Urlaub Pauschaltourismus im Abwärtstrend


Die Reiselust der Deutschen wächst wieder. Allerdings profitieren in erster Linie nicht die Pauschaulreiseanbieter. Vielmehr machen die Angebote von Billigfluggesellschaften den Marktführern zu schaffen.

Die Reiselust der Bundesbürger steigt wieder. 45,2 Prozent der Deutschen wollen in diesem Jahr ganz sicher verreisen - 2004 sagten das nur 41,8 Prozent. Allerdings profitieren einer Studie des Hamburger B.A.T.-Freizeitforschungsinstituts zufolge in erster Linie nicht die großen Pauschalreiseveranstalter wie TUI oder Thomas Cook. Vielmehr machen die Angebote von Billigfluggesellschaften und der Trend zu immer kürzeren, selbst gebuchten Reisen den Marktführern zu schaffen."Der Pauschaltourismus befindet sich im Abwärtstrend", sagte Institutsleiter Horst W. Opaschowski am Mittwoch in Hamburg. Nicht einmal jeder dritte Bundesbürger (29 Prozent) habe der repräsentativen B.A.T.-Umfrage zufolge 2004 eine organisierte Pauschalreise gebucht. Aufgrund der zahlreichen Billigflugangebote würden die Urlauber ihre Reisen immer häufiger selbst zusammenstellen. Der Anteil derjenigen, die bei der Planung der Ferien ganz auf die Hilfe eines Reisebüros verzichten, stieg von 35 Prozent (2000) auf 46 Prozent im vergangenen Jahr. Als einen Grund nannte Opaschowski, dass "das Internet vieles beschleunigt hat".

Die Reiselust hat ihre finanzielle Grenze erreicht

Hinzu kämen Veränderungen bei der Reisedauer. "Die Bundesbürger verreisen wie bisher. Aber die Urlaube werden immer kürzer", sagte Opaschowski. Mit einer durchschnittlichen Reisedauer von knapp 13 Tagen sei ein historischer Tiefstand erreicht. Mittlerweile liege der Marktanteil der individuell organisierten Reisen bei 55 Prozent. Entscheidender Grund sei, dass viele Menschen weniger Geld für den Urlaub zur Verfügung hätten. Die Reisedauer habe 1980 im Schnitt noch gut 18 Tage betragen, im Jahr 2000 immerhin noch 15 Tage.Auch wenn der Trend zu immer kürzeren Reisen ungebrochen ist. Die Reiselust der Deutschen habe ihre finanzielle Grenze erreicht. "Die Wohlstandswende spiegelt sich auch im Tourismus wider." Das Urlaubsbudget der deutschen Touristen werde immer knapper. "Sie retten die Urlaubsphilosophie von den schönsten Tagen des Jahres, indem sie einfach die Reisedauer verkürzen. Denn immer weniger Urlauber können sich eine Zwei-Wochen-Reise leisten", so Opaschowski.

Trend zum Auslandsurlaub

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage mit 4000 Teilnehmern im Alter von mindestens 14 Jahren ist der andauernde Trend zum Auslandsurlaub. Nach 38,4 Prozent im Jahr 2003 blieben 2004 nur noch 34,3 Prozent der Feriengäste im eigenen Land. Das lag nach Opaschowskis Angaben auch am schlechten Sommerwetter im vergangenen Jahr. Unter den Auslandszielen bleiben Spanien und Italien vor der Türkei und Österreich in Führung.Von der jüngsten Flutkatastrophe in Südostasien lassen sich die Deutschen in ihrer Reiseplanung kaum beeinflussen. Fast die Hälfte der 4000 Befragten sei in diesem Jahr zu einer Reise entschlossen, heißt es in der B.A.T.-Reisestudie.

Reuters/DPA DPA Reuters

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