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Sicherheitskonzept auf den Prüfstand: Neue A380-Probleme belasten Airbus

Die Schwierigkeiten bei der Notlandung des Qantas-Superfliegers waren größer als gedacht. Das gesamte Sicherheitskonzept des A380 steht vor einer Überprüfung. Ein Bericht der australischen Behörden listet 15 Problemfelder auf.

Von Gerhard Hegmann

Nach dem Zerbersten eines Rolls-Royce-Triebwerks am Airbus A380 wird das gesamte Sicherheitskonzept des Riesen-Airbus hinterfragt. Nicht nur die Technik der britischen Turbine, auch die Reaktion des weltgrößten Passagierflugzeugs auf den schweren Zwischenfall muss offenbar einer Revision unterzogen werden. Das legt der von der australischen Transportbehörde ATSB vorgelegte Zwischenbericht zur Notlandung eines Qantas A380 vor einem Monat in Singapur nahe. Er listet insgesamt 15 Problemfelder auf, die näher untersucht werden müssten.

Neben der Überprüfung des Triebwerks hält die Behörde weitere Untersuchungen zum Verhalten des Flugzeugs nach dem Ausfall diverser Systeme für notwendig. So, wie der A380 reagiert, wenn, wie bei dem Unglück geschehen, Strom-, Hydraulik- und Kraftstoffleitungen durchtrennt werden. Außerdem hinterfragt die ATSB das gesamte A380-Notfallkonzept.

Vier geplatzte Reifen

Die Sicherheitsprobleme bedeuten einen Imageverlust für den A380, von dem bislang 234 Exemplare fest bestellt und 40 ausgeliefert sind. Der Zwischenbericht dokumentiert, dass die 469 Menschen an Bord des Airbus nur durch Glück und das Können der Piloten einer Katastrophe entgingen. So kam das 440 Tonnen schwere Flugzeug erst 150 Meter vor Ende der vier Kilometer langen Landebahn zum Stehen.

Die Bremsen des Hauptfahrwerks mit vier geplatzten Reifen waren über 900 Grad heiß, es lief Kraftstoff aus einem Flügel, der von Triebwerkteilen mehrfach durchschlagen worden war. Erst zwei Stunden und sieben Minuten nach der Landung gelang es mithilfe von Löschschaum, ein Triebwerk abzuschalten. Es reagierte zuvor auf keine Cockpitbefehle, weil Stromkabel durchtrennt waren. Trotz der anhaltenden Untersuchungen sieht die Aufsichtsbehörde aber keine unmittelbar drohende Gefahr durch den A380.

Abschlussbericht in einem Jahr

Die Australier wollen in spätestens einem Jahr ihren Abschlussbericht vorlegen. Untersucht werden dafür auch rätselhafte schwarze Ablagerungen in einem von Triebwerkteilen durchschlagenen Kraftstofftank.

Branchenkenner halten jetzt Anpassungen in der Sicherheitssoftware des A380 für möglich, aber auch weitere Vorkehrungen. So fehlt beispielsweise auf dem Cockpitrekorder der Zeitpunkt des Unfalls, weil die Tonspur nur zwei Stunden aufzeichnet und dann Vorhergehendes überschreibt. Über Zeitpunkt und Kosten des Sicherheitsupdates sind laut der Experten derzeit keine Angaben möglich.

FTD

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