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Mallorca Gegen Sauftouristen: Restaurants an der Playa de Palma führen Dresscode ein

Touristen mit Motto-Shirts an der Playa de Palma auf Mallorca
Mottoshirts, Fußball-Trikots und Badehosen sollen bald tabu sein: Einige Restaurants an der Playa de Palma auf Mallorca führen Dresscodes ein
© Augst / Eibner-Pressefoto/ / Picture Alliance
Vergangene Woche erklärte eine Initiative zur Aufwertung der Playa de Palma auf Mallorca, der Sauftourismus sei noch schlimmer als vor Corona. Einige Restaurant reagieren nun mit Kleidervorschriften, um das Niveau in den Läden zu steigern.

Erst in der vergangenen Woche sendete die Initiative "Palma Beach", die sich um die Aufwertung der Playa de Palma auf Mallorca bemüht, ein deprimiertes Zeichen: Der Sauftourismus auf der Lieblingsinsel der Deutschen sei noch schlimmer als vor der Corona-Pandemie, die Saison praktisch gelaufen. Und das, obwohl viele Einheimische gehofft hatten, dass zwei Jahre Stillstand das Image und die Ausrichtung der Gastronomie auf Mallorca in eine andere Richtung lenken könnten – weg von Eimersaufen und deutschen Schlagern, hin zu gehobener Küche  und nachhaltigem Urlaub. Der stern berichtete. 

Doch seit dem 10. Mai landen insbesondere die deutschen Touristen wieder im Minutentakt auf der Insel und man könnte meinen, die Kegelclubs, Fußball-Vereine und Junggesellenabschiede seien nie weg gewesen. Nun unternehmen elf Restaurants an der Playa de Palma einen letzten verzweifelten Versuch, das Niveau in ihren Lokalen zu erhöhen. Künftig soll es einen Dresscode geben, um das Feiervolk vor die Tür zu setzen.

Mallorca: Elf Restaurants an der Playa de Palma führen Dresscode ein

Praktisch soll das heißen, dass vor allem abends eine strengere Kleidervorschrift eingehalten werden soll, als bisher. Gäste in Flip-Flops, Fußball-Trikots, ärmellosen Shirts oder in Verkleidungen sollen nicht mehr bewirtet werden. Auch Badehosen oder Oberteile, die Lokale bewerben, die "den Alkoholkonsum anpreisen", sollen tabu sein, wie die Betreiber der Lokale auf einer Pressekonferenz mitteilten. 

"Was wir damit versuchen zu kommunizieren ist, dass die Gäste bitte im Hotel duschen und sich umziehen sollen, bevor sie die Lokale betreten. Sie sollen nicht direkt vom Strand oder vom Trinken auf der Straße kommen", erklärte der Geschäftsführer der Initiative "Palma Beach", Juan Miguel Ferrer, laut mehreren Medien. Am Tag werde man der Regelung mit einer gewissen Lockerheit begegnen, abends jedoch will man sie streng einhalten. 

Was genau sich die Wirte unter der Kleidervorschrift vorstellen, ist ihnen überlassen. Über einen QR-Code vor den Lokalen sollen Gäste sich informieren können, welche Kleider unerwünscht und welche erlaubt sind.

Ferrer: "Das Problem ist die Party auf der Straße"

Auch wenn es nun Gastronomen sind, die sich mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die Sauftouristen wehren, betonte Ferrer sehr deutlich: "Das Problem existiert nicht in den Lokalen, das Problem ist die Party auf der Straße". Das seit 2020 existierende Alkoholverkaufsverbot habe dazu geführt, dass nun ein "mafiöses Netzwerk ambulanter Händler" illegal Getränke an Mann und Frau bringt. Hier würde die Polizei schlichtweg zu wenig kontrollieren, wie das "Mallorca Magazin" berichtet.

So streng der Geschäftsführer der Initiative "Palma Beach" auch klingt, er betonte auch, dass alle Urlauber aus Deutschland weiterhin an der Playa willkommen sind. "Wir haben auch grundsätzlich nichts gegen junge Menschen, die hier feiern wollen. Das ist und war die Essenz der Playa de Palma, schon immer", so Ferrer. 

Allerdings erwarte er, dass sich die Touristen auch an die bestehenden Regeln halten: "Die Deutschen lieben Regeln und sie sind auch meist sehr vorbildlich, wenn es darum geht, diese einzuhalten. Allerdings tun die mallorquinischen Behörden zu wenig dafür, den Urlaubern zu vermitteln, dass es diese Regeln gibt."

Letzter Ausweg: Touristenbetten reduzieren

Die mallorquinische Regierung hat in den vergangenen Jahren einige Konzepte auf den Weg gebracht, um dem exzessiven Sauftourismus auf der Insel ein Ende zu setzen. Insbesondere durch ein Alkoholverbot in der Öffentlichkeit, dem Verbot des berüchtigten "Eimersaufens" und einem Rauchverbot an öffentlichen Plätzen und an einigen Stränden hat man versucht, die Touristen in Schach zu halten. Doch der ursprüngliche Plan, weg vom Billigtourismus und hin zu einem gehobenen Publikum zu kommen, ist noch immer nicht gelungen. 

Der vielleicht letzte und einschneidendste Schritt wäre eine starke Reduzierung der Übernachtungsmöglichkeiten, um so der Hotel-Branche auf der Insel mehr Exklusivität zu geben. Das größte Problem dabei ist das Geld. Die Anwohner auf Mallorca verbindet seit Jahrzehnten eine innige Hass-Liebe zu den Sauftouristen. Auf der einen Seite fürchten sie um das Image, die Kultur und die Natur der Insel, auf der anderen Seite lassen die Urlauber für ihre Trips ordentlich Geld springen. 

Knapp 45 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der Balearen wird im Tourismus erwirtschaftet, wie der "Guardian" berichtet. Etwa 200.000 Jobs hängen an der Branche. Um Mallorca für die Zukunft nachhaltiger aufzustellen und tatsächlich ein höherpreisiges Publikum anzusprechen, muss also ein Weg gefunden werden, dies mit der heimischen Wirtschaft zu vereinbaren. Genau nach diesem Weg sucht die Insel schon seit Jahren.

Quellen: "Mallorca Zeitung", "Mallorca Magazin", "Guardian"


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