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Fälscherware: Wenn Urlauber zu Schmugglern werden

Fälschung und Original sind kaum auseinander zu halten - stolz präsentieren Urlauber zuhause gefälschte Designerware. Bei der Zollabfertigung kann der billige Einkauf jedoch teuer werden.

Ob in der Türkei, in Tschechien, Tunesien oder Asien - in vielen Ländern bekommen Touristen fast an jeder Ecke imitierte Produkte bekannter Designer und Marken feil geboten. Doch Urlauber, aufgepasst: wer sich gleich kofferweise mit gefälschter Bekleidung, nachgemachten Uhren, CDs, Schuhen, Sonnenbrillen oder Medikamenten eindeckt, macht sich strafbar. Der Zoll daheim drückt nur bei kleinen Einkäufen die Augen zu. Die Reisefreimenge von 175 Euro gilt als absolute Obergrenze."Sind im Koffer ein paar gefälschte Jeans drin, die ganz offensichtlich für den Privatgebrauch bestimmt sind, kommt man damit am Zoll noch durch", berichtet Alexander Gaul von der Vereinigung zur Bekämpfung von Produktpiraterie (VBP) in München. Bei fünf abgekupferten Uhren plus Dutzenden T-Shirts und Hemden in unterschiedlichen Größen gebe es jedoch keine Strafffreiheit mehr. Größere Mengen Raubkopien werden Urlaubern "rigoros abgenommen", bestätigt Thomas Meister vom Zollamt-München-Flughafen. Die Beamten gehen dann davon aus, dass der Reisende sie weiterverkaufen oder verschenken will. Und das ist verboten.

Einkäufe nicht über 175 Euro

Aber auch bei Einkäufen für den Privatgebrauch müssten Touristen höllisch Acht geben, betont Meister. Noch vor der Heimreise heißt es gut rechnen. Die vermeintlichen Designer-Schnäppchen dürfen nicht mehr als 175 Euro zusammen kosten. Pro Person. Diese Richtlinie gilt seit Verschärfung des EU-Rechts 2004. "Dabei zählt der tatsächlich gezahlte Preis, nicht der Originalpreis daheim", sagt Meister. Was darüber liegt, wird am Zoll sichergestellt und vernichtet.Je größere Mengen an Raubkopien ein Tourist dabei hat, desto schneller kommt er in den Verdacht, damit gewerbsmäßig Handel treiben zu wollen. "Es ist sehr gefährlich, den Koffer vollzupacken", warnt VBP-Jurist Gaul. Auf Reisende, die erwischt werden, warte viel Ärger, unterstreicht auch Doris Möller, Vorstandsmitglied des Aktionskreises Deutsche Wirtschaft gegen Produkt- und Markenpiraterie (APM) in Berlin.

Wer ertappt wird, gilt als Schmuggler

Wird die Reisefreimenge nicht beachtet, gilt der ertappte Urlauber als Schmuggler. Er muss dann mit einem Steuerstrafverfahren rechnen. Wem nachgewiesen werden kann, dass er mit der gefälschten Ware handeln wollte, muss sich warm anziehen: Auf das "Inverkehrbringen von markenverletzender Ware" stehen maximal fünf Jahre Haft und hohe Geldstrafen, immer abhängig von Mengen und Wiederholungstaten, wie Gaul erläutert. Außerdem kann die Firma, deren Markenrechte verletzt wurden, Schadenersatzansprüche geltend machen.Plagiate kaufen und illegal nach Deutschland einführen, sei "kein Kavaliersdelikt, auch nicht im Urlaub", gibt Möller zu bedenken. Im Übrigen schade sich der Käufer nur selbst. "Für das, was da angeboten wird, ist jeder Preis zu hoch", warnt die Fachfrau. Die Fälschungen würden billigst produziert und seien in der Regel von schlechter Qualität. Die Käufer würden über den Tisch gezogen. Vorsicht sei besonders beim Konsum kopierter Arzneimittel geboten. Ein Gesundheitsrisiko gebe es zudem beim Tragen von Textilien und Parfüm, die mit Allergie auslösenden Stoffen behandelt wurden.

29 Milliarden Steuerausfälle durch Plagiate

Gaul appelliert an Reisende, beim Kauf der illegalen Ware nicht nur an den eigenen Geldbeutel zu denken. Jedem müsse klar sein, dass er erheblichen wirtschaftlichen Schaden anrichte. Schätzungen zufolge setzen Produktpiraten rund um den Globus gefälschte Waren von etwa 500 Milliarden Euro um. Nach VBP-Angaben ist inzwischen schon jeder zwölfte Artikel auf dem deutschen Markt eine Fälschung.Für die Firmen, die mit großem Aufwand die Originale entwickeln, sind die boomenden Geschäfte der organisierten Fälscher katastrophal. "Der Profit ist fast höher als im Drogenhandel", weiß Möller. Die Ausfälle allein für Deutschland beliefen sich auf etwa 29 Milliarden Euro, sagt Gaul: "Und es wird immer schlimmer."Möller rät Schnäppchenjägern dazu, auch im Urlaub auf ihr Gewissen zu hören und lieber auf "den Schlussverkauf zu Hause zu warten und die Originale von seriösen Händlern mit Garantie" zu kaufen.

Berrit Gräber, AP / AP

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