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Mietwagen: Die künstliche Verknappung der Ferienkarossen

Hotel gebucht, Flug gesichert - nur der Mietwagen fehlt noch. Im vergangenen Sommer waren Leihwagen an Urlaubsorten am Mittelmeer rares Gut. Angeblich droht dieser Notstand auch für 2010.

Von Swantje Dake

Die Finca im mallorquinischen Hinterland ist gebucht, der Flug auf die Baleareninsel auch. Nur der Mietwagen, der für Ausflüge nach Palma, an die Strände und zu den Ausgangsorten der Wanderungen unverzichtbar ist, steht noch aus. Viele Jahre lang war das kein Problem: Autos gab es in jeder Größe und Preisklasse, konnten kurz vor Abflug oder gar erst nach Ankunft am Urlaubsziel gebucht werden. Doch im vergangenen Jahr änderte sich die Situation schlagartig: Der Mietwagennotstand wurde ausgerufen.

Im Mai und in den Sommermonaten waren in den klassischen Urlaubsregionen die Leihwagen entweder komplett vergriffen oder nur noch zu horrenden Preisen zu ergattern. Besonders Inselurlauber mussten oftmals auf Motorroller oder Fahrrad umsteigen oder einen strammen Fußmarsch einlegen.

Auch für den Sommer 2010 raten viele Verleiher zum frühzeitigen Buchen. Die Wagen seien auch weiterhin knapp. Ostern gab es bereits auf Mallorca erste Engpässe. Aber warum nur?

Autohersteller ziehen Reißleine

Schuld ist - wie so oft - die Finanzkrise. Denn bislang basierte das Geschäft der Vermieter auf der großzügigen Kalkulation der Autobranche. Die Hersteller übergaben eine bestimmte Menge Wagen an die Verleiher und garantierten ihnen gleichzeitig, dass sie die Autos für eine festgelegte Summe nach einigen Monaten wieder zurückkaufen würden. Nicht selten finanzierten die Banken der Autohersteller dieses Geschäft. "Nach der Bankenkrise im Herbst 2008 zogen die Hersteller die Reißleine", so Kai Sannwald, Geschäftsführer des Mietwagenvermittlers Sunny Cars.

Die Verleiher rund ums Mittelmeer konnten weniger Wagen kaufen. Zum einen war es schwierig, Kredite zu bekommen, zum anderen gingen viele Neuwagen direkt in die Autohäuser. Die Abwrackprämie förderte in vielen Ländern Europas den Verkauf der Kleinwagen. Und zudem glaubten einige Verleiher, dass viele Touristen ausbleiben würden, stellten sich also weniger Wagen auf den Hof.

Preise für 2010 steigen

So standen im Sommer 2009 auf den balearischen Inseln nur noch 40.000 Wagen bereit - anstatt der üblichen 50.000. Diese Verknappung ließ die Preise steigen. Zehn Prozent mehr zahlten Urlauber für ihren Wagen auf den Balearen.

Für den Sommer 2010 muss man noch tiefer in die Tasche greifen. Das Portal billiger-mietwagen.de hat für stern.de Preise für Kleinwagen (Anmietung eine Woche, inklusive Versicherung ohne Selbstbeteiligung) verglichen. Auf Mallorca zahlte man im vergangenen August etwas mehr als 31 Euro pro Tag. Würde man jetzt für August 2010 buchen, liegt man schon bei knapp 40 Euro pro Tag. In anderen Urlaubsgebieten wie dem spanischen Festland oder der griechischen Ferieninsel liegen die Preise noch auf dem Niveau des Vorjahrs. Allerdings: "Die Preise für eine Anmietung in den Sommerferien werden ab jetzt jeden Tag steigen", so ein Sprecher des Vergleichportals.

Früh buchen und Preise vergleichen

"Wenn es irgendwie geht, sollten Urlauber früh buchen", rät Sannwald. Das Eigeninteresse des Mietwagenvermittlers ist dabei durchschaubar: Je mehr Urlauber früher buchen desto besser kann der Verleiher planen, wann er wo Wagen benötigt.

Dabei kommen diese Engpässe den Verleihern gar nicht ungelegen. "Die Flotten werden bewusst knapp gehalten, um einen guten Preis zu erzielen", so eine Sprecherin von Europcar. Extreme Engpässe wolle man nicht herbeiführen, aber die luxuriöse Situation, dass Mietwagen unbegrenzt verfügbar und äußerst günstig sind, werde es nicht wieder geben.

So aussichtslos wie die Mietwagensituation im vergangenen Jahr war - und so katastrophal wie einige Firmen sie prophezeien - ist die Lage in dieser Saison nicht. "Engpässe in den Monaten Juli und August, wenn alle europäischen Länder Urlaub haben, gab es schon immer", sagt Katrin Müllenbach-Schlimme vom ADAC. Ihr Argument für das Buchen vor der Abreise ist ein anderes. "Es spart viele Nerven, wenn man den Wagen mit einem Vertrag in Deutsch bucht, wenn man einen deutschsprachigen Ansprechpartner hat und wenn man weiß, was der Versicherungsschutz abdeckt." Sie rät beim Buchen des Leihwagens vor allem zu einem Preisvergleich. "Es kann viel Geld sparen, wenn man die großen Anbieter in Ruhe miteinander vergleicht." Womöglich mehr als eine überstürzte Buchung, noch bevor Finca und Flug gesichert sind.

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