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Bahn-Chaos zu Weihnachten: Kälte bremst den ICE aus

Dieses Jahr werden die Züge zu Weihnachten noch voller - wenn sie überhaupt fahren. Die Minusgrade haben an vielen Orten für Stillstand gesorgt, wo eigentlich mit Hochgeschwindigkeit gereist werden sollte. Die Feinde des ICE heißen Kälte und Pulverschnee.

Wer sich angesichts der glatten Straßen dieses Jahr mit der Bahn in den Weihnachtsverkehr begibt, muss viel Geduld mitbringen: Überfüllte Abteile und lange Wartezeiten können für einen frustrierenden Start in die Feiertage sorgen. Der Grund: Auf der Strecke Berlin-München fährt bis Sonntag nur jeder zweite ICE. Auch auf anderen Verbindungen könnten einzelne Züge ausfallen, sagte ein Bahnsprecher am Mittwoch in Berlin. Die Reisenden müssten deshalb mit überfüllten Zügen rechnen.

"Grundsätzlich wintertauglich"

Grund für die Ausfälle seien Schnee, Eis und Kälte in den vergangenen Tagen. Das habe zu vielfältigen Defekten an den ICE geführt, sagte ein Sprecher in der Bahnzentrale. Grundsätzlich seien die Hochgeschwindigkeitszüge aber wintertauglich. Anderen Darstellungen widersprach das Unternehmen ausdrücklich.

Zuvor hatte ein Bahnsprecher in Sachsen ein systematisches Problem mit dem ICE eingeräumt. "Die Fahrzeuge sind nicht so gebaut, dass sie diesen sibirischen Temperaturen standhalten", sagte er im Mitteldeutschen Rundfunk. Sie seien auf einen normalen mitteleuropäischen Winter ausgelegt. Züge seien "reihenweise kaputtgegangen, weil dieser trockene Pulverschnee durch die Lüftungsgitter in die Fahrzeuge flutscht und dabei die elektrischen Bauteile in Mitleidenschaft ziehen kann", sagte der Sprecher weiter.

Siemens liefert Züge auch nach Russland

Der ICE-Hersteller Siemens nahm zu den Problemen nicht direkt Stellung. Ein Sprecher wies aber auf die Erfahrungen des Unternehmens bei der Konstruktion von Zügen hin, die auch unter Extremtemperaturen fahren. "Gerade erst haben wir den Hochgeschwindigkeitszug 'Sapsan' nach Russland ausgeliefert, der auch sibirischen Temperaturen bis minus 50 Grad standhält", sagte er.

Der Bahnsprecher in Berlin verwies auf die geringe Fahrzeugreserve. Die Achsen der Züge vom Typ ICE T, die auf der Strecke Berlin-München unterwegs sind, müssten nach wie vor in kurzen Abständen per Ultraschall untersucht werden und seien entsprechend häufig in der Werkstatt. Wenn dann noch zusätzliche Störungen wie jetzt hinzukämen, könne man das nicht ausgleichen. Um die Ausfälle "planbar" zu machen, habe das Unternehmen sich entschlossen, jeden zweiten Zug auf der Linie Berlin-Leipzig-Nürnberg-München bin Sonntag nicht einzusetzen.

Bei Ärger gibt's Geld zurück

Fahrgäste, die erst eine Stunde später als geplant reisen können, erhalten von der Bahn 25 Prozent des Fahrpreises zurück. Bei zwei Stunden Verspätung werden nach den üblichen Regeln 50 Prozent erstattet. Wer von der Reise ganz zurücktritt, weil sein Zug nicht wie geplant fährt, bekommt den vollen Fahrpreis zurück. Die Kunden erhielten auch das Geld für verfallene Platzreservierungen wieder, sagte der Sprecher.

Aktuelle Informationen über den Zugverkehr finden sich im Internet unter www.bahn.de/aktuell oder sind per Telefon unter der Nummer

01805 99 66 33

zu erfragen.

DPA / DPA
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