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"Lonely Planet": Das ist die coolste Stadt Italiens: Warum es sich dort lohnt, auf den Straßen abzuhängen

Der Verlag für Reiseführer "Lonely Planet" kürt die coolste Stadt Italiens. Die liegt im Süden des Landes und fällt vor allem auf, weil sie nicht auffällt. 

Neapel

In dieser Straße von Neapel werden historische Souvenirs verkauft

Getty Images

Sie haben die Nase voll von aufpolierten italienischen Städten, die vor Touristen überquellen? Dann sollten Sie die coolste Stadt Italiens besuchen. Die zeichnet sich vor allem durch ihre unberührte Straßenkultur und die zerfallende Architektur aus. Der "Lonely Planet" beschreibt sie als die "rohe" und "ungezähmte" Seite Italiens. Die Rede ist von: Neapel.

Mit Neapel verhält es sich so: Entweder man liebt die Stadt oder man hasst sie. Wer sie nicht mag, sind Touristen, die von Italien anderes gewohnt sind. Hübsche italienische Städte, die mit ihren Prunkpalästen protzen, in denen sich an jeder Straßenecke ein neues hübsches Café mit Möbeln aus selbstgeschreinerten Paletten und kugelförmigen Glühbirnen versteckt. Neapel ist das komplette Gegenteil.

Hier fehlt es an Hipster-Cafés und schicken Bars, die das Nachtleben versüßen. In Neapel hängt man auf den Straßen herum. Man trifft sich auf der Piazza Bellini etwa. Dort wimmelt es von Galerien, die abends zu Bars umfunktioniert werden, und von unscheinbaren Cafés. Im Caffè Dell'Epoca kriegt man beispielsweise einen Aperol Spritz für 2 Euro. Wer Lust auf Musik hat, muss ins spanische Viertel gehen. In Erdgeschoss-Appartements, den sogenannten bassi, gibt es oft spontane Konzerte. Experimentelle DJs legen im Spazio Intolab auf, einer alten Woll-Fabrik in der Nähe des Bahnhofs. 

Neapel erlebt man auf den Straßen

Einheimische und Insider aber wissen: Unter der Woche hängt man auf den Straßen Neapels ab. Nicht in den Bars, sondern vor den Bars. Mittwochs spielen im Bucopertuso Bands und es gibt günstige Drinks. Donnerstags serviert Francesco Sepe in seiner Weinhandlung Antica Cantina Sepe Wein für 1,50 Euro und Mamas Parmigiana, ein vegetarischer Auberginenauflauf. Freitags draußen bei Spiedo D'Oro gibt es Live-Musik-Gigs.

Vulkanausbruch

Wer etwas mehr Geld ausgeben möchte, geht vor dem Abendessen ins Viertel Chiaia. Dort gibt es in den engen Straßen aperitivo, das italienische Pre-Dinner, das meist aus Cocktails mit kalten Salaten und Wurstplatten besteht.

Auch die Kunstszene ist nicht zu unterschätzen: "Streetart schmückt die fragmentierten Palisaden der Stadt", schreibt der "Lonely Planet". Der Bürgermeister von Neapel hat kürzlich auf seiner Facebook-Seite geschrieben, dass Streetart zum "sozialen und politisch-revolutionären Antrieb der Stadt" passe. Auf der Piazza dei Girolamini in der Altstadt kann man ein Werk von Banksy betrachten, das einzige in Italien: eine Madonnenfigur, die anstelle eines Heiligenscheins eine Pistole über dem Kopf trägt.

Das lokale Duo Cyop & Kaf hat im spanischen Viertel mehr als 220 Wandgemälde an Ladenfronten, Fensterläden und Straßenecken geschaffen: Surreale, oft verstörende Bilder zieren die Wände. Die sind meist politisch motiviert und weisen auf die Macht der Mafia hin, die in Neapel nach wie vor präsent ist.

Wer also das "echte" Italien kennenlernen will, der sollte sich auf Neapel einlassen und in die Tiefe tauchen. Wenn es nach dem "Lonely Planet" geht, dann ist die "rohe" und "ungezähmte" Stadt Italiens eine Reise wert.

Quelle: "Lonely Planet" 

dsw

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