen:
www.fourseasons.com/de/bosphorus
www.ciragan-palace.com
www.fourseasons.com/istanbul
www.fuatpasa.com.tr
www.artefes.com
www.vardarhotel.com
www.historicalhotelsofturkey.org

Wissenscommunity