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Nach 10 Milliarden Euro Verlust Skandal bei Booking.com: Vorstände kassieren Boni in Höhe von 28 Millionen Euro

Die Zentrale des Online-Portals Booking.com am Ijhaven in Amsterdam
Die Zentrale des Online-Portals Booking.com am Ijhaven in Amsterdam
© Imago Images
Wie fast alle Reiseunternehmen hat auch Booking.com im Jahr 2020 enorme Umsatzverluste hinnehmen müssen und Corona-Hilfen in Anspruch genommen. Doch die heftige Kritik an den Manager-Vergütungen hat nun Konsequenzen.

Wer im Internet ein Hotel mittels einer Suchmaschine findet, stößt bei den Ergebnisseiten auch auf die Angebote von Booking.com. Das Unternehmen mit Homepages in 44 Sprachen und Sitz in Amsterdam bezeichnet sich selbst als "einer der weltweit größten Marktplätze der Reisebranche für etablierte Marken und Unternehmen jeder Größe".

Doch seit Ausbruch der Corona-Pandemie und den damit verbunden Reiserestriktionen sind auch Traffic und Umsatz auf booking.com extrem geschrumpft. Touristische Übernachtungsverbote haben das Geschäft mit Hotels, Ferienhäuser und Unterkünften seit dem vergangenen Frühjahr zusammengebrechen lassen. Der operative Verlust belief sich 2020 auf 10 Milliarden Euro – nach 5,4 Milliarden Euro Gewinn im Jahr 2019.

Als global aufgestelltes Unternehmen musste Booking.com nach Medienangaben Tausende von Mitarbeitern entlassen und Kredite in Höhe von drei Milliarden Euro in Anspruch nehmen. Verbliebene Mitarbeiter der niederländischen Zentrale sollen Lohnkürzungen von bis zu 20 Prozent hingenommen haben. Außerdem wurden der Firma 100 Millionen Euro an Staatshilfe gewährt.

Doch im Vorfeld der Aktionärsversammlung am 3. Juni wurden die "angepassten Vergütungsregeln" für das Management bekannt. Wie die "NL Times" berichtet, habe der dreiköpfige US-Vorstand der Muttergesellschaft Booking Holdings im Jahr 2020 umgerechnet mehr als 28 Millionen Euro kassiert, als Bonuszahlungen und in Form von Aktienpaketen. Die Booking Holdings Inc. werden an der Computer-Börse Nasdaq gehandelt.

"Kapitalismus in seiner hässlichen Form"

Allein Chief Executive Officer Glenn Fogel soll 5,8 Millionen Euro eingestrichen haben. Mit den hohen Prämienzahlungen sollen angeblich verhindert werden, dass das obere Management zu erfolgreichen Hightech-Firmen wie Amazon oder Google abwandert, die in der Corona-Krise profitiert haben.

Auf seiner Facebookseite kommentiert der Hotelverband Deutschland (IHA) die Prämienzahlungen angesichts der schwierigen Branchenlage mit den Worten: "Das ist Kapitalismus in seiner hässlichen Form und einfach nur abstoßend. Aber bestimmt keine Überraschung."

Damit spielt der Verband auch auf umstrittene Geschäftspraktiken von Booking.com an. Erst im Mai hatte der Bundesgerichtshof in dem mehrjährigen Verfahren zwischen Booking.com und dem Bundeskartellamt über die Zulässigkeit der umstrittenen Bestpreisklauseln entschieden – zugunsten der Bonner Behörde, die der Hotelplattform die Verwendung dieser Klauseln bereits untersagt hatte.

Inzidenz 0,0 – diese zwei Landkreise sind wieder coronafrei

Am Freitag erklärte laut "Handelsblatt" eine Sprecherin des Unternehmens, dass man die kritischen Stimmen aus den Niederlanden gehört und ernst genommen habe. Deshalb werde der Reiseanbieter 90 Millionen Euro an staatlichen Corona-Beihilfen zurückzahlen. Allein 65 Millionen Dollar davon gehen zurück an die Niederlande.

Quellenhttps://nltimes.nl,  www.handelsblatt.comhttps://nos.nlHotelverband Deutschland

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