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Urlaub für umme: "Die Italiener zahlen. Ich bin Deutscher" - Roland, der Zechpreller

Sie nennen ihn "Roland, lo scroccone" - Roland, den Zechpreller. Roland ist Deutscher, etwa 40 Jahre alt, und macht seit einigen Wochen "Italien-Urlaub". Er isst Pizza und Steak, trinkt Bier. Soll er zahlen, sagt er: "Die Italiener zahlen. Ich bin Deutscher."

Ein Deutscher macht derzeit "Urlaub" in Florenz. Er isst, er trinkt, er zahlt nicht.

Ein Deutscher macht derzeit "Urlaub" in Florenz. Er isst, er trinkt, er zahlt nicht.

Roland, der Zechpreller, ist seit einigen Wochen in unterwegs, seit mindestens einem Monat, mutmaßen einige Zeitungen, aber so ganz genau weiß das niemand. In der Toskana, zwischen sanften Hügeln und Renaissance-Kunst, gönnt sich Roland, etwa 40 Jahre alt, aus Deutschland ein wenig "Dolce Vita".

Einem Bericht des "Corriere della Sera" zufolge setze sich der Mann in die besten Restaurants, an der Piazza della Signoria beispielsweise, und bestelle: Pizza, Bier, bistecca alla fiorentina - eine Steak-Spezialität. Und noch mehr Bier. Soll er dann zahlen, sage er: "Die Italiener werden zahlen. Ich bin Deutscher." Dann gehe er, meistens torkle er. Bezahlt wurden seine Rechnungen bisher nie.

Statt 62 Euro hinterlässt er nur eine Notiz

An Roland, dem Zechpreller, beißt sich die Polizei in Florenz nun schon seit einiger Zeit die Zähne aus. Roland schlägt mit Vorliebe im historischen Zentrum zu, in Restaurants und Bars, da macht er keinen Unterschied. Vergangene Woche mindestens drei Mal, schreibt "Corriere", die Dunkelziffer sei wohl um einiges größer. Im alteingesessenen Caffè Giacosa an der Piazza della Signoria soll Roland statt der geschuldeten 62 Euro nur eine Notiz hinterlassen haben: "Die katholische Kirche hat bezahlt."

Ähnlich nonchalant verhielt sich der Mann offenbar nach dem Genuss einiger Whiskys in der Bar Palazzo Vecchio. Ebenso wenig bezahlte er ein mit einem Chianti Classico heruntergespültes Entrecôte in einem prestigeträchtigen der Umgebung.


Polizisten haben ihn wiederholt zur Rede gestellt, verwarnt und angezeigt. Doch es gelang ihnen nicht, dem Deutschen, der mindestens drei Sprachen sprechen soll und als gewiefter Schwindler mit guten Umgangsformen beschrieben wird, beizukommen - bis zur Nacht auf Mittwoch: Wie "La Repubblica" berichtet, soll der Deutsche versucht haben, zwei Dosen Bier aus einem Supermarkt zu entwenden. Als ihn der Eigentümer des Ladens stoppen wollte, soll ihn der Serienzechpreller gewürgt haben. Jetzt haben die Carabinieri Roland, den Zechpreller, festgesetzt.

Eine rechtliche Grauzone

Das Nichtbezahlen der Rechnung für genossene Speisen und Getränke fällt in Italien strafrechtlich in eine Grauzone. Im vergangenen Jahr hob das Oberste Gericht des Landes die Gefängnisstrafe für einen Obdachlosen auf, der Käse und Fleischwaren im Wert von 4,07 Euro gestohlen hatte. Die juristisch relevante Frage ist, ob die von den Richtern angeführte Begründung, der Mann habe unmittelbar seinen Hunger stillen müssen, auch für den deutschen Schlemmer zutrifft.


AFP
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