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Rekordmeister auf Abwegen: Auch Manuel Neuer ist das Gesicht der Bayern-Krise, wie diese Zahlen belegen

Der FC Bayern München steckt in einer mittelschweren Krise. Nach jahrelanger Dominanz in der Bundesliga scheint der Meistertitel in dieser Saison bereits in weiter Ferne. An kaum einem Spieler lässt sich der Abwärtstrend so eindrucksvoll belegen wie an Manuel Neuer.

Manuel Neuer (in blau) wurde am Wochenende gleich dreimal von Düsseldorfs Dodi Lukebakio bezwungen

Manuel Neuer (in blau) wurde am Wochenende gleich dreimal von Düsseldorfs Dodi Lukebakio bezwungen

DPA

Der Job des Torwarts ist ein besonders undankbarer. Auf seiner Position werden Fehler knallhart bestraft, zu allermeist mit Gegentoren. Manuel Neuer vom FC Bayern München war über Jahre hinweg ein Meister darin, eben jene Fehler so gut wie zu vermeiden. Und noch viel mehr als das: Der viermalige Welttorhüter hob das Torwartspiel auf ein neues Level. Er war der Prototyp des technisch starken, mitspielenden Schlussmannes, weit bevor das die Regel im Weltfußball wurde. Natürlich ist er auch eine Klasse für sich in der Kernkompetenz seines Jobs: Bälle halten. Neuer parierte in den vergangenen Spielzeiten die sogenannten Unhaltbaren in einer atemberaubenden Regelmäßigkeit. Kurzum: Neuer war über Jahre der mit Abstand beste Torwart der Welt.

Umso tiefer fällt er aktuell. Natürlich ist nicht er allein schuld an der Krise des FC Bayern München. In seinem Fall kann man sie aber besonders eindrucksvoll mit Zahlen untermauern. Neuer hält im Moment nicht einmal jeden zweiten Ball, der in der Bundesliga auf sein Tor abgefeuert wird (45,2 Prozent). Zum Vergleich: In den vergangenen Saisons (2014 bis 2017) lagen diese Werte bei rund 79 Prozent. Die Spielzeit 2017/18 bleibt dabei außen vor, da Neuer hier gerade einmal drei Ligaspiele absolviert hatte. Bei dieser Statistik darf natürlich nicht vergessen werden, dass man als Torwart immer das letzte Glied in einer Verteidigungskette ist. Trotzdem zeigen die Vergleichswerte, dass Neuer hier schon mal deutlich besser abgeschnitten hat.

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Aufreger des Tages: Hoeneß zählt den Trainer an  Die Bayern-Krise kann man mittlerweile nicht mehr als kurze Schwächephase abtun, sie stellt mittlerweile ein substantielles Problem dar. Der Rekordmeister hat nach dem peinlichen Unentschieden vorerst den Anschluss an Tabellenführer Dortmund verloren, der mit neuen Punkten Vorsprung entteilt ist. Der ruhmreiche FCB ist zu einer durchschnittlichen Bundesliga-Mannschaft mit internationalen Ambitionen geschrumpft. Diese Erkenntnis hatte nach dem Spiel gegen Düsseldorf wohl auch Uli Hoeneß. Er tat das, was Fußballbosse in so einer Situation immer tun: Sie zählen den Trainer an. Dabei wissen alle: Hoeneß trägt als Ober-Häuptling ein gerüttelt Maß an Mitverantwortung für den Schlamassel.

Aufreger des Tages: Hoeneß zählt den Trainer an

Die Bayern-Krise kann man mittlerweile nicht mehr als kurze Schwächephase abtun, sie stellt mittlerweile ein substantielles Problem dar. Der Rekordmeister hat nach dem peinlichen Unentschieden vorerst den Anschluss an Tabellenführer Dortmund verloren, der mit neuen Punkten Vorsprung entteilt ist. Der ruhmreiche FCB ist zu einer durchschnittlichen Bundesliga-Mannschaft mit internationalen Ambitionen geschrumpft. Diese Erkenntnis hatte nach dem Spiel gegen Düsseldorf wohl auch Uli Hoeneß. Er tat das, was Fußballbosse in so einer Situation immer tun: Sie zählen den Trainer an. Dabei wissen alle: Hoeneß trägt als Ober-Häuptling ein gerüttelt Maß an Mitverantwortung für den Schlamassel.

Manuel Neuer und die "Unhaltbaren"

Zu sehen war das auch wieder am Wochenende. Fünf Chancen hatte Aufsteiger Fortuna Düsseldorf in der Allianz-Arena, einer ging vorbei, einen hielt Neuer, drei landeten im Netz. Und auch wenn keines der Gegentore ein klarer Torwartfehler war. Zumindest Tore zwei und drei gingen eng an seinem Körper vorbei und fielen in die Kategorie "Hält ein Neuer in Topform". Das fiel auch Düsseldorfs Coach Friedhelm Funkel nach der Partie in München auf. Er sagte bei Sky am Sonntag: "Auch der Manuel Neuer ist in dieser Saison nicht ganz so stabil, weil auch die Defensive nicht so stabil ist. Er ist nach wie vor unser bester Torwart in Deutschland. Er kann an den Toren ja nichts machen. Aber in einer guten Phase hält er vielleicht den einen oder anderen, weil er auch ein bisschen glücklicher agiert." Diese Sicht untermauert auch die folgende Statistik. 

Noch drastischer ist Neuers Leistungsabfall nämlich an den Zahlen zu Großchancen abzulesen. Hier hielt er 2014 mehr als zwei Drittel der brenzligen Situationen, im Jahr darauf immerhin noch knapp jede Zweite und 2017 immerhin noch 38 Prozent. Aktuell liegt er nach zwölf Partien bei schwachen 14,3 Prozent. Damit ist er auf Platz 21 im Torwart-Ranking der Liga. Im Klartext: Neuer hielt schon mal fünf mal so viele Großchancen wie aktuell - und das auf eine komplette Saison gesehen.

Bereits so viele Gegentore wie sonst im Jahr

Auch die weiteren Zahlen sprechen nicht gerade für den Mann mit dem hektischen Reklamierarm: Neuer setzt in drei Spielen durchschnittlich zu nur noch zwei Paraden an, früher waren das vier bis fünfeinhalb pro Partie. Nach zwölf Bundesliga-Begegnungen hat Neuer bereits 17 Gegentore kassiert, so viele wie normalerweise in einer gesamten Spielzeit, wenn überhaupt.

Neuer spielt eine gebrauchte Saison. Nach dem WM-Vorrundenaus für Deutschland wurde auch viel über ihn gesprochen, zwar weniger ob seiner Leistung, denn ob der offensichtlichen Vorzugsbehandlung durch den Bundestrainer. Nichtsdestotrotz scheint das alles auch an ihm nicht spurlos vorbeigegangen zu sein. Im wichtigen Spitzenspiel gegen den BVB war es der von ihm verschuldete Elfmeter, der Dortmund zurück ins Spiel und letztlich auf die Gewinnerstraße brachte. Nach Jahren der Dominanz geht es zurück auf den Boden der Durchschnittlichkeit. Das gilt für den FC Bayern München, das gilt offenbar auch für Manuel Neuer.

Quellen: Transfermarkt.de / Ligainsider.de 

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