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Premium Economy Class: Bequemer in die Ferien fliegen

Der teuren Business Class bleiben die Gäste weg. Airlines reagieren und bieten als Antwort auf die Krise bei langen Flügen eine verbesserte Economy Class an. Von dem Kabinenumbau profitieren auch Urlaubsreisende.

Von Till Bartels

Die meisten Fluglinien kennen nur zwei Reiseklassen: Business und Economy Class. Nur noch wenige leisten sich eine First Class. Im vorderen Teil der Kabine bleiben die Luxussessel immer häufiger leer. Denn viele Unternehmen sparen, haben neue Reiserichtlinien verabschiedet und erlauben ihren Mitarbeitern auch auf längeren Reisen nur noch Flüge in der Economy Class.

Als Reaktion auf die Buchungseinbrüche haben Fluglinien eine neue Beförderungsklasse aus der Taufe gehoben: eine Premium Economy Class. Diese vierte Klasse ist zwischen der teuren Business Class und der preiswerten Holzklasse angesiedelt.

Die Luxus-Economy

Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten müssen Menschen beruflich wie privat weiterhin fliegen, nur nicht mehr um jeden Preis. Daher verbindet die neue Zwischenklasse die Annehmlichen der Business Class mit den attraktiven Preisvorteilen eines Economy-Flugscheins: mehr Sitzkomfort an Bord und die Möglichkeit zum flexiblen Umbuchen. Zur Zielgruppe gehören nicht nur Geschäftsleute, sondern auch anspruchsvolle Urlauber.

"Die Economy Extra ist unsere Überlebensklasse", sagt Elisabeth Milton Hemmingsen, die Deutschlandchefin von SAS. "Aus einer Kundenbefragung ging hervor, dass diese mehr Flexibilität wünschen, ohne auf Komfort komplett zu verzichten." Die skandinavische Fluglinie gehört zusammen mit British Airways zu den Pionieren der abgespeckten Business Class. Seit der Wirtschaftkrise ist die komfortable Reiseklasse im Gegensatz zur oft doppelt so teuren Business Class gut gebucht. "Die Premium Economy wird gerade in diesen Zeiten als Alternative zur Business gesehen", so Hemmingsen.

Ferienflieger zieht nach

Das neue Produkt der Zwischenklasse ist so unterschiedlich wie die Bezeichnungen der jeweiligen Fluggesellschaft. Die Briten, die ihre vierte Klasse "World Traveller Plus" nennen, bieten in ihren Langstrecken-Maschinen ebenso wie die Skandinavier eine separate Kabine mit mindestens einem Sitz weniger pro Stuhlreihe an. Der Sitzabstand wurde zugunsten der Beinfreiheit vergrößert, und die Rückenlehne lässt sich weiter zurückstellen. Stromanschlüsse für Laptops sind an jedem Sitzplatz.

Auch der Ferienflieger Condor hat im letzten Jahr auf seinen Strecken nach Übersee neben der regulären Economy Class und der gehobenen Comfort Class die Economy Comfort-Zone eingeführt. Für 150 Euro Aufschlag pro Flug (zum Beispiel nach Vancouver) bieten die Sitze mehr Beinraum, und die Rückenlehne ist weiter nach hinten verstellbar. Allerdings ist der Service fast mit dem der Economy Class identisch.

Einen ähnlichen Weg hat jüngst die niederländische KLM eingeschlagen. Statt einer separaten Reiseklasse bietet sie auf Interkontinentalflügen gegen Aufpreis einen gesonderten Kabinenbereich an. "Mit der neuen Economy Comfort entspricht KLM dem Wunsch ihrer Economy-Passagiere nach mehr Bequemlichkeit auf Langstreckenflügen", so die Pressesprecherin. Bei zehn Zentimetern mehr Sitzabstand kann man auch mit übereinandergeschlagenen Beinen sitzen. Für das mehr an Komfort werden bei Flügen unter neun Stunden zusätzlich 80 Euro fällig, darüber 150 Euro.

Auch United Airlines bietet Sitze in den vorderen Reihen der Holzklasse als Economy Plus mit mehr Beinfreiheit zu einem Preis zwischen 59 und 91 Euro pro Strecke beim Flug ab Deutschland. Auf ihren Flügen von Frankfurt nach Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt kann man bei Vietnam Airlines gegen einen Zuschlag zwischen 300 bis 400 Euro für den Hin- und Rückflug in der Deluxe Economy Class Platz nehmen.

Die abgespeckte Business Class

Seit 2009 rüstet Air France ihre Maschinen vom Typ Boeing 777, Airbus A340 und A330 für die neue Langstreckenklasse Premium Voyageur auf. Durch Trennwände ist die neue Klasse mit eigenen Schalensitzen von der Economy Class abgeschirmt. Besonders in der Boeing 777 herrscht mit nur acht statt zehn Plätzen pro Sitzreihe mehr Freiraum. Der neue Airbus A380, der für Air France zwischen Paris und New York fliegt, wurde allerdings noch nicht mit der vierten Reiseklasse ausgestattet. Denn sonst hätte es noch weitere Verzögerungen bei der verspäteten Auslieferung gegeben, so die Auskunft von Air France.

Einen anderen Weg hat die australischen Qantas eingeschlagen. Ihre neuen A380, die auf der Route London-Sydney im Einsatz sind, fliegen bereits mit vier Reiseklassen. Via London nach Sydney kostet das Rückflugticket in der Economy Class 1201 Euro, in der Premium Economy 2505 Euro. Dafür fliegt man mit einer 2-3-2er-Sitzplatzanordnung im Oberdeck viel bequemer und spart im Gegensatz zur Business Class (4287 Euro) immerhin 1783 Euro. Vielflieger haben daher die neue Zwischenklasse bereits umbenannt - in Business Class light.

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